Der seltsame Tod des Tycho Brahe

4. Februar

Traf er am 4. Februar 1600 zum ersten Mal auf seinen Mörder? Möglich ist es, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Dennoch war diese Theorie den beiden Journalisten Joshua und Anne-Lee Gilder ein Buch wert. Sie schrieben vor ein paar Jahren „Der Fall Kepler. Mord im Namen der Wissenschaft“. Und sie verzichteten sogar auf ein Fragezeichen, obwohl dies mehr als angebracht gewesen wäre.

Denn irgendwie hatte der damals 28jährige Johannes Kepler kein richtiges Motiv, seinen Chef, den weltberühmten Astronomen Tycho Brahe, um die Ecke zu bringen. Gut, er nahm nach dessen Tod am 24. Oktober 1601 seinen Posten als Kaiserlicher Hofmathematiker in Prag ein und bekam damit auch Einblick in alle Erkenntnisse des großen dänischen Wissenschaftlers, was ihm dieser bis dahin verwehrt hatte. Außerdem waren beide unterschiedlicher Meinung über das Kopernikanische Weltbild. Aber sind das ausreichende Motive für Mord?

Gut, dieser Tycho Brahe war kein sehr angenehmer Mensch. Er war missgünstig und streitlustig, vor allem, wenn er getrunken hatte, was recht häufig vorkam. In seiner Studentenzeit hatte er nach einem Streit mit einem Kommilitonen sogar ein Stück der Nase eingebüßt. Deshalb trug er eine metallene Prothese auf dem Riechorgan.

Als der seinerzeit 53jährige Brahe an jenem 4. Februar 1600 in Schloss Benatek in der Nähe von Prag erstmals auf Johannes Kepler traf, da kannte die Welt nur ihn, sein Assistent war noch ein Nobody. Brahe hatte bereits an vielen Stellen Europas seine Spuren hinterlassen (darunter in Wittenberg, wo er studierte), hatte als erster in der westlichen Welt eine Supernova, also einen explodierenden Stern, beobachtet, war vom dänischen König Frederick II. großzügig unterstützt worden, dann aber von dessen Sohn Christian IV. praktisch aus dem Land gejagt worden, eine Tatsache, die verdient genauer betrachtet zu werden – im Gegensatz zu dem nicht nur von der Kepler-Gesellschaft als „absurd und abstrus“ betrachteten Mordverdacht gegen Johannes Kepler.

Es ist noch nicht einmal erwiesen, dass es wirklich Mord war, obwohl Gerichtsmediziner in Kopenhagen bei einer Analyse von Brahes Barthaaren um das hundertfache erhöhte Quecksilberwerte feststellten. Brahe hatte während eines Bankett am Kaiserhof starken Harndrang gespürt, es aber nicht gewagt, in Anwesenheit des Kaisers aufzustehen. Er erlitt daraufhin einen Blasenriss, an dem er elf Tage später starb. Möglich ist, dass Brahe versuchte, sich selbst zu heilen und sich eine Arznei mischte, in die er zuviel Quecksilber tat, dessen tödliche Wirkung man damals noch nicht kannte, möglich ist aber auch eine ganz andere Geschichte.

Denn zu dem Zeitpunkt, an dem er das Quecksilber zu sich nahm, rund 13 Stunden vor seinem Tod, hatte er Besuch von einem entfernten Verwandten namens Erik Brahe und der war kein unbeschriebenes Blatt. Jedenfalls hatte sich dieser Erik Brahe vor seiner Abreise nach Prag mit dem Dänenkönig getroffen, der ein eingefleischter Feind des Wissenschaftlers war. Hatte er ihm den Mordauftrag erteilt?

Das scheint zumindest denkbar, wenn folgende Theorie stimmen sollte: Schon lange gab es das Gerücht, dass Christian IV. nicht der Sohn seines königlichen Vaters, sondern Ergebnis einer Liaison seiner Mutter mit – Tycho Brahe. Das war durchaus keine Kleinigkeit und durchaus ein Motiv, den „Mitwisser“ auszuschalten, bevor dieser plaudern konnte.

Es ist möglich, dass ein gewisser William Shakespeare von diesem Gerücht wusste und so auf die Idee kam, ein Theaterstück zu schreiben, in dem ein Dänenprinz vorkommt, der – Zufall oder nicht - in Wittenberg studierte. „Hamlet“ wurde im Juli 1602 uraufgeführt, rund neun Monate nach Brahes Tod.

Die Auftragsmordtheorie wird gestützt durch das Tagebuch des Erik Brahe, das 2007 bekannt wurde und in dem man mit einiger Phantasie und viel gutem Willen durchaus Schuldeingeständnisse finden kann. Immer wieder notiert er „Mea magna culpa“ („Meine große Schuld“) und seine Besuche bei dem berühmten Verwandten.

Der Fall Tycho Brahe scheint jedenfalls noch lange nicht abgeschlossen. Doch bis er das ist, schlagen wir solange bei Shakespeare nach, in dessen Hamlet wir zahlreiche Zitate finden, die sich erstaunlich gut als Kommentar zu den Prager Vorgängen eignen: „Etwas ist faul im Staate Dänemark“ oder „Schwachheit, dein Name ist Weib“ oder „Die Zeit ist aus den Fugen“.
Aber das kann auch Zufall sein.

Morgen: Max und Moritz suchen einen Verleger

Bacardi: Das ist nicht nur einfach eine Schnapssorte, es ist Kult. Und schon der provokante Name des Mixgetränks „Cuba libre“ verrät, dass in der Geschichte des Unternehmens, das am 4. Februar 1862 gegründet wurde, eine Menge Politisches zu finden ist.
Zunächst kämpften die Bacardis gegen die spanischen Besatzer, dann an der Seite Fidel Castros gegen den Diktator Batista, wendeten sich dann aber gegen den „Maximo Lider“, als sein Kurs prosowjetisch wurde. Im Oktober 1960 wurde Bacardi enteignet. Seitdem sitzt Bacardi auf den Bermudas und engagierte sich in der Organisation der Exilkubaner in Florida und sorgte unter anderem dafür, dass ein Handelsembargo gegen Kuba verhängt wurde. (nach: Wikipedia)

Schiffschicksale:
Helena Sloman
Die Helena Sloman lief am 11. Mai 1850 bei T. & W. Pim in Hull vom Stapel und am 29. Mai desselben Jahres auf Jungfernfahrt. Sie war knapp 70 Meter lang und war das erste deutsche Dampfschiff, das im Überseeverkehr eingesetzt wurde – meist zwischen Hamburg und New York, eine Reise, für die sie etwa 32 Tage benötigte. Die „Helena Sloman“ konnte insgesamt 310 Passagiere befördern. Schon im November 1850, auf ihrer dritten Reise, geriet die „Helena Sloman in Seenot und schlug vor Neufundland leck. Obwohl alle Passagiere fleißig das eindringende Wasser abpumpten, sank das Schiff. Dabei kamen neun Menschen ums Leben (nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

„Abbacken“:
Unter „Abbacken“ versteht man das Abräumen eines Tisches, oder das Bereitstellen von Mahlzeiten (Gegenteil: Aufbacken) (nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)

1 Kommentar:

Michael Schnell hat gesagt…

Hallo Herr Strothmann,
ein prima Artikel über den Tod Brahes: locker und ohne wissenschaftsschweren Bierernst, der so manchen guten Gedanken unlesbar macht, geschrieben. Gefällt mir!
Viele Grüße
Michael Schnell