Dian Fossey – eine Frau und die Gorillas

16. Januar

Nyiramachabelli, so nannten sie ihre afrikanischen Freunde, die „Frau, die einsam im Wald lebt“. Und dieses Wort steht auch auf dem Grabstein von Dian Fossey auf dem Gorillafriedhof im von ihr gegründeten Karisoke Reserche Centre in Ruanda, 3000 Meter über dem Meeresspiegel. Sie ruht neben Digit, ihr Lieblingsgorilla, mit dem sie eine nie da gewesene Freundschaft zwischen Mensch und Menschenaffe verband.

Sie wurde nur knapp 54 Jahre alt, die weltberühmte Zoologin, die ihr Leben den Berggorillas der Virunga-Vulkane widmete und für die sie schließlich auch sterben musste. 75 Jahre wäre sie am 16. Januar geworden, wenn ihr nicht am 27. Dezember 1985 einer oder mehrere wahrscheinlich gedungene Killer mit Macheten den Schädel zertrümmert und sie sterbend in ihrer Hütte zurückgelassen hätten.

Der Mord wurde nie aufgeklärt, die Theorie, dass es sich um Wilderer gehandelt haben könnte, ist, so ihr kanadischer Biograf Farley Mowat, nicht sehr glaubwürdig. Die hätten sie viel einfacher im Wald umbringen können. Mowat meint, dass es eher Leute waren, die sich von Fossey in der touristischen Ausbeutung des Paradieses der Gorillas behindert fühlten, also durchaus in der Spitze des ruandischen Tourismus-Ministeriums zu finden sein könnten, das zuvor mehrfach vergeblich versucht hatte, die Verlängerung des Visums der US-Forschern zu verhindern. Mowat: „Das war ihr Todesurteil“.

Dian Fossey legte sich mit vielen Leuten an, mit den Wilderern, die auf der Jagd nach wertvollen Gorilla-Babys die erwachsenen Tiere abschlachteten, mit den Tourismus-Managern, selbst mit an sich ehrenwerten Organisationen wie dem World Wildlife Fund (WWF), denen sie vorwarf, in ihrem Namen Spenden zu sammeln, sie aber in Wirklichkeit in „nutzlose Parkmanagements“ zu stecken. Auch mit ehemaligen Weggefährten und einigen ihrer Studenten überwarf sie sich, weil sie immer nur eines im Sinn hatte: Ihre Gorillas.

Diese bis zur Starrköpfigkeit reichende Hartnäckigkeit war es aber auch, die Dian Fossey ermöglichte, so nah an die imposanten und durchaus nicht ungefährlichen engen Verwandten des Menschen heranzukommen. Geduldig und langsam näherte sie sich ihnen, indem sie ihre Verhaltensweisen nachahmte, beispielsweise Äste abbrach und Blätter aß. Tausende von Stunden hielt sie sich in der Nähe der bis zu zwei Meter groß werdenden Tiere auf, bis sie schließlich so viel Vertrauen fassten, dass sie sich sogar berühren, streicheln und kitzeln ließen, ihr schließlich sogar den Kugelschreiber und das Notizbuch klauten.

Mehr als 20 Jahre arbeitete Dr. Dian Fossey im Urwald, schrieb ihre epochemachenden Beobachtungen auf, wurde zu einer unumstrittenen Kapazität in der Erforschung der Berggorillas, so wie es die in Wiesbaden geborene Amerikanerin Biruté Mary F. Galdikas bei den Orang-Utans von Borneo und die Engländerin Jane Goodall bei den Schimpansen von Tansania sind.

Und sie ist bis heute unvergessen. Zum einen, weil durch ihren harten Kampf die Zahl der Berggorillas inzwischen auf rund 700 Exemplare angestiegen ist und zum anderen durch den 1988 gedrehten Hollywood-Film „Gorillas im Nebel“, der der Hauptdarstellerin Sigourney Weaver eine Oscar-Nominierung einbrachte und Millionen von Menschen in aller Welt rührte.

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