Der erste Opernball

26. Januar

Der Wiener an sich tanzt gern – mit Vorliebe Walzer linksherum. Das war schon immer so, während und nach dem Wiener Kongress, zu Zeiten einer Kaiserin Elisabeth, auch Sisi genannt, und ganz besonders seit dem 26. Januar 1935, seit Eröffnung des ersten Wiener Opernballs. Seitdem tanzt ganz Wien, nicht nur die Betuchten, die sich eine Loge zum Preis von bis zu 50 000 Euro leisten können, sondern auch die anderen, die man landläufig als „das Volk“ kennt.

Der Aufstieg Wiens zur Ball-Metropole der Welt ist eng mit der Geschichte des Walzers verbunden, den es schon im 18. Jahrhundert gab, der aber erst in napoleonischer Zeit salonfähig wurde. Zuvor hatte man die schwindelerregenden Drehungen sogar für gesundheitsgefährdend gehalten. Aber nach dem Wiener Kongress wurden alle Bedenken beiseite geschoben, überall wurde berauschender Walzer getanzt. Der Hochadel tat es, das Großbürgertum und die Fiakerkutscher mit ihren Wäschermaderln.

Bis zur den blutigen Unruhen der Revolution von 1848 war das so, danach hatten die Menschen nicht mehr so rechten Spaß an Tanzvergnügungen. Kaiser Franz-Josef I. höchstpersönlich war es, der 1862 mit einem Ball im „Theater an der Wien“ die Sache wieder in Schwung brachte.

Nachdem er Burgtheater und Staatsoper hatte errichten lassen, weigerte sich seine Majestät allerdings zunächst, dort auch Tänze zuzulassen. Der erste „Ball in der Hofoper“ fand deshalb im Gebäude der„Gesellschaft der Musikfreunde“ statt.

1877 gab der Kaiser schließlich dem „Druck der Straße“ nach und öffnete dem Volk die Räume der Hofoper. Das war zwar noch kein richtiger Ball wie heute, sondern lediglich eine „Soirée“, auf der erst nach Mitternacht getanzt werden durfte, aber immerhin.

Drei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde 1921 die Tradition der „Opernredoute“ wieder aufgenommen, aber erst seit 1935 trägt der Ball offiziell den Namen „Wiener Opernball“. Im Zweiten Weltkrieg musste dann natürlich eine Zwangspause eingelegt werden, bis dann 1956 in der neu aufgebauten Oper wieder Walzer getanzt werden durfte.

Das ist in jedem Jahr so (es sei denn, es ist Krieg wie am Golf), immer am letzten Donnerstag im Fasching. Dann kommt das Wiener Blut in Wallung, innerhalb und außerhalb der Staatsoper, bei den Debütanten und der High Society, bei der für die Sicherheit zuständigen Polizeikräften und bei den Demonstranten an den Absperrgittern.

Viel zur allgemeinen Erregung trägt seit ein paar Jahren ein Bauunternehmer mit Namen Richard Lugner bei, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, gegen Bezahlung internationale Prominenz zu sich in die Loge zu holen. „Mörtel“, wie er in Wien nicht wenig verächtlich genannt wird, ließ schon mehr oder weniger aktuelle Stars wie Sophia Loren, Claudia Cardinale, die Herzogin von York oder auch Nadja Abdel Farrag, besser bekannt als „Naddel“, antanzen. Opernball-Puristen rümpfen bei derartigen Machenschaften zwar die Nase, aber sie garantieren dem Wiener Opernball ein paar Schlagzeilen und was wäre man heutzutage ohne die ...

Keine Kommentare: