Der Che Guevara von Tirol?

20. Februar

Als ausgerechnet die Tiroler Landesregierung anlässlich des „Andreas-Hofer-Jahres“ schrieb, dass Hofer für Tirol dieselbe Bedeutung gehabt hätte wie Che Guevara für Kuba, da schlugen die Wogen der Erregung hoch. Das sei ja wohl eine Unverschämtheit, den ebenso verehrten wie erzkonservativen Hofer mit einem Kommunistenfreund wie Che Guevara zu vergleichen. „Wieso?“, meinte daraufhin ein Grünen-Politiker. Hofer sei sogar eher ein „Ober-Taliban“ gewesen. Und weiter ging die Diskussion.

Und das alles geschah, obwohl dieser Andreas Hofer schon 200 Jahren, genau am 20. Februar 1810, auf Befehl Napoleons in Mantua als Aufständischer erschossen wurde.

Aber er war und ist schon etwas Besonderes, dieser Andreas Hofer, auch und vor allem, weil sich in seiner Person das Schicksal Tirols als eines Landes widerspiegelte, das zu einem, wie es schien, ewigen Zankapfel zwischen Österreich, Italien und Bayern wurde – zu einem Pulverfass mit brennender Lunte, das erst kürzlich durch die europäische Integration und die weitgehende Aufhebung der Grenzen in Mitteleuropa entschärft wurde. Noch in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts flogen Bomben und es starben Menschen.

Und da kam ein Mann wie Andreas Hofer gerade recht, um aus ihm einen veritablen Volkshelden zu machen, zu einem unerschrockenen Kämpfer und zum Symbol unbändigen Freiheitswillen.

Die Andreas-Hofer-Saga begann damit, dass die Bayern als Geste der Dankbarkeit für ihre Hilfe gegen die im Dritten Koalitionskrieg unterlegenen Österreicher vom Kaiser der Franzosen die Macht in Tirol übertragen bekamen.

Der Wirt und Viehhändler Andreas Hofer, ein naiver, reaktionärer, tief gläubiger und unerschütterlicher Anhänger der Habsburger, war darüber genauso verärgert wie seine Landsleute, vor allem, als die Bayern anfingen, zwangsweise Rekruten auszuheben und im Zuge der sogenannten „Josephinischen Kirchenform“ die Weihnachtsmesse verboten, Krippen und Rosenkränze untersagten und Prozessionen und Wallfahrten ächteten.

Die Tiroler kochten vor Wut und rotteten sich zusammen. Und da der Hofer, Andreas, ein g’standnes Mannsbild war mit Rauschebart und beieindruckendem Körperbau, wurde er ihr Anführer. Am 9. April 1809 begann ins Innsbruck der Aufstand. Offenbar nahmen die Bayern den wilden Bauernhaufen nicht ganz ernst, denn Hofer fügte den Eindringlingen aus dem Norden mehrere empfindliche Niederlagen bei, darunter die berühmten Schlachten am Bergisel, was einen offenbar rudimentär historisch bewanderten Sportreporter veranlasste, den Skispringer Andreas Widhölzl, als dieser 2000 das traditionelle Springen gewann, zum „zweiten Tiroler Sieger am Bergisel nach Andreas Hofer“ zu erklären.

Was die Bayern 1809 offenbar nicht wussten oder vergessen hatten, war, dass diese Tiroler nicht irgendwelche Melker mit Mistgabeln waren, sondern bestens ausgebildete Schützen, die bereits seit den Zeiten Kaiser Maximilian II. im 16. Jahrhundert exzellent ausgebildet wurden.

Aber die ersten Erfolge nützten dann doch nichts. Nachdem sich Bayern und Franzosen vom ersten Schock erholt hatten, schlug das Empire zurück – wieder am Bergisel. Der Aufstand war niedergeschlagen, Hofer musste fliehen. Im Januar 1810 wurde Hofer vom „Judas von Tirol“, Franz Raffl, verraten und in einer Alm-Hütte gegenüber von St. Martin in Passeier gefangen genommen. Napoleon höchstpersönlich verfügte, dass er hingerichtet werden sollte. Seine letzten Worte sind nicht verbürgt, aber falls es nicht stimmt, so ist es gut erfunden, denn der sterbende Hofer soll ausgerufen haben: „Franzl, Franzl, das verdank ich dir.“Ob er damit den Verräter Raffl meinte oder den Kaiser von Österreich, Franz I., der zunächst mit Napoleon verbündet war, sich dann gegen den mächtigsten Mann der damaligen Zeit stellte und sich eine blutige Nase holte, und der Hofer nur halbherzig unterstützte, als dieser für ein paar Wochen die Macht in Innsbruck inne hatte, ist bis heute umstritten.

Übrigens: Lange blieben die Bayern nicht die Herren von Tirol. Nachdem auch sie zu den Gegnern Napoleons übergelaufen waren, regierte wieder Wien an Inn und Etsch. Und für die Tiroler war das auch nicht das Ende aller Prüfungen, denn es sollte nicht dauern, bis die Italiener anklopften. Es ist halt eine (fast) unendliche Geschichte ...


Als Häseken Weltmeisterin wurde
Eisprinzessinnen gehören eher zu den flüchtigen Erscheinungen der Weltgeschichte. Aber es gibt Ausnahmen wie die Norwegerin Sonja Henie am 20. Februar 1927, im Alter von 15 Jahren erstmals Weltmeisterin wurde, Berühmt wurde sie auch durch ihren Spitznamen, den ihr der Berliner Witz verliehen hatte: „Häseken“ pflegte nämlich hakenschlagend wie ein kleiner Hase über das Eis zu flitzen.


Decksdeutsch
Den Sack bekommen
Ein Seemann „bekommt den Sack“, wenn er vom Kapitän entlassen wird. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Borussia
Die ersten Dampfer die Hapag hatten alles andere als Glück. Die „Hammonia“ strandete, die „Austria“ erlebte die größte Schiffkatastrophe der damaligen Zeit und auch der „Borussia“ ging es nicht viel besser. Das 85 Meter lange Schiff, das Platz für 590 Passagiere hatte, ging 1856 auf Jungfernreise von Hamburg nach New York. 1871 wechselte sie in den Westindien-Dienst, fünf Jahre später wurde sie nach Liverpool verkauft. Am 1. Dezember 1879 sank das Schiff im Atlantik, wobei 165 Menschen ihr Leben verloren. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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