Pu der Bär

31. Januar

Winnie the Pooh oder Pu der Bär, da sind sich alle einig, wurde mit warmem Herzen geschrieben, voller Liebe, die ein Vater für seinen Sohn empfinden kann. Und das ist kein Wunder, denn genau aus diesem Grund gibt es den „Bären von geringem Verstand“ überhaupt. Geschrieben hat sie der Engländer Alan Alexander Milne für seinen Sohn Christopher Robin.

Milne, der unter anderem zwei Jahre lang, von 1904 bis 1906, Mitherausgeber der berühmten Satire-Zeitschrift „Punch“ war, wurde am 18. Januar 1882 geboren und machte schon früh Bekanntschaft mit der Literatur, denn in der von seinem Vater geleiteten Privatschule hieß einer der Lehrer H.G. Wells, Autor berühmter Science-Fiction-Romane wie „Krieg der Welten“ und „Die Zeitmaschine“.

Milnes größter Erfolg waren die Geschichten um das honigsüchtige Pelztier mit Namen „Winnie the Pooh“, dessen erster Band am 14. Oktober 1926 in einem Londoner Verlag erschien. Es wurde ein gigantischer Erfolg, wurde zu einem der meistgelesenen Kinderbücher der Welt. Noch heute werden rund 25 000 Bücher in jedem Jahr allein in Deutschland verkauft, wobei der Verdacht besteht, dass Eltern, die die Geschichten ihren Kindern vorlesen, mindestens ebenso viel Spaß an den Abenteuern des gutmütigen, wenn auch etwas langsamen und tollpatschigen Zotteltier haben wie ihre Kinder. Das liegt sicher auch an der phantasievollen neuen Übersetzung durch den Hamburger Schriftsteller Harry Rowoldt, dessen „Pu“ durchaus literarische Ansprüche erfüllt.

Winnie Pu macht eben alle glücklich – bis auf seinen Schöpfer A.A. Milne, denn der hätte viel lieber ernstere und anspruchsvollere Bücher oder Dramen für Erwachsene geschrieben. Und auch sein Sohn Christopher Robin hatte sein Leben lang schwer daran zu knabbern, dass sein Vater ihm „auf die Schulter gestiegen, ihm den Namen geraubt“ habe und ihn schließlich zurückgelassen hatte „mit nichts als dem leeren Ruhm sein Sohn zu sein.“

Alles hatte damit begonnen, dass der vierjährige Christopher Robin Milne 1924 mit seinen Eltern den Londoner Zoo besuchte und dort ein Amerikanisches Schwarzbärweibchen entdeckte, das den Namen „Winnie“ trug. Und schon hatte der kleine Plüschbar, den Christopher zu seinem ersten Geburtstag geschenkt bekommen hatte, einen neuen Namen, der immer wieder in den schönen Geschichten auftauchte, die Vater Milne seinem Sohn erzählte und die kurz darauf und in gedruckter Form ihren Siegeszug durch die Welt antraten.

„Winnie“ gab es also wirklich und die Schwarzbärin war im richtigen Leben Heldin einer abenteuerlichen Geschichte, die 1914 in Kanada begann, als ein kanadischer Veterinäroffizier das Bärenkind einem Trapper abkaufte, der zuvor die Mutter der Kleinen erschossen hatte.

Da aber Harry Colebourne, so hieß dieser Soldat, in den Ersten Weltkrieg musste, gab er die kleine Bärin im Londoner Zoo im Regent’s Park ab. Und da alle wussten, dass das Herrchen des kleinen Rackers aus Winnipeg stammte, hieß die Bärin nunmehr „Winnie“. Nach Ende des Krieges wollte Colebourne seine Winnie abholen, stellte aber fest, dass sie sich im Zoo sehr wohl fühlte und zu einer großen Zuschauerattraktion geworden war, also beließ er es dabei.

Am 12. Mai 1934 starb Winnie nach einem erfüllten Bärenleben. 1981 wurde im Regent’s Park Zoo von Christopher Robin Milne eine Bronzeplastik enthüllt, die seitdem zum Mekka für Winnie-Pu-Fans aus aller Welt wurde.

Inzwischen sind sie alle tot: Die echte Winnie, der kanadische Tierarzt Colebourne (er starb 1947), der Autor A.A. Milne (1956) und sein Sohn Christopher Robin (1996) – außer Winnie Pu natürlich, aber der ist ohnehin unsterblich.

Übrigens: Das Landhaus in Hartfield in East-Sussex, das A.A. Milne 1925 gekauft hatte und in dem er bis zu seinem Tod am 31. Januar 1956 lebte, geriet am 3. Juli 1969 überraschend in die Schlagzeilen, als der Lead-Gitarrist und Begründer der Rolling Stones, Brian Jones, unter bis heute nicht geklärten Umständen im Swimmingpool tot aufgefunden wurde. Jones hatte die „Cotchford Farm“ im November 1968 gekauft. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Morgen: Oswalt Kolle und "Das Wunder Liebe"

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