Die Legionärskrankheit

18. Januar

Was für ein Schock: Als sich am 21.7. 1976 mehrere hundert Veteranen der „American Legion“ in Philadelphia anlässlich des 200 Geburtstages der USA trafen, erkrankten plötzlich 221 von ihnen, 34 starben an einer Lungenentzündung. Die Welt stand vor einem Rätsel. Zunächst wurde eine asiatische Schweinepest als Ursache vermutet, so dass der damalige US-Präsident Gerald Ford in aller Eile ein umfangreiches Notprogramm erließ. Sogar ein Anschlag mit Biowaffen wurde nicht ausgeschlossen, weil es sich bei den meist älteren ehemaligen Kämpfern ausschließlich um Teilnehmer an Weltkriegen oder sonstigen kriegerischen Einsätzen handelte (Korea, Vietnam).

Das Bellevue-Stratford-Hotel, in dem die Tagung stattfand, hatte einen ausgezeichneten Ruf, galt zu Beginn des Jahrhunderts, als es von einem preußischen Einwanderer namens George C. Boldt gegründet wurde, sogar als eine der luxuriösesten Herbergen der Welt.

Aber es tauchte schon bald der Verdacht auf, dass die seltsame Krankheit, die von da an „Legionärskrankheit“ hieß, irgendwie mit mangelnder Hygiene zu tun hatte und so wurde auch das Bellevue-Stratford ein Opfer der unheimlichen Epidemie. Im November 1976 musste es für ein paar Jahre schließen, wechselte inzwischen häufig den Besitzer und trägt seit 1996 den Namen „Park Hyatt Philadelphia at the Bellevue“.

Erst am 18. Januar 1977 fand ein gewisser Dr. Joseph McDade endlich die Ursache: Der Mörder war eine winzige stäbchenförmige Bakterie, die sich im Kühlturm der Klimaanlage des Hotels offensichtlich sehr wohl fühlte und die besonders gern die Lunge des Menschen angreift. Es bekam den Namen „Legionella pneumophila“ und überträgt sich durch Einatmen von Sprühwasser, besonders bei befallenen Klimaanlagen, nicht so häufig benutzten Whirlpools oder Duschen. Von „Legionella“ sind 48 Arten bekannt.

Selbst, wenn sie zuvor kerngesund waren, besteht das Risiko, dass etwa 15 von 100 Erkrankten sterben müssen, bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, können es 70 von 100 sein. Die Symptome sind einer echten Lungenentzündung vergleichbar: Hohes Fieber, Husten, Atemnot, Muskelschmerzen, Schüttelfrost und Magen-Darm-Probleme.

Ähnliche Symptome zeigen aber auch zahlreiche andere Erkrankungen, so dass die „Legionärskrankheit“ nicht immer als solche erkannt wird. Deshalb sind, trotz Meldepflicht, verlässliche Zahlen über die wahre Zahl der „Legionella pneumophila“-Opfer nicht zu erhalten. Das Robert-Koch-Institut, bei dem die Informationen zusammenlaufen, stellte für das Jahr 2004 für Deutschland 475 Fälle (29 Tote) fest, in der Realität können es aber auch leicht doppelt so viele sein.

In einem der bisher letzten Fälle erkrankten im spanischen Stierkampf-Ort Pamplona 149 Menschen durch eine defekte Klimaanlage, glücklicherweise gab es keine Todesopfer. Das war aber im Oktober 2005 noch anders, als in einem Altersheim im kanadischen Toronto ebenfalls durch eine von Bakterien befallene Air-Condition von 121 Menschen 21 sterben mussten, genauso viele wie in Pas-de-Calais in Frankreich ein Jahr zuvor.

Der schwerste Ausbruch von „Legionärskrankheit“ nach dem Desaster von Philadelphia ereignete sich im März 1999, als bei einer Blumenausstellung in Bovenkarspel in Holland von 200 erkrankten Patienten 32 starben. Verantwortlich war, wie sich später ergab, ein Whirlpool. Weitere Fälle mit Todesopfern wurden unter anderem in den USA, in Norwegen, Spanien und Australien registriert.

Der bekannteste Fall in Deutschland ereignete sich im August 2003 während einer 13tägigen Kreuzfahrt von Bremerhaven über Polen, Lettland, Estland, Russland, Finnland und Schweden zurück nach Deutschland, als sich 17 Passagiere infizierten und einer starb. Die genaue Ursache konnte nicht ermittelt werden.

Und wie kann man sich schützen? Der beste Schutz ist ein stabiles Immunsystem des Körpers und eine sorgfältige Wartung der jeweiligen Anlagen. Es nützt aber auch, wenn man bei länger in Leitungen stehendem Wasser oder Hygiene-Bedenken etwa 10 Minuten heißes Wasser laufen lässt, ohne dem Wasserdampf zu nahe zu kommen. Und auf einen Besuch des hoteleigenen Whirlpools sollte man im Zweifel verzichten und lieber ein wenig schwitzen, als die Klimaanlage zu hoch zu stellen ...

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