Der Südseekönig

9. Februar

Er war der unbestrittene König der Südsee, seine Familie galt als die vermögendste der Kaiserzeit, er residierte im Hirschpark in einer der schönsten Villen an der Elbchaussee, gründete zusammen mit anderen den Hamburger und Germania Ruderclub, besaß Schiffe, ein Werk, in dem Kupfererz bearbeitet wurde (die heutige Norddeutsche Affinerie), eine Werft, eine Zuckerfabrik, ein Stahlwerk, war Präses der Handelskammer und Mitglied der Bürgerschaft.

Und dann, am 1. Dezember 1879, der große Schock, der die Hamburger Wirtschaft wie ein Schlag mit einem nassen Lappen ins Gesicht traf: Johan Cesar VI. Godeffroy war pleite.
Dabei dachten (fast) alle, dass ihn allein seine angeblich riesigen Plantagen auf der anderen Seite des Erdballs, auf denen Kokospalmen, Kaffee, Baumwolle und Zucker wuchsen und seine „Kopraschiffe“, mit denen die getrockneten Kerne der Kokosnuss um die halbe Erde aus der Südsee geholt und mit denen die Seifenfabriken in ganz Europa beliefert wurden, unangreifbar reich gemacht hätten – schon, weil er hohe Gewinne erzielte, indem er die eingeborenen „Geschäftspartner“ nach allen Regeln der Kunst knebelte.

(Fast) alle dachten, da sei ordentlich Fleisch am Knochen. Auch Konsul Hermann Henrich Meier, Bremer Konsul und größter Tycoon der Weserstadt, wollte sich davon ein Scheibchen abschneiden. Schlau, wie er nun einmal war, glaubte er aber nicht allein den offiziellen Verlautbarungen und Geheimberichten, die er sich besorgt hatte, sondern schickte einen Spion. Hugo Wolff hieß der Mann und er segelte undercover, angeblich auf der Suche nach seltenen Tieren und Pflanzen, von Bucht zu Bucht und von Hafen zu Hafen.

Was er fand, waren Godeffroys Schiffe, die voll bemannt monatelang tatenlos herumdümpelten, weil es keine Ladung gab, er stellte fest, dass der sagenhafte Landbesitz Cesar Godeffroys, auf dem die legendären Kokosnüsse angebaut wurden, in Wirklichkeit gerade einmal 1200 Hektar umfasste, also kaum der Rede wert war.

Alles Schall und Rauch.

Natürlich sickerten die Ergebnisse der Recherchen des Bremer Agenten langsam durch und im Dezember 1879 war es soweit. Die Londoner Hausbank der Godeffroys, Baring, ließ einen Wechsel platzen und trat damit eine Lawine los, die nicht mehr aufzuhalten war.
Noch aber schien nicht alles verloren.

Die Deutschen, alle Deutschen, wurden aufgefordert, Aktien zu zeichnen für eine Deutsche Seehandels-Gesellschaft, mit der Godeffroy aufgefangen werden sollte. Der Staat, so versprach es Reichskanzler Bismarck, übernehme die Zinsgarantie. Überall kauften die Leute – nur in Bremen nicht und nicht in Hamburg, wo man bekanntermaßen noch nie etwas davon hielt, notleidenden Firmen zu helfen – schon gar nicht mit Staatsgeldern, ein Prinzip, das zumindest mit Blick auf notleidende Banken zur Zeit zu bröckeln scheint.

Tja, und Bismarck scheiterte mit Glanz und Gloria mit seiner „Samoa-Vorlage“. Es war eine der bittersten Niederlagen, die der eiserne Kanzler jemals einstecken musste.

Cesar Godeffroy schaffte es schließlich, doch noch einen Vergleich zustande zu bringen, um die Schulden einigermaßen abzudecken, ihm persönlich blieb buchstäblich nichts. Aber, und das ist die eigentliche Überraschung der Geschichte: Während in Hamburg Bankrotteure ansonsten gnadenlos fallen gelassen werden, hatte Godeffroy wohl ein paar echte Freunde. Sie kauften das Haus an der Elbchaussee und ließen ihn und seine Familie darin wohnen. Und so hatte dieser Wirtschaftskrimi doch noch ein Happyend. Cesar Godeffroy starb am 9. Februar 1885 in diesem Haus im Alter von 71 Jahren.


Der erste Stern auf dem „Walk of Fame“
Joanne Woodward, die Witwe von Paul Newman und Oscar-Preisträgerin, erhielt als erste am 9.2.1960 einen Stern auf dem Hollywood-„Walk of Fame“. Heute sind es 2400. Die Idee hatte die Handelskammer von Hollywood und ausgeschrieben sind die Steine in fünf Kategorien (Film, Fernsehen, Musik, Radio, Theater). Nur einer schaffte es bisher in allen verewigt zu werden, der in Deutschland nicht sehr bekannte Country-Star Gene Autry (The Singing Cowboy). Einer seiner Sterne wurde geklaut, genau wie die von James Stewart, Kirk Douglas und Gregory Peck. Sie wurden ersetzt. Nur ein einziger weigerte sich übrigens, seinen Stein in den Gehweg einzulassen, Muhammad Ali, der nicht wollte, dass „Leute auf meinem Namen herumlaufen, die keinen Respekt vor mir haben." Sein Stern-Stein ist in der Fassade des Kodak Theatre.
Na ja, und 2009, als Michael Jackson starb, da versammelten sich die Trauernden zwar an einem Stern, der seinen Namen trug. Aber es war der Falsche. Der gehörte einem Radiomoderator gleichen Namens ... (Nach Wikipedia)

Decksdeutsch:
Hahnepot
Zwei oder mehr Taue, die sich zu einem einzigen verbinden (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)

Schiffsschicksale:
Imperator (1912)
Die „Imperator“ sollte zusammen mit ihren Schwesterschiffen „Vaterland“ und „Bismarck“ die Hamburger Reederei „Hapag“ nach dem Willen Albert Ballins an die Spitze der internationalen Passagierschiffahrt bringen und der Konkurrenz aus Bremen und aus England die maritimen Hacken zeigen. Am 21. April 1913, ging das seinerzeit größte Passagierschiff der Welt auf Jungfernreise. Sie war erheblich größer als die ein Jahr zuvor gesunkene „Titanic“.
Sie wurde geführt von einem Commodore, dem vier Kapitäne assistierten, 1180 Mann Besatzung, unter ihnen zwölf Nautiker und 25 Ingenieure, sorgten sich um das Wohl der meist recht betuchten insgesamt 3990 Passagiere. Und sie umgaben diese (zumindest die er ersten und zweiten Klasse) mit allem nur denkbaren Komfort. Zu Beginn des I. Weltkrieg wurde die „Imperator“ in Hamburg aufgelegt und ging 1919 als Kriegsbeute an die US-Navy. Ab Februar 1920 fuhr sie wieder als Passagierschiff für Cunard, seit 1921 als „Berengaria“, 1938 brannte sie in New York teilweise aus und wurde anschließend abgewrackt. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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