300 Jahre Porzellan aus Meißen

23. Januar

Es handelt sich um eine einfache Labornotiz, in der ein gewisser Johann Friedrich Böttger einige seiner Brennergebnisse festhielt. Das war am 15. Januar 1708, und dieser an sich unbedeutende Zettel war, wie sich später herausstellte, die Geburtsurkunde des europäischen Hartporzellans. Es sollte allerdings noch etwas dauern, genau bis zum 28. März des folgenden Jahres, bis Böttger seinem Herrn und Meister August dem Starken die Erfindung des „weißen Golds“ vermelden konnte.

Der Potentat hatte zwar eigentlich gehofft, dass ihm der seinerzeit 27jährige Alchemist aus dem südostthüringischen Schleiz richtiges Gold zusammenbrauen würde, um seine immensen Hofhaltungskosten zu decken, aber Böttgers Erfindung gefiel ihm auch. Denn der Kurfürst von Sachsen und König von Polen hatte immer schon einen Faible für kostbares Porzellan, das es bis zu jenem Zeitpunkt nur in China gab. Und sein Hobby ließ sich der starke August durchaus etwas kosten. Einmal tauschte er mit einem deutschen Fürsten sogar 600 seiner hervorragend ausgebildeten Soldaten gegen 151 chinesische Vasen.

Für Sachsen und vor allem für die Stadt Meißen war Böttgers bahnbrechende Leistung ein Meilenstein, denn vor 300 Jahren, am 23. Januar 1710, wurde die „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur“ gegründet, heute noch eine der berühmtesten und einträglichsten Porzellan-Produktionsstätten der Welt.

Für den jungen Johann Friedrich Böttger war es mit einiger Verzögerung das Ende einer langen Leidenszeit, die 1701 begonnen hatte, als er als junger und neugieriger Apotheker-Gehilfe in Berlin mit allerlei Stoffen herumexperimentierte und dabei, wie damals jeder Alchemist, versucht hat, Gold herzustellen. Das gelang zwar auch Böttger bekanntermaßen nicht, aber wahrscheinlich ohne sein Zutun geriet er in den Ruf, den „Stein der Weisen“ gefunden zu haben, also jene Substanz mit der man zum Beispiel Quecksilber in Gold verwandeln kann.

Davon erfuhr natürlich auch der dauerklamme preußische König Friedrich I., der sich durch Böttger eine Sanierung der Staatsfinanzen versprach, ihm deshalb zunächst ein freundliches Angebot unterbreitete, dann aber, als der nichts von sich hören ließ, höchst ungemütlich wurde. Er ließ einen Haftbefehl ausstellen, dem sich Böttger erst in letzter Minute durch Flucht nach Wittenberg entziehen konnte.

Das hatte August der Starke erfahren und ließ den hoffnungsvollen Möchtegern-Goldmacher nach Dresden bringen. Böttger wurde scharf bewacht und die Tatsache, dass alle Versuche Gold herzustellen fehlschlugen, verbesserten seine Situation auch nicht gerade, aber da der preußische König hartnäckig auf der Auslieferung Böttgers bestand, setzte sich bei August die Meinung fest, hier doch einen „Goldfisch“ an der Angel zu haben.

Der Kurfürst änderte sein Verhalten und sorgte für bessere Arbeitsbedingungen für den jungen Ex-Apotheker. Böttger bekam nun ein nettes Laboratorium und zwei Helfer, die sich im Laufe der folgenden Jahre als äußerst wertvoll erwiesen, nämlich den Mathematiker und Physiker Ehrenfried Walter von Tschirnhaus und den Münzaufseher Gottfried Pabst von Ohain.

Heimlich legten die experimentierfreudigen Forscher die Idee Gold herzustellen ad acta und die drei konzentrierten sich auf die Produktion von Porzellan, was ja schließlich großen Erfolg hatte. Nach insgesamt mehr als zwölf Jahren mehr oder weniger harter Gefangenschaft konnte Böttger 1715 seine Majestät überzeugen, dass er nicht mehr fliehen würde und vor allem auch niemandem das Geheimnis der Porzellanherstellung verraten würde. Er wurde nicht mehr bewacht.

Lange Freude hatte er allerdings nicht mehr an seiner Freiheit, denn schon am 13. März 1719 starb Johann Friedrich Böttger im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen seiner jahrelanger chemischen Experimente und möglicherweise auch, weil er dem Alkohol gelegentlich zu ausgiebig zugesprochen haben soll ...

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