Das erste Dosenbier

24. Januar

Für jeden aufrechten Grünen ist der 24. Januar 1935 ein ganz, ganz schwarzer Tag. Das gilt besonders für Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin, denn ohne diesen Tag hätte er viel weniger Ärger gehabt und hätte sich auf Dinge konzentrieren können, die nicht mit EU-Recht in Konflikt geraten konnten.

An jenem Tag im Januar 1935 brachte nämlich die amerikanische Brauerei „Gottfried Kreuger Brewing Company“ mit Sitz in Newark im US-Bundesstaat New Jersey das erste Dosenbier auf den Markt. Verkauft wurden „Krueger’s finest Beer“ und „Cream Ale“ erstmals in Richmond in Virginia.

Eigentlich war es eine Verzweiflungstat, denn die von deutschen Einwanderern gegründete Brauerei stand kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Mehr als ein Jahrzehnt Alkoholverbot hatten sie an den Rand des Konkurses gebracht und dieser Alptraum für alle Biertrinker und -hersteller war erst gut ein Jahr zuvor, am 5. Dezember 1933, aufgehoben worden. Außerdem war Brauerei-Gründer Gottfried Kueger 1926 gestorben und die Belegschaft befand sich in einem langfristigen Streik. Aber: Wenn sowieso schon alles egal ist, klammert man sich an jeden Strohhalm. Und dieser hier wurde auch noch von anderen bezahlt. Die US-Weißblechdosenindustrie hatte schon 1909 damit begonnen, neue Märkte in der Brauwirtschaft zu suchen und sie stellten „Krueger“ eine Abfüllvorrichtung zu Verfügung und lieferten die ersten Dosen kostenlos.

Die anderen US-Brauereien, unter ihnen die Marktriesen „Pabst“ und „Anheuser-Busch“ hatten sich nämlich zuvor auch schon mit dem Thema beschäftigt, es aber zunächst zurückgestellt oder gar abgehakt, weil sie um ihre Reputation fürchteten. In diese Lücke stieß jetzt „Krueger“. Der Bierumsatz verfünffachte sich innerhalb kürzester Zeit.

Die amerikanischen Biertrinker, die ihr Lieblingsgetränk heute noch am liebsten eiskalt trinken, frei nach dem Motto, wenn es schon nicht schmeckt, so muss es wenigstens kalt sein, fanden diese neuen Dosen einfach praktisch. Man konnte sie besser transportieren und sie waren leichter in den neuen Lieblingen der amerikanischen Haushalte, den Kühlschränken, zu stapeln. Klar, dass die anderen Brauereien so schnell wie möglich nachzogen. Schon Ende des Jahres 1935 hatten 37 US-Bierhersteller, darunter alle Großen wie Schlitz (Werbespruch: Das Bier, das Milwaukee berühmt machte) Dosenbier im Angebot.

An Umweltbelastungen oder gar an Dosenpfand dachte man damals noch nicht, es gab ganz andere Probleme - beispielsweise, wie man verhindert, dass der leckere Gerstensaft nicht ekelhaft nach Metall schmeckt und vor allem, wie man eine solche Weißblechdose, die von innen unter Druck steht, öffnet, ohne dass der gesamte Inhalt fontänenartig herausschießt.

Das erste Problem hatte die „American Can Company“, die den US-Markt für Weißblechdosen beherrschte, schon vor Aufhebung der Prohibition gelöst, indem sie Spezialdosen anbot, die von innen beschichtet waren.

Das zweite war schon ernster und es dauerte in den USA bis ins Jahr 1962, in Deutschland sogar bis 1964, bevor „Lift-Taps“ die spitzen Öffner ersetzten, mit denen man zuvor ein oder besser zwei Löcher in den Deckel bohren musste. „Lift-Taps“ waren durch Metallstreifen verschlossene Löcher, die schon bald durch die heute noch gebräuchlichen „Ring-Pulls“ ersetzt wurden.

Natürlich gibt es auch auf dem Dosenbiermarkt immer wieder etwas Neues. So hat ein Engländer mit Namen Michael Anthony eine Dose, die sich durch Kohlendioxyd innerhalb einer halben Minute auf 5 Grad selbst kühlte, erfunden. Aber so richtig durchgesetzt hat sich das nicht.

In Deutschland halten sich, vor allem in traditionellen Biertrinker-Gegenden wie Bayern oder an der Küste, hartnäckig diejenigen, die Bier aus Glasflaschen vorziehen, vor allem wegen des Geschmacks und vielleicht auch wegen der verheerenden Folgen von Milliarden von Weißblechdosen für die Umwelt.

Seit Jahren wird zwar von den Brauereien mit sogenannten „PET“-Kunststoffflaschen für Bier herumexperimentiert, und bei den Discountern findet man sie ja auch. Aber so recht glaubt niemand daran, dass sie das traditionelle Glas ersetzen werden. Aber das dachte man auch vom Dosenbier ...

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