Die Erfindung des Mr. Hammond

19. Januar

Es gibt Menschen, deren Namen untrennbar mit den Dingen verbunden sind, die sie erfunden haben. Kellogg für Cornflakes etwa oder Colt für einen Revolver. Das gilt auch für den Amerikaner Laurens Hammond, der sich die gleichnamige Orgel einfallen ließ. Am 11. Januar 1895, wurde er in Evanston, einer Stadt am Michigansee nördlich von Chicago geboren.

Die Geschichte dieses in der Unterhaltungs- und Kirchenmusik überaus erfolgreichen Instruments begann eigentlich mit einer Uhr, in die Hammond 1920 einen Wechselstrom-Synchronmotor einbaute, was dem Geschäftsmann so viel Geld einbrachte, dass er eine Firma gründete, die „Hammond Clock Company“. Gut zehn Jahr später begann er darüber nachzudenken, was man noch alles mit diesem Motor anstellen könnte.

Damals wurden in Theatern und Kinos relativ viele Orgeln eingesetzt, und da einer seiner Mitarbeiter Organist in einer Kirchengemeinde war, kam das eine zum anderen und Hammond beschloss 1933, ein Instrument zu bauen. Er war selbst zwar kein Musiker, aber ein begnadeter Techniker, der in seinem Leben 110 Patente erwarb, darunter die berühmten 3-D-Brillen für die Ziegfeld Follies, einer Jahresrevue am New Yorker Broadway, die über 50 Jahre bis 1957 erfolgreich war oder auch einen elektrischen Bridge-Tisch. Hammonds Tüfteleien an einem alten Klavier führten schließlich dazu, dass er am 19. Januar 1934 das Patent für seine Orgel anmeldete und es in rekordverdächtiger Zeit bereits gut drei Monate später, am 24. April, unter der Nummer 1 956 350 erhielt.

Wieder ein knappes Jahr später, am 15. April 1935, führte Pietro Yon, berühmter Organist an der in der St.-Patrick-Kathedrale in New York das Instrument in seiner Heimatkirche der Presse vor. Es wurde ein überwältigender Erfolg.

Auto-Tycoon Henry Ford war einer der ersten, die bestellten und zwar gleich sechs Orgeln. Und schon bald tauchten weitere prominente Namen auf den Bestelllisten auf: George Gershwin etwa oder auch der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower sollen unter den ersten Käufern gewesen sein. Schon schnell mehrten sich Stimmen, die kritisierten, dass Hammond sein Instrument „Orgel“ nannte, da es ja keine für eine Orgel eigentlich unverzichtbaren Pfeifen habe.

Außerdem warb Hammond damit, dass die Zahl der Klangvariationen „unendlich“ sei, was ebenfalls angegriffen wurde. 1938 kam es zu einem aufsehenerregenden Testlauf in der Kapelle der Universität Chicago, wo Experten feststellten, dass es eben doch eine Orgel sei. Hammond musste allerdings sein „unendlich“ auf „253 Millionen Klangvariationen“ reduzieren. Diese Diskussion brachte neuen Schwung, so dass die US-Army beschloss, Hammond einen Auftrag für den Bau von Orgeln für die musikalische Betreuung der Soldaten zu erteilen, was in vielen den Wunsch erweckte, in der Nachkriegszeit selbst eine solche Orgel zu besitzen.

Als dann 1949 die erste Heim-Spinett-Orgel, in die ein Lautsprecher eingebaut war, unter dem Namen „Cinderella“ angeboten wurde, kam es bei Hammond zu ernsten Lieferengpässen, obwohl viele Käufer bereit waren, die Hälfte des Preises bereits zu zahlen, ohne zu wissen, wann sie ihr Instrument erhielten. Und Hammond legte nach. Immer wieder wurden die Modelle erweitert, beispielsweise ab 1955 mit Percussion oder seit 1959 mit Nachhalleinheit.

Anfang der 50er Jahre begann die Hammondorgel die Jazz-Welt zu erobern, als der Pianist Wild Bill Davis ein Trio gründete, in dem er an diesem Instrument saß. Davis war es auch, der Count Basie dazu brachte, sich für den neuen Sound zu interessieren.

Andere wie Richard „Groove“ Holmes oder Freddie Roach kamen hinzu und dann auch große Namen in der Welt des Rock und Pop: Keith Emerson von Emerson, Lake & Palmer, Brian Auger, der unter anderem Rod Stewart begleitete, Jon Lord von Deep Purple oder Steve Winwood von der Spencer Davis Group.

Laurens Hammond, der am 3. Juli 1973 starb, erlebte die große Schwächephase für sein Instrument, die Anfang der 80er Jahre begann nicht mehr und somit auch nicht den Verkauf seiner Firma an einen australischen Multimillionär, dem es aber nicht gelang neuen Schwung zu schaffen. Das passierte erst, als der japanische Mundharmonika-Spezialist Suzuki das Geschäft übernahm.

Inzwischen hat die Hammond-Orgel wieder eine Menge Boden gut gemacht, beispielsweise durch die Münchnerin Barbara Dennerlein oder Joey de Francesco, der unter anderem mit der Hammond-Legende Jimmy Smith zusammenarbeitete und so einen Kreis schloss.

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