Das Boot

24. Februar


Er gilt als einer der beiden einzigen deutschen Filme, die ohne jede Abstriche Hollywood-Format erreichten, aber dennoch schaffte „Das Boot“ nur sechs Oscar-Nominierungen und keinen einzigen Gewinn. Der wichtigste Grund war wohl, dass ein Jahr vor der Uraufführung des Anti-Kriegs-Dramas die andere cineastische Meisterleistung aus deutschen Landen, Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, die begehrte Trophäe als bester ausländischer Film erhalten hatte und somit eine gewisse und in Hollywood sicher nicht besonders erwünschte „Deutschland-Lastigkeit“ drohte.

Das war Pech, aber ansonsten brachte die Verfilmung von Lothar-Günther Buchheims autobiografischem Roman allen Beteiligten viel Glück. Vor allem die dreiteilige Ausstrahlung im der ARD, die am 24. Februar 1985 begann und einer der letzten richtigen „Straßenfeger“ der deutschen Fernsehgeschichte wurde, gab den Karrieren einen Mega-Schub. Regisseur Wolfgang Petersen hatte sich zuvor zwar auch schon einen guten Namen gemacht, vor allem mit legendären „Tatort“-Krimis, aber nach dem „Boot“ begann für ihn ein steiler Hollywood-Auftieg. Mit „Enemy Mine – Geliebter Feind“ über „Outbreak“ (mit Dustin Hoffman), „In the Line of Fire (mit Clint Eastwood) und „Air Force One“ (mit Harrison Ford) fand der gebürtige Ostfriese Aufnahme in die allererste Garde der Traumfabrik-Filmemacher.

Auch Petersens Lieblingsschauspieler Jürgen Prochnow, im „Boot“ als „Kaleu“ Heinrich Lehmann-Willenbrock von seiner Besatzung respekt- und liebevoll „Der Alte“ genannt, fasste anschließend so festen Fuß im US-Film-Business, dass er inzwischen in Los Angeles lebt. Von „Dune/ Der Wüstenplanet“, den Prochnow 1983 drehte, über „Beverly Hills Cop“ bis u.a. zum „Englischen Patienten“ zeigt sich der gebürtige Berliner immer wieder in US-Streifen.

Ganz anders verlief die Karriere von Herbert Grönemeyer, der im „Boot“ den etwas naiven, jungen Kriegsberichterstatter Leutnant Werner spielt. Den seinerzeit 24jährigen kannten zuvor nur einige Theaterbesucher oder Popfans als Leadsänger der Band „Ocean“. Er hatte sich als Komponist versucht, spielte auch nach dem „Boot“ zunächst mit mäßigem Erfolg an der Seite von Nastassja Kinski in Ulrich Schamonis „Frühlingssymphonie“, bis er dann mit „Bochum“ 1984 den ersten großen Pop-Erfolg landete. Seit 1988, als mit „Ö“ seine erste LP auf den Markt kam, ist Herbert Grönemeyer einer der größten, wenn nicht der Megastar der deutschen Pop-Musik.

Die Besetzungsliste des „Boots“ liest sich ohnehin wie ein „Who is who“ der deutschen Film- und Fernsehbranche: Der leider früh verstorbene „Fahnder“ Klaus Wennemann gehört ebenso dazu wie Otto Sander, Uwe Ochsenknecht, Günter Lamprecht, Martin Semmelrogge, Erwin Leder, Heinz Hoenig, Jan Fedder oder Claude-Oliver Rudolph. Für sie alle war und ist „Das Boot“ ein Meilenstein ihrer Karriere, ebenso wie für Deutschlands Vorzeige-Jazzer Klaus Doldinger, der mit der Titelmelodie einen der äußerst seltenen reinen Instrumental-Hits landete.

Und Autor Günther-Lothar Buchheim (er starb 2007 im Alter von 89 Jahren) konnte seiner Kunstsammlung so viele hübsche und zeigenswerte Stücke hinzufügen, dass es zum eigenen Museum am Westufer des Starnberger Sees reichte.„Das Boot“ ist ein harter Film, der wie kaum ein zweiter die Schrecken des Krieges dokumentiert. Die Ängste, die Brutalität und Gnadenlosigkeit, denen die Menschen weitgehend schutzlos ausgeliefert sind, ihre Versuche damit fertig zu werden, ihr Zynismus und ihre Panik, dazu aber auch anrührende tiefmenschliche Zwischentöne machen diese Geschichte in dem mehr oder weniger schwimmenden Sarg namens „U96“ zu einem einmaligen Erlebnis.

Und noch etwas: „Das Boot“ räumte auf mit jenen dümmlichen Kriegsfilmen aus britischer und amerikanischer Produktion, die die Deutschen auch heute noch und unverdrossen als geistig minderbemittelte Hitler-Mitläufer darstellen. Deutsche Soldaten sind in diesem Film keine seelenlose Killermaschinen, sondern sympathische Menschen aus Fleisch und Blut, die unter dem Krieg litten und wie „der Alte“ den „herrlichen, wertgeschätzten, abstinenten und unbeweibten Führer, den größten Schlachtenlenker aller Zeiten“ in Berlin ebenso hassten und verachteten wie ihre alliierten Gegner.

Der teuerste deutsche Film
Zwei sogenannte Feindfahrten machte der junge Kriegsberichterstatter Lothar-Günther Buchheim an Bord von „U96“ mit und was er anschließend niederschrieb, bezeichnete er selbst einmal als „fiktiv, aber kein Werk der Phantasie“. Anfangs mochte der Buchautor den Film überhaupt nicht, mit wachsendem vor allem internationalem Erfolg aber nörgelte Lothar-Günther Buchheim immer weniger an Wolfgang Petersens Meisterwerk herum. Schließlich fand er sich offenbar sogar damit ab, dass „Das Boot“ überall als Antikriegsfilm anerkannt wurde, obwohl dies eigentlich nicht so recht zu seiner eigentlichen Einstellung dem Krieg gegenüber passen will. Kriegsbilder, so sagte Buchheim einmal in einem Interview, seien zwar erschreckend, aber es scheine, als verfalle die Natur immer wieder in einen Kriegsrausch, und weil der stärker sei als jedes Gesetz, könne man diese Kriegsgelüste nicht unterdrücken.

Die seltsame Faszination, die der Krieg vor allem auf jene Menschen ausübt, die, wie Buchheim über sich schreibt, „immer mittendrin waren, wenn es Rabatz gab“, ist zwar auch im Film spürbar, aber nicht so dominant, wie es sich der Schriftsteller sicher gewünscht hätte. In Petersens „Boot“ sind es eher die furchtbaren Seiten des Krieges, die in den Vordergrund rücken. Verantwortlich dafür ist unter anderem die geniale Arbeit von Star-Kameramann Jost Vacano, der die Verzweiflung, das Entsetzen und die Hilflosigkeit der Männer an Bord eines sinkenden U-Boots einfängt, aber auch die Mühe, die sich Petersens Mannschaft mit der Detailgenauigkeit der Kulissen gegeben hat.

Kein Wunder, dass „Das Boot“ mit 30 Millionen Mark der bis dahin teuerste deutsche Film war.So wurde das Innere des U-Bootes originalgetreu nachgebaut und an eine bewegliche Aufhängung montiert, so dass die Bewegungen des Schiffes unter anderem beim Beschuss mit Wasserbomben absolut echt wirken. Die meisten Außenaufnahmen wurden am Bodensee gedreht mit unterschiedlichen Modellen, von denen das kleinste drei Meter lang war und das größte, wie sein auf der Germaniawerft in Kiel gebaute Vorbild vom Typ VIIC, 64 Meter. Dieses Modell war übrigens kurz zuvor bereits einmal für Dreharbeiten benutzt worden – von Steven Spielberg für seinen „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“.„U96“, das U-Boot, auf dem Lothar-Günther Buchheim fuhr, wurde 14. 9. 1940 in Dienst gestellt und ist benannt nach einem gleichnamigen Boot, das im Ersten Weltkrieg 31 Schiffe versenkt hatte.

Das Weltkrieg-II-Boot, das zunächst unter dem Kommando von Kapitänleutnant Heinrich Lehmann-Willenbrock fuhr, brachte es auf die Versenkung von insgesamt 29 Schiffen mit einer Gesamttonnage von fast 200 000 BRT. Es umfuhr mit 43 595 Seemeilen fast zweimal die Erde. 1943 wurde U96 aus dem aktiven Dienst genommen und als Trainingsboot eingesetzt. Am 30. März 1945 versenkten es in Wilhelmshaven amerikanische Fliegerbomben. Dabei starben 35 Besatzungsmitglieder, 13 überlebten.


Blätterwald
Brutale Parkwächter
Für Autofahrer konnte es zeitweise ausgesprochen ungemütlich werden, wenn sie in Augsburg in der Nähe des Einkaufszentrums „City-Galerie“ parken wollten. Dann konnte es nämlich sein, dass schon nach wenigen Sekunden Standzeit ein sogenannter „Rangier-Roller“ an den Reifen geklemmt und erst wieder entfernt wurde, wenn horrende Parkgebühren entrichtet wurden. Hatte man nicht genug Geld dabei, kassierten die rabiaten „Parkplatz-Sheriffs“ den Kfz-Schein oder drohten mit dem Abschleppwagen, auch wenn man sofort losfahren wollte, berichtet die „Augsburger Allgemeine“ Jetzt stehen die Parkwächter wegen Nötigung und Erpressung vor Gericht. http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Augsburg-Stadt/Lokalnews/Artikel,-Kfz-Scheine-als-Pfand-behalten-_arid,2078448_regid,2_puid,2_pageid,4490.html



Blätterwald
Musical in der Autowerkstatt
Nichts schadet der Kreativität mehr als die Routine. Das dachte sich auch Musical-Darsteller Espen Nowacki (39), der als Leiter des Festspielhauses in Füssen dem Alltag entflieht und für seine Produktion "Musical Moments" auf der Suche nach dem ungewöhnlichsten Auftrittsort Deutschlands war. Fündig wurde der gebürtige Norweger in Amberg, wo im Juni in einer Autowerkstatt die Hebebühne zur Musical-Bühne wird, berichtet die „Amberger Zeitung“. http://www.oberpfalznetz.de/zeitung/2211283-125-kurioses_musical_auf_der_hebebuehne,1,0.html


Decksdeutsch
Wahrnehmen
Wahrnehmen klingt eigentlich nicht sehr nach Decksdeutsch. Ist es aber. Denn unter „Wahrnehmen“ versteht der Seemann das Empfangnehmen z.B. von Leinen z. B. an der Pier oder auch etwas besorgen oder mitnehmen. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
H.C. Horn
Nur 73 Passagiere konnte der 1932 von Stapel gelaufene Dampfer „H.C.Horn“ der gleichnamigen Flensburger Reederei mitnehmen. Das Schiff war vor allem auf der Strecke Hamburg – Westindien eingesetzt. Nach einer kurzen Episode unter Hamburger Flagge als „Heinrich“ und nach Einsatz als Wohnschiff der Kriegsmarine wurde das Schiff zum „Sperrbrecher 27“ der Kriegsmarine. 1945 sank es nach Bombentreffern in der Lübecker Bucht, wurde gehoben und schließlich im Mai 1946 mit Gasmunition beladen und wieder im Skagerak versenkt. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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