Der Fall Steinheil

16. Februar

„Der kürzestete Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln“, so pflegte der Präsident der französischen Republik, Felix Faure, immer zu sagen. Und diesem Lächeln erlagen die Damen nur zu gern, denn Felix Faure war ein attraktiver Mann. Als er 1895 Präsident wurde, war er für einen Spitzenpolitiker relativ jung, erst 54 Jahre, aber er sollte Frankreich nur vier Jahre regieren. Viel hinterließ er nicht. Einerseits war er Adressat des berühmten offenen Briefs „J’ Accuse“, den der Schriftsteller Emile Zola in der Affäre Dreyfus geschrieben hatte, und andererseits nahm er den Hut nicht ab, als er den in Nizza weilenden Prince of Wales begrüßte. Der war ihm allerdings zuvor protokollwidrig nur die halbe Treppe entgegengekommen.

Das waren die Höhepunkte seines Politikerlebens, einmal abgesehen von der Tatsache, dass er am 16. Februar 1899 den Folgen eines Schäferstündchens mit seiner Geliebten, einer gewissen Marguerite Steinheil, erlag.

Die „Teestunden“ beim Präsidenten waren zuvor ein festes Ritual geworden und die verheiratete Madame Steinheil wurde schon überall als die „Pompadour der III. Republik“ bezeichnet. Das hatte auch eine gewisse Berechtigung, denn Madame war in vielen, auch in politischen Dingen, für den Präsidenten eine wertvolle Hilfe.

Wie es zum plötzlichen Tod des Präsidenten gekommen war, liegt auf der Hand, denn auf dem Sofa fand man später ein Damenstrumpfband. So weit, so gut, könnte man an dieser Stelle sagen, und das Kapitel mit der Bemerkung „so etwas kommt halt vor“ schließen.

Aber die Geschichte ist noch lange nicht zuende. Denn Marguerite Steinheil musste sich ein paar Jahre später wegen Mordes verantworten – nicht an Felix Faure, sondern an ihrem Ehemann und an ihrer eigenen Mutter. Motiv, so war den Ermittlern schnell klar, war die außereheliche Beziehung von Madame Steinheil zu einem schwerreichen Witwer mit Schloss und Gut in den Ardennen, der sie heiraten wollte, aber so katholisch war, dass er niemals eine geschiedene Frau genommen hätte. Nach Darstellung der gnädigen Frau waren drei vermummte Männer und eine rothaarige Frau in ihre Villa eingedrungen, hatten sie gefesselt und geknebelt und nach Geld und Schmuck gesucht. Sie konnte es sich nicht erklären, warum die Mörder sie einigermaßen verschont hatten, ihr Ehemann aber brutal erdrosselt worden war.

Madame Steinheils Mutter war ebenso locker gefesselt wie sie selbst, starb aber an ihrer eigenen Zahnprothese, die sich bei der Knebelung gelöst hatte. Schon am Tatort waren sich die Experten nicht einig, ob die Fesselung von Madame Steinheil nur vorgetäuscht worden war.

Aber Madame hatte Glück. Auch der Untersuchungsbeamte war ein ehemaliger Liebhaber. Es erließ weder Strafanzeige noch gar einen Haftbefehl. Aber die Öffentlichkeit war misstrauisch, auch der schwerreiche Witwer, für den Madame ja jetzt frei war, zog sich zurück. Sie nahm die Sache selbst in die Hand und sorgte für „unumstößliche Beweise“ für die Täterschaft mehrerer Männer aus ihrer Umgebung, darunter einer ihrer treuergeben Diener. Die „Beweise“ erwiesen sich aber sämtlich als gefälscht und untergeschoben. Nun wurde sie doch festgenommen.

Im Prozess machte Madame keinen überzeugenden Eindruck. Selbst ihr Schwur auf das Leben ihrer Tochter klang so falsch wie ihre anderen Aussagen. Plötzlich tauchte ein Geständnis auf. Allerdings war es nur ein arbeitsloser Schauspieler, der etwas Publicity suchte. Die öffentliche Meinung war gespalten, aber die meisten Menschen hielten Madame Steinheil für mehr als schuldig. Aber es nützte nichts. Nach dramatischen Stunden des Wartens wurde Madame Steinheil aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Dass Marguerite Steinheil so ungeschoren davonkam, könnte damit zusammenhängen, dass der sterbende Präsident seine Geliebte bat, ein Päckchen mit Briefen an sich zu nehmen, die, so seine letzten Worte, niemand finden dürfe. Was diese Briefe enthielten, ist bis heute ein sorgfältig gehütetes Geheimnis, das wahrscheinlich niemals mehr gelüftet wird. Denn Marguerite Steinheil, inzwischen verwitwete Lady Scarlett, starb im Juni 1954 ohne je über den Inhalt der Briefe gesprochen zu haben ...


Ungewöhnliches Schicksal
Gleich zweimal schrieb die am 16.2. 1906 geborene Vera Menchik aus Moskau ein Stückchen Geschichte: Sie wurde 1927 die erste Schach-Weltmeisterin und starb als eines von wenigen Opfern bei einem deutschen Bombenangriff auf England am 27.6.1944. Übrigens: Der österreichische Meister Albert Becker, der wohl nicht viel von Frauen-Schach hielt, soll vorgeschlagen haben, dass jeder, der gegen sie verlor, dem „Vera-Menchik“-Club beitreten müsse. Er wurde dann das erste Mitglied dieses exklusiven Vereins. (Nach Wikipedia)

Blätterwald
Dürfen Moslems über Mullahs Witze machen? Ja, schon, sagt ein islamischer Religionslehrer - aber nur, wenn dies humorvoll sei und kein Spott, so Professor Harry Harun Behr, der an der Universität Nürnberg künftige islamische Religionslehrer unterrichtet und selbst Moslem ist. In einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten sagt der Professor, dass es beispielsweise über die Figur des Mullahs Witze gebe. Und er erzählt auch einen: „Ein Rabbiner, ein Bischof und ein Mullah gehen nackt baden. Als eine Gruppe Touristen kommt, bedecken der Rabbi und der Bischof ihren Unterleib wenigstens mit den Händen, der Mullah hält sie vor das Gesicht. Auf die Frage der beiden anderen, warum er das macht, sagt er: Ich weiß ja nicht, woran man euch erkennt, mich erkennt man am Gesicht.“ Aber, so Professor Behr, es gebe im Islam keine Witze über Gott oder den Propheten Mohammad und andere zentrale Figuren des Islams. Das liege daran, das Muslime eine besonders emotionale und respektvolle Bindung an Gott und die Propheten haben. Auch der Koran verbiete ausdrücklich, über Gott und den Propheten zu spotten. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1172385&kat=10&man=3

Decksdeutsch
Ösen
Unter „Ösen“ versteht man das Ausschöpfen von ins Boot gedrungenem Wasser, früher mittels eines „Ösfasses“, das ist ein Holzschöpflöffel. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffsschicksale
Pallanza
Die 1891 in Newcastle vom Stapel gelaufene „Pallanza“ hatte gleich drei sehr namhafte Hamburger Eigner: 1901 kaufte sie Sloman, 1903 die Union-Reederei, die sie dann aber schnell an die Hapag vercharterte und schließlich verkaufte. Sie wurde auf der Route Hamburg-Philadelphia und Hamburg-Montreal eingesetzt, bevor sie 1914 als Sperrbrecher 4 in den Dienst der Kaiserlichen Marine überging und schließlich 1915 vor Borkum nach Minentreffern sank. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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