Der erste Base-Jump

27. Februar

Okay, okay, ein richtiger Fallschirm, so wie wir ihn heute kennen, war es nicht, mit dem die Kroate Faust Vrancic vom 86 Meter hohen Turm der St. Martinskirche in Bratislava gesegelt ist. Es war eher ein Gleitschirm, ein quadratischer stoffbespannter Holzrahmen in den Abmessungen sechs mal sechs Meter, aber, es scheint ziemlich sicher, dass der Mann das Experiment überlebte.

Ansonsten geht viel durcheinander. So soll sich das historische Ereignis am 27. Februar 1617 ereignet haben. Dieses Datum wird aber auch als Todestag des rührigen Wissenschaftlers von der heutigen Ferieninsel Prvic genannt, was aber nicht stimmen kann, da Vrancic, der auch unten den Namen Faustus Verantius oder Fausto Verancsics oder auch Fausto Veranzio durch die Chroniken dieser Welt geistert, seinen Sprung in Venedig sogar mehrfach wiederholt haben soll.

Vielleicht war das alles auch, wie es an einigen Stellen heißt, 20 Jahre früher, nämlich 1597. Dafür spricht, dass Vrancic 1551 geboren wurde, im Jahre 1617 also immerhin schon 66 Jahre alt gewesen wäre. Und in diesem Alter springt man ja bekanntlich nicht mehr locker mal eben von Kirchtürmen.Wie auch immer, er war der erste Mensch, der jenes Instrument benutzte, das der große Leonardo da Vinci 1493 eher ein wenig schlampig skizzierte und so umschrieb: „Wenn ein Mann mit beschichtetem Leintuch von einer Länge von 12 Lardas (rund 11 Meter) auf jeder Seite und 12 Lardas hoch versehen ist, so kann er aus jeglicher Höhe springen, ohne Verletzung.“

Vrancic, auch das scheint ziemlich sicher, hat Leonardos Notiz gekannt, wie er auch mit den Geistesgrößen seiner Zeit Kontakt gepflegt haben soll, mit den Astronomen Tycho Brahe und Johannes Keppler beispielsweise. Er war Kanzler am Hof von Kaiser Rudolf II. in Prag, der auch sein Buch „Machinae novae“ finanzierte, in dem Vrancic unter anderem eine durch Ebbe und Flut betriebene Mühle, die erste Metallbrücke und eine erste Windturbine beschrieb, alles Erfindungen, die erst viele Jahrhunderte später in die Realität umgesetzt wurden. Außerdem schrieb er ein fünfsprachiges Wörterbuch (Latein, italienisch, deutsch, ungarisch und dalmatinisch – heute kroatisch).

Der erste Absprung aus einem Flugzeug, worunter wir heute Fallschirmspringen verstehen, war natürlich unmöglich, bevor nicht auch die ersten fliegenden Kisten durch die Luft sausten, aber dann ging es relativ zügig. Knapp zehn Jahre, nachdem Orville Wright bei Kitty Hawk zum ersten Motorflug der Weltgeschichte gestartet war, ließ sich am 1. März 1912 ein gewisser Albert Berry, Captain der US-Armee, aus 450 Meter Höhe aus einem in einen Doppeldecker eingebauten Trapez fallen und landete sicher, aber mit klopfendem Herzen, auf einem Flugfeld südlich von St. Louis.

Insofern war der Sprung des Faust Vrancic aus dem Jahre 1617 (oder 1597) eigentlich nicht der erste Fallschirmabsprung, sondern der Kroate war zumindest in Europa der Urvater des heute „Base-Jumping“ bezeichneten „Sports“, bei dem sich Menschen von allerlei Erhöhungen stürzen, wie schon der Begriff „Base“ enthüllt, denn das ist eine Abkürzung für Sprünge von Buildings (Gebäuden), Antennas (Sendemasten), Spans (Brücken) und Earth (Felswänden).

Die erste Menschen, die sich mit einer Art Sonnenschirm von hohen Türmen in die Tiefe stürzten, waren chinesische Zirkusartisten im 14. Jahrhundert und das akrobatische Showelement hat sich bis heute erhalten. Während der erste dokumentierte „Base-Jump“ in Deutschland eher bescheiden anmutet (1982 hüpfte ein gewisser Klaus Heller von einer Autobahnbrücke, zwei Jahre später ein gewisser Rainer Nowak immerhin vom Münchner Fernsehturm)), scheint inzwischen kaum ein erhöhter Ort vor menschlichen Tieffliegern mehr sicher.

Am 1. Dezember 1999 beispielsweise segelte der Österreicher Felix Baumgartner vom rechten Arm der Christusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro in Richtung Copacabana und ein Amerikaner namens Miles Daisher hopste innerhalb von 24 Stunden nicht weniger als 57 Mal von der Perrine Bridge in Idaho, die eigens für die luftigen Lustbarkeiten freigegeben wurde. Darüber kann der Australier Gary Cunnigham nur müde lächeln kann, immerhin ließ er sich innerhalb von 24 Stunden 133mal vom Petronas Tower in Kuala Lumpur in Malaysia fallen, mit 452 Metern eines der höchsten Gebäude der Welt.

Am Ruhm unseres Freund Faust Vrancic, der seit fast 400 Jahren sanft in seiner Gruft in der Kirche des Klosters der Barmherzigen Madonna in Prvic Luka ruht, kann das alles nicht rütteln.. Er war und ist und bleibt auf ewige Zeiten und unwiderruflich der erste „Base-Jumper“.


Das Fanal von Wounded Knee
Es gibt Orte, die scheinen geradezu prädestiniert zu sein für das letzte Gefecht. Einer liegt im Süden des US-Bundesstaates South Dakota, nicht weit entfernt vom Mount Rushmore Nationaldenkmal. Er liegt am Westufer des Wounded Knee Creeks und ist ein Symbol für Niederlage und Unterdrückung, für Demütigung und für Verrat. Und so war es kein Zufall, dass am 27. Februar 1973 rund 200 schwerbewaffnete Indianer vom Stamme der Sioux genau diesen historischen Ort besetzten und dabei in Kauf nahmen, dass drei der ihrigen bei Feuergefechten mit Polizei und Militär getötet wurden. Es war eine harte Auseinandersetzung, u. a. mit Geiselnahmen. Schließlich fuhren sogar Panzer auf.


Decksdeutsch
Back
„Back“ ist für einen Seemann nicht nur das unmittelbar vor der Brücke liegende Deck auf dem Vorschiff, sondern es ist auch ein Tisch oder es sind auch die Leute, die an diesem Tisch sitzen (auch Backschaft genannt), aber auch jedes schüsselähnliche Gefäß ist eine „Back“. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Kronprinz
Eine interessante Route war für den Dampfer „Kronprinz“ reserviert. Schon auf der Jungfernreise ging es für das Schiff (306 Passagiere) der Deutschen Ost-Afrika-Linie von Hamburg an die afrikanische Küste, seit 1901 folgten mehrere Reisen von Hamburg aus „Rund um Afrika“. Bei Kriegsbeginn wurde die „Kronprinz“ im damaligen Laurenco Marques, dem heutigen Maputo, in der damaligen portugiesischen Kolonie Mosambik aufgelegt, 1916 von Portugal beschlagnahmt und in „Quelimane“ umgetauft. Das Schiff fuhr dann noch bis 1927 unter portugiesischer Flagge. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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