Der erste Pfadfinder

22.Februar


Da Robert Stephenson Smythe Baden-Powell am 22. Februar 1857 geboren wurde, war er, wie sich leicht ausrechnen lässt, knapp 44 Jahre alt, als er sich am 7. Mai 1901 pensionieren ließ. Er hatte die Nase gründlich voll von all den Metzeleien und Grausamkeiten, die er als Offizier im Dienste der englischen Krone in Indien und in Afrika erleben musste. Und so erklärte er dem Krieg den Krieg – mit so viel Erfolg, dass es heute in nur sechs Ländern der Welt keine der von ihm ins Leben gerufenen Organisation gibt. Robert Baden-Powell gründete nämlich die Pfadfinder.

Sechs Jahre nach seinem Abschied aus der Armee war es so weit. Baden-Powell, von seinen Freunden zärtlich „Bi-Pi“ genannt, suchte sich 22 Jungen und zeltete mit ihnen auf Brownsea-Island, einem winzigen Inselchen im Ärmelkanal in der Hafeneinfahrt der Stadt Poole, wo heute noch das seltene Rote Eichhörnchen lebt.

Schon in diesem Probelager gab es jene Elemente, die den Pfadfindern später viel Lob einbringen sollten, wie Respekt vor Umwelt und Natur, Bereitschaft für andere selbstlos einzutreten und Menschen in Not zu helfen, aber auch scharfe Kritik, denn Baden-Powell legte viel Wert auf Disziplin und Gehorsam, gepaart mit Grundzügen paramilitärischer Ausbildung.

Das war angesichts seiner Vergangenheit überhaupt kein Wunder, denn Baden-Powell war durch und durch ein Kommisskopp mit allerdings ausgeprägter sozialer Ader. Als 19jähriger war er nach Indien versetzt worden und war entsetzt über seine Landsleute, die einfach kein Gefühl dafür entwickelten, dass die Einheimischen Teil eines großen Kulturvolkes waren und keine „wilden Briten“. Baden-Powell schlich in den Dschungel und begriff die Natur als eine Art Abenteuerspielplatz, er organisierte seine Soldaten in kleinen Gruppen, die ihren Anführer selbst wählen konnten und förderte so Verantwortungsbewusstsein und eigenständiges Denken.

Baden-Powell galt als begnadeter Spurenleser und Kartograph, so dass er von seinen Vorgesetzten den Auftrag erhielt, die Umstände der von den Briten verlorenen Schlacht von Maiwand in Afghanistan festzuhalten. Außerdem durfte er Spurenleser (Scouts) ausbilden. Sein Buch „Nachrichtendienst und Kundschafterwesen“ wurde bei den Aufklärern der britischen Armee zu Pflichtlektüre. Dann verschlug es ihn nach Afrika, wo er in Kämpfe mit aufständischen Zulus, Ashanti und Matabele und in den Burenkrieg verwickelt wurde. Die Blutbäder, die er miterleben musste, sorgten dafür, dass er Erste-Hilfe-Kurse für Soldaten anordnete, die später obligatorisch wurden.

Und noch ein Erlebnis prägten Baden-Powell und sollte ein Meilenstein zur Erfindung der Pfadfinder werden. Während des Burenkrieges schaffte es der inzwischen überall bekannte Offizier, die Stadt Makefing mit 700 Soldaten gegen eine Übermacht von 9000 Belagerern 217 Tage lang erfolgreich zu verteidigen. Einer der Gründe war, dass „Bi-Pi“ immer wieder Jungen als Kundschafter und Spione einsetzte. Makefing machte Baden-Powell zum Kriegshelden, allerdings mit schalem Beigeschmack, denn unter seiner Regentschaft wurden Konzentrationslager für Buren eingerichtet und es kam immer wieder zu rassistische Ausschreitungen. Ob er persönlich daran teil hatte, ist bis heute umstritten.

Am Schluss seiner militärischen Karriere war Baden-Powell Generalmajor und Generalinspekteur der gesamten britischen Kavallerie. Der Aufstieg der von Robert Baden-Powell gegründeten Organisation war jedenfalls ebenso atemberaubend wie seine Army-Karriere: 1908 erschien sein Buch „Scouting for boys“ mit dem berühmten Lehrsatz „Learning by doing“ (Lernen durch Handeln) und schon 1920 ging in London das erste Weltpfadfindertreffen mit 8000 Teilnehmern aus 34 Ländern über die Bühne. Sir Robert Baden-Powell starb am 8. Januar 1941 in Kenia. Er hinterließ der Welt mit heute 26 Millionen Pfadfindern eine ihrer größten Organisationen und ein paar unsterbliche Sätze wie „Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als ihr sie vorgefunden habt“ und „Der wahre Weg zur Glückseligkeit besteht darin, andere Menschen glücklich zu machen.“


Das Wunder von Lake Placid
Katja Epstein hat schon Recht – jedenfalls sportlich betrachtet. Wunder gibt es tatsächlich immer wieder. Der überraschende Sieg von Max Schmeling über Joe Louis, Sylvia Hanikas Triumph über Martina Navratilova bei den US-Open, „Wasis“ Teufelsritte zum doppelten Olympiasieg oder auch das „Wunder von Bern“ und sein amerikanisches Gegenstück, das „Wunder von Lake Placid“.
Dabei war es noch nicht einmal ein Endspiel des olympischen Eishockey-Turniers, das am 22. Februar 1980 eine US-College-Auswahl gegen die haushoch überlegenen sowjetischen Staatsamateure gewann, aber es ebnete den Weg zur Goldmedaille, der wohl größten Überraschung, die es je in dieser Sportart gegeben hat. Dabei wird gern übersehen, dass dieser unglaubliche 4:3-Sieg noch durch einen Erfolg über die ebenfalls sehr starken Finnen abgesichert werden musste. Aber auch das schafften die US-Boys irgendwie, getragen von enthusiastischen Publikum, einem frühen Vorläufer deutscher Sommer- und Wintermärchen.
Eishockey eignet sich offenbar gut als Ersatzkrieg, vielleicht, weil die Spielfläche so kalt ist und das Sportgerät geradezu zum Prügeln einlädt Wie schon 1972, als sich entfesselte Tschechen und Slowaken für die brutale Beendigung des Prager Frühlings durch sowjetische Panzer vier Jahre zuvor rächten, hatte auch das Match USA-UdSSR eine ernste politische Komponente. Die Amerikaner dachten über den Boykott der Moskauer Sommerspiele wegen des Einmarsches in Afghanistan 1980 nach, was sie dann ja auch taten, während dann der Ostblock 1984 prompt Los Angeles absagte ...


Decksdeutsch
Über Stag gehen
Wenn der Seemann sagt „über Stag gehen“, dann meint er, dass irgenwer oder irgendwas nach vorn umkippt, oder, wenn ein Tau zwischen Bug und Mastspitze geführt wird oder, wenn jemand wegen zuviel Schnaps und Bier vor sich hin taumelt. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Hannover
Die „Hannover“ unternahm im Dezember 1899 ihre Jungfernreise von Bremerhaven nach Baltimore. Der zur „Köln“-Klasse des Norddeutschen Lloyd gehörende Dampfer konnte mehr als 2000 Passagiere mitnehmen, wurde zum Kriegsbeginn 1914 in Bremerhafen aufgelegt und erst am Kriegsende 1918 als Truppentransporter für die Kaiserliche Marine eingesetzt. Zunächst ging sie 1919 als Kriegsbeute nach England, wurde aber 1922 vom Norddeutschen Lloyd zurückgekauft, fuhr noch zwei Jahre als Passagierschiff und wurde von 1924 bis zum Abwracken 1932 nur noch als Frachtschiff eingesetzt. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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