Der kleine König

7. Februar

Wenn man klein ist, muss man um so schneller sein, gewitzter und cleverer. Das gilt für Menschen wie für Länder und natürlich auch für Könige. Einer, der diese Kunst wie kaum ein anderer beherrschte, wurde in diesen Tagen am 2. Mai 1953 gekrönt. Er hieß von diesem Augenblick an Hussein II. und er war König von Jordanien. Er blieb es bis zu seinem Tod am 7. Februar 1999, fast 46 Jahre lang und er starb, was allein schon ein kleines Wunder ist, nicht an den Folgen eines Attentats, sondern er unterlag einem Feind, den nicht einmal er austricksen konnte: Dem Krebs.

Husseins Leben war voller Gewalt. Schon seine Inthronisierung war die Folge eines Blutbades: Ein Meuchelmörder schoß seinem Großvater Abdallah, dem jordanischen Herrscher, eine Kugel in den Kopf. Der 16jährige Hussein war Zeuge. Auch ihn traf eine Kugel, allerdings prallte sie von einem Orden seiner Uniform ab, ohne ihn zu verletzen.

Hussein überlebte während seiner Regierungszeit mehr als ein Dutzend Attentate, denn er hatte überall Feinde. Aber er hatte auch ebenso viele Freunde. Und häufig wurden aus Feinden Freunde und aus Freunden Feinde, und das wechselte in einem so atemberaubenden Tempo, so dass man schnell die Übersicht verlieren kann, auf wessen Seite der kleine König von Jordanien nun eigentlich wann gerade stand. Dem Westen war er verdächtig, weil er dem uralten Herrschergeschlecht der Haschemiten angehörte und hin und wieder irritierende Solidarität mit anderen arabischen Ländern zeigte, beispielsweise, als er 1974 das Alleinvertretungsrecht der PLO für Palästina anerkannte.

Unter den Arabern galt er als Verräter, weil er unter anderem im ("Schwarzen") September 1970 seine Beduinen in den palästinensischen Flüchtlingslagern im damals dort herrschenden Bürgerkrieg ein beispielsloses Massaker anrichten, bei dem 7000 Menschen starben und weil er mit den Amerikanern gelegentlich gemeinsame Sache machte, Frieden mit Israel schloss und in England ausgebildet wurde. Außerdem stand er auf der Pay-List des CIA.

Ein Spiegelbild von Husseins Sprunghaftigkeit ist das Verhältnis zu seinen Frauen, die es alle nicht schafften, das Grundgefühl seines Lebens zu beseitigen, die Einsamkeit. „Ich bin umgeben von vielen Menschen, doch ich bin sehr, sehr einsam“, sagte Hussein Zeit seines Lebens immer wieder.

Die erste seiner insgesamt vier Ehen war ein Reinfall, obwohl Sharifa Dina Abdul Hamid aus altem arabischen Adel stammte, schön war und klug. Aber sie war sieben Jahre älter als der 19jährige Hussein und behandelte ihn entsprechend herablassend. Außerdem sorgte Husseins Mutter Zain durch gezielte Nadelstiche für dauerhafte Verstimmung. Die Ehe dauerte nur 18 Monate und hatte neben der Geburt der Tochter Alia mehr als unangenehme Folgen für Hussein, dem am Hofe hinter vorgehaltener Hand Unreife vorgeworfen wurde.

Noch schlimmer wurde es mit Nummer zwei, denn Toni Gardiner war noch nicht einmal Muslimin oder Araberin, sie war die Tochter eines britischen Offiziers. Toni Gardiner nannte sich „Muna“, lernte arabisch und hoffte vom jordanischen Volk anerkannt zu werden. Das gelang ihr sogar einigermaßen, nur nicht bei Hussein. Er ließ sich scheiden.

Hussein, damals 37, hatte sich Hals über Kopf in Alia Bahaeddin Tukan verliebt, eine ausgesprochen hübsche und intelligente Palästinenserin mit Faible für Politik. Doch auch ihre Ehe stand unter keinem guten Stern. Als Folge des Jom-Kippur-Krieges hatte Hussein „seine“ Palästinenser verloren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er sich auch privat darin hielt. Die Palästinenserin Alia starb im Februar 1977 bei einem Hubschrauberabsturz. Gerüchte, dass Hussein dabei nachgeholfen haben könnte, verstummten nie, zumal er sich bereits mehr als ein Jahr zuvor zuvor in eine junge Amerikanerin namens Elizabeth Halaby verliebt hatte. Auch sie war schön, klug und hochgewachsen.

1978, ein Jahr nach dem Tod Alias heirateten sie. „Lisa“ Halaby nannte sich „Nur al-Hussein“ - das Licht des Hussein. Diese Ehe hielt, obwohl Königin Nur als „Husseins CIA-Frau“ verleumdet wurde, bis zu seinem Tod. Hussein II. gelang es in den 46 Jahren seiner Regierung immer wieder, dem Nahen Osten seinen Stempel aufzudrücken. Ob er ein „Vermächtnis für den Frieden“ hinterließ, wie sein Biograf Gerhard Konzelmann schrieb, weiß niemand. Noch nicht einmal der kleine König hätte diese Frage beantworten können ...

Morgen: Gregor Mendel, der Vater der Gen-Technik


Smog in London
1557 Menschen starben ab 7.2. 1880 innerhalb einer Woche an Londoner Smog, vor allem wegen kohlebefeuerter Industrieanlagen. Bekanntlich setzt sich das Wort „Smog“ aus „Smoke“ und „Fog“ zusammen und es ist kein Zufall, dass dies eine englische Erfindung ist, denn vor allem die Londoner litten immer wieder extrem unter der manchmal tödlichen Mischung aus der Emission von Kohlekraftwerken, dem Rauch von häuslichen Holzfeuerungen, den Abgasen von Autos und einer ungünstigen Witterungslage. Man nannte deshalb Smog auch „London Peculiars“ (Londoner Spezialitäten).
Noch 1952 starben rund 1200 Menschen beim „The Great Smog“, der dann endlich die Regierung veranlasste dagegen mit dem „Clean Air Act“ vorzugehen. (nach Wikipedia)


Decksdeutsch:
Facken
Facken sind die Glieder einer Kette oder die Zwischenräume zwischen den Spanten eines Schiffes. (nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffsschicksale:
Savona
Die „Savona“ (erbaut 1871) der Hamburger Union-Reederei, die eigentlich gar kein eigenständiges Unternehmen war, sondern eine Holding der beiden Reedereien Carr und Sloman und später der Hapag, war ein Vielzweckschiff. Wenn es gerade passte, wurde sie als Frachtdampfer oder als Passagierschiff mit 630 Mitreisenden auf dem Zwischendeck ausgerüstet. Sie hieß zunächst „Bertha“, gehörte verschiedenen britischen Eignern, bevor sie im November 1887 von Sloman angekauft wurde. Sie unternahm am 10. Dezember 1888 ihre erste Reise von Hamburg nach New York. Die „Savona“ sank bereits am 13. Januar 1890 auf der Rückreise im Atlantik. Dabei kam niemand ums Leben. (nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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