Das WC-Besetztzeichen

17. Februar


Natürlich erledigt es auch ein Haken und ein rostiger Nagel oder ein Blick durchs das Herzchen in der Tür, aber erst die Erfindung des englischen Gentleman Arthur Ashwell aus West Dulwich und des Apothekers Chester Cross aus Herne Hill, beide aus der südenglischen Grafschaft Surrey, sorgte dafür, dass der Mensch auf dem stillen Örtchen weitgehend ungestört bleibt.

Am 17. Februar 1882 meldeten die beiden Herren ihr Patent an, das zwar nicht die Welt auf den Kopf stellte, sie aber dennoch in Sachen Kultiviertheit ein Stückchen weiter brachte: Sie schenkten uns das Besetztzeichen für das WC. Stephan van Dulken zitiert in seinem „Großen Buch der Erfindungen“ aus dem Patent Nummer 781/1882: „Ich möchte anmerken, dass ich mir darüber im Klaren bin, dass Türschließanlagen bereits mit einigem Erfolg entworfen und gebaut worden sind, doch meines Wissens bietet kein Modell die erforderlichen Anwendungsmöglichkeiten, da die Herstellungskosten, der Wunsch nach Verlässlichkeit oder die Notwendigkeit, in die Tür zu sägen, ihre Anwendung unter normalen Umständen verhindert.“

Anfangs litt allerdings auch die von Ashwell und Cross entwickelte Scheibe, auf der durch Drehen wie durch Zauberhand das Wort „Engaged“ (was später zur besseren Verständlichkeit in deutschsprachigen Ländern zu „Besetzt“ wurde) erschien, noch unter erheblichen Kinderkrankheiten. So war das Wort häufig nur halb zu lesen. Aber im Verlaufe von mehr als einem Jahrhundert scheinen diese Schwierigkeiten überwunden und das Besetztzeichen sorgt zuverlässig dafür, dass sich beispielsweise die an sich arbeitende Bevölkerung ungestört von irgendwelchen Chefs ein wenig entspannen, heimlich rauchen oder einen offenen Blick in die Tageszeitung werfen kann.

Vor allem für Menschen, die unter Paruresis leiden, worunter man Schwierigkeiten beim Wasserlassen in öffentlichen Toiletten versteht oder unter Rhypophobie, einer ähnlichen Psychostörung beim Stuhlgang, war Ashwells Geistesblitz so wichtig wie in etwa die Erfindung des Penicillin bei Mittelohrentzündung. Endlich musste man keine Angst mehr haben, dass rüde an der Tür gerüttelt oder dieselbe in Ermangelung einer Schließvorrichtung schlichtweg aufgerissen wurde.

Das Besetztzeichens kann man auch als Symbol für den Wunsch des modernen Menschen nach Individualität, nach unbelästigter Entfaltung der Persönlichkeit, werten, denn vor noch gar nicht so langer Zeit war die Verrichtung der Notdurft durchaus eine öffentliche Angelegenheit, was im alten Rom beispielsweise dazu führte, dass sogar Geschäfte abgeschlossen wurden, was noch in unseren heutigen Sprachgebrauch hineinwirkt oder dass neben Gerüchen auch Gerüchte schnell verbreitet werden konnten, sogenannte Latrinenparolen.

Noch im 19. Jahrhundert gab es vor allem auf dem Lande, wo man mit feinen Sitten bekanntermaßen eher weniger am Hut hat, entsprechende gemeinschaftliche Einrichtungen, wie heute übrigens noch in einigen schwedischen Wochenendhäusern einfacherer Prägung.

Und wer beispielsweise zu den Olympischen Spielen nach China reiste, musste damit rechnen, ohne Trennwände einem freundlich grinsenden völlig schamlosen Zeitgenossen zu allem Überfluss auch noch gegenüber zu sitzen.

Aber schon am französischen Hof, der Jahrhunderte lang für die feinen Sitten in Europa zuständig war, besaßen die Damen, in jenen Räumen, in denen sie „Toilette“ machten, also sich schminkten, puderten, frisierten oder an- und auszogen, sogenannte „Leibstühle“, in die ein Nachtopf eingebaut war und auf die man sich zum Zwecke des „Stuhlgangs“ (aha!) setzte.

Neben „Toilette“ „Stilles Örtchen“ und „Latrine“ wird das Klosett (aus dem französischen „clos“ für geschlossen) auch Lokus (aus dem lateinischen locus necessitatis, Ort für das zwingend Notwendige) auch Donnerbalken oder „00“ genannt, was darauf zurückzuführen ist, dass in den Hotels des 19. Jahrhunderts das von allen (aber nicht mehr gleichzeitig) benutzte Klo der erste Raum neben dem Treppenhaus war und so die Zimmernummer „0“ oder „00“ trug.

Das „WC“, also das Wasserklosett, gibt es übrigens erst seit 1775, als ein Londoner Uhrmacher namens Alexander Cummings die Idee patentieren ließ, ein s-förmiges Rohr in den Abfluss einzubauen und damit einen Einfall seines Landsmannes Sir John Harrington wiederbelebte, der schon 1596 in einem Buch Ähnliches beschrieb. Aber Harrington war von Beruf Dichter und die werden ja, wie man weiß, nie ganz ernst genommen ...


Die Waltzing-Mathilda-Saga
Es ist Australiens bekanntestes Volkslied und wäre fast Nationalhymne geworden – und Rod Stewart machte daraus einen Welthit: „Waltzing Mathilda“. Geschrieben hat es ein Downunder-Poet namens „Banjo“ Paterson, der am 17. Februar 1864 geboren wurde.


Decksdeutsch
Pahlstek
Ein Pahlstek ist eine sich nicht festziehende Schlinge (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffsschicksale
Köln
Der 1899 vom Stapel gelaufene Dampfer „Köln“, der im Dienst des Norddeutschen Lloyd vor allem Bremerhaven mit Galveston in Texas und mit Baltimore verband, erlebte den Höhepunkt seines Schiffslebens, als er am 28. Dezember 1905 die sechsköpfige Besatzung des britischen Schoners „“Harold“ rettete, die 17 Tage lang an den von Hand betriebenen Pumpen ihres Schiffes gestanden hatte, um es über Wasser zu halten. 1914 wurde die "Köln" in Boston aufgelegt und dann nach dem Kriegseintritt der USA 1917 beschlagnahmt, um anschließend noch sechs Jahre lang als „Amphion“ unter US-Flagge zu fahren. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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