Ohne Denner kein Goodman

14. Januar

Ohne ihn gäbe es wahrscheinlich keinen Benny Goodman oder Woody Herman – jedenfalls hätten sie sich ein anderes Instrument suchen müssen: Der gebürtige Leipziger Johann Christoph Denner erfand nämlich in diesen Tagen vor 320 Jahren, genau am 14. Januar 1690, die Klarinette.

Denner war damals 35 Jahre alt und lebte in Nürnberg, wohin er im Alter von elf Jahren zusammen mit seinem Vater gezogen war, der dort bessere Berufsaussichten sah als Hersteller von Jagdpfeifen zum Anlocken von Wild und von Jagdhörnern. Man sieht, der Bau von Instrumenten lag Denner im Blut, so dass er 1678 als junger Mann in das Gewerbe einstieg und begann, an den vorhandenen Instrumenten herumzutüfteln.

Darunter war auch die Barocktrompete, die gelegentlich heute noch benutzt wird, die aber nur in höheren Tonlagen variabel einsetzbar ist, was in Partituren häufig als „Clarino“ bezeichnet wird, so dass dem hübschen Instrument auch der Name „Clarin-Trompete“ gegeben wurde. Diesen Nachteil wollte Denner ausgleichen, indem er an dem gerade erst erfundenen Chalumeau herumbastelte, einem Holzblasinstrument, das in den höheren Tönen so ähnlich klang wie die Trompete und deshalb von einem gewissen Joseph Maier in seinem 1732 erschienenen „Museum musicum“ „Clarinetto“, also kleine Trompete, genannt wurde.

Dabei kam Denner zugute, dass portugiesische Händler schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts, also zu Zeiten von Christoph Kolumbus, aus der Sahelzone und angrenzenden Gebieten ein tief dunkelbraunes Hartholz aus der Familie der Palisander (weshalb es im englischen „African Blackwood“ heißt) nach Europa gebracht hatten, das sogenannte Grenadill-Holz, das seitdem aus dem Instrumentenbau nicht mehr fortzudenken ist. Früher nannte man das Holz des afrikanischen Laubbaumes auch „Senegal-Ebenholz“, was aber irreführend ist, da es eben nicht zur Familie der Ebenhölzer gehört.

Johann Christoph Denner nahm also ein Chalumeau und versah es mit zwei Zusatzklappen zum „Überblasen“, worunter man die Naturtöne durch verstärktes Anblasen und gleicher Griffhaltung erhöhen kann. Denners Instrument hatte zwar nach wie vor Schwächen im tiefen Notenbereich, was aber andere Instrumentenbauer abstellten, indem sie mehr Klappen einbauten. Das klassische Instrument hatte acht Grifflöcher und fünf Klappen.

Aber alles das ist bei Musikhistorikern durchaus umstritten, es wird sogar behauptet, dass Denner nie ein Klarinette gebaut hat. In der Tat stammt die erste nachweisbare Erwähnung einer Klarinette aus dem Jahre 1710 und da war Denner bereits drei Jahre tot. Es handelt sich dabei um eine Rechnung, die Denners Sohn Jacob ausgestellt hatte, der ebenfalls Instrumentenbauer war und der zusammen mit seinen Brüdern eine von seinem Vater gegründete Musikinstrumentenfabrik in Nürnberg zu großem wirtschaftlichen Erfolg führte.
Jedenfalls gibt es heute, einmal abgesehen von einem im Besitz der „University of California“ in Berkeley befindlichen Instrument keine Klarinette mehr, die von Johann Christoph Denner höchstpersönlich hergestellt sein könnte. Eine soll im Zweiten Weltkrieg zerstört worden sein. Aber alles wird nach wie vor heftig diskutiert, da sich die Erfindung der Klarinette durch Denner auf relativ unsichere Quellen stützt wie der Erwähnung in dem 1730 vom Direktor der Eimmartschen Sternwarte in Nürnberg, einem gewissen Johann Gabriel Doppelmayr, herausgegebenen Buch mit dem Titel „Historische Nachricht von den Nürnbergischen Mathematicis und Künstlern“, in dem Denner die Erfindung des Klarinette „zu Beginn des Jahrhunderts“ zugeschrieben wurde.

Wie dem auch sei.

Fest steht, dass der Siegeszug der Klarinette durch praktisch alle Sparten der Musik, von Klassik über Jazz bis zur Unterhaltungsmusik unaufhaltsam war. So schrieb beispielsweise ein begeisterter Wolfgang Amadeus Mozart „Ach, wenn wir nur clarinetti hätten! – sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten einen herrlichen Effect macht.“
Im Jazz ist die Klarinette inzwischen ein wenig aus der Mode gekommen, nachdem sie vor allem in der Ära des Dixielands und der Big Bands in den 20er bis 40 Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre Blütezeit hatte. Später wurde sie weitgehend vom Saxophon verdrängt. Aber so etwas kann sich auch wieder ändern ...

1 Kommentar:

Test hat gesagt…

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