Die Blue-Jeans-Saga

26. Februar


Als die New Yorker Zeitung „Herald“ im Jahre 1848 erstmals über Goldfunde am Sacramento-Fluss im fernen Kalifornien berichtete und damit im darauffolgenden Jahr einen großen Teil der Glücksritter aus aller Welt an die amerikanische Westküste lockte (die legendäre Football-Mannschaft „San Francisco Forty-Niners“ benannte sich übrigens nach diesen 1849-Einwanderern), da machten nicht nur einige der schon im ersten Jahr mehr als 100 000 Goldgräber ihr Glück. Immerhin holten die unermüdlichen Wühlmäuse allein im Jahr 1851 Gold im Werte von mehr als 55 Millionen Dollar aus den Flüssen. Auch die „Zulieferindustrie“ boomte.

Unter denen, die sich eine goldene Nase verdienten, indem sie Kneipen aufmachten, Planwagen verkauften, Schaufeln und Siebe herstellten, war ein ideenreicher Schneider, den das Schicksal im Alter von 17 Jahren nach Amerika gespült hatte. Sein Name war Levi Strauss, geboren am 26. Februar 1829 in Buttenheim bei Bamberg. Während sich die anderen auf der Jagd nach plötzlichem Reichtum die Hände wund wuschen, nähte Levi Strauss zunächst Overalls aus Segeltuch, die zwar wie Kartoffelsäcke aussahen und sich auch so anfühlten, die aber äußerst strapazierfähig waren.

Sie wurden ihm praktisch aus den Händen gerissen. Eines Tages taten dem guten Levi Strauss die Goldgräber leid und er wechselte den Stoff. Er wählte jetzt etwas feiner gearbeitete geköperte Baumwolle, die vor allem über den italienischen Hafen Genua nach Übersee gingen. Und da Amerikaner bekanntlich locker mit der Aussprache von Begriffen aus Fremdsprachen umgehen (Champs Elysee klingt in den Staaten so ähnlich wie „Tschämpsällaisis“) wurde aus der schlichten Baumwollhose aus Genua (französisch „Gênes“) die berühmte „Jeans“.

Strauss mochte es aber noch wohlklingender. Er nannte den Stoff der widerstandsfähigen Arbeitshose ein wenig hochtrabend „Serge de Nîmes“, was goldgräbermäßig verkürzt bald nur noch „Denim“ hieß. Nun waren die amerikanischen Pioniere, wie jedes Kind vor allem aus Italo-Western weiß, nicht gerade Sauberkeitsfanatiker. Und da man sich beim Goldgraben nicht nur die Finger schmutzig macht, färbte Strauss die Hosen blau ein. Die „Blue Jeans“ waren geboren.

1873 ließ der inzwischen wohlhabende Strauss die Nähte mit Nieten verstärken und schuf damit das Problem aus der Welt, dass man Goldgräber schon von weitem an aufgeplatzten Hosen erkannte, was vor allem beim Betreten der Saloons unangenehm war und wegen der dann aufkommenden Frozzeleien ständig zu Streit mit gelegentlich tödlichem Ausgang führte.

Es sollte aber noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Blue Jeans viel weiter als über Rocky Mountains und die inzwischen büffelfreie Prärie kamen. Erst 1935 berichtete die auch heute noch in Modesachen führende Zeitschrift „Voque“ über einen neuen Trend, der sich „Western chic“ nannte. Er blieb aber eine Episode und verschwand ebenso schnell wie er aufgetaucht war.

In den 50er und 60er Jahren waren dann vor allem bei Eltern von Jungen im spielfähigen Alter neben den kurzen Lederhosen die „Nietenhosen“ hoch modern, weil sie genau jene Eigenschaften hatten, die nicht nur Goldgräber, sondern auch Mütter schätzen, denn sie waren stapazierfähig und schmutzabweisend. Die Nieten an den Gesäßtaschen hatten allerdings eine unerwünschte Nebenwirkung: Sie zerkratzten die Schulbänke.

In den Siebziger Jahren erinnerten sich dann einige Designer an das blaue Ding des Levi Strauss, dessen 1890 in San Francisco gegründete Fabrik auf vergleichsweise relativ niedrigem Niveau unermüdlich weiter produziert hatte. Plötzlich traten die Jeans ihren Siegeszug durch die Welt an als die mit Abstand beliebteste Freizeitkleidung. Sie wurden milliardenfach verkauft und sind heute aus den Kleiderschränken nicht mehr wegzudenken.Übrigens: Der Trick vor allem junger Mädchen, mit der neuen Jeans in die Badewanne zu steigen, sie dann am Körper trocknen zu lassen, damit sie knalleng anliegen, ist nicht sehr neu. Schon die legendären Cowboys, die schlotternde Hosenbeine bei ihrem aufwendigen Job nicht gebrauchen konnten, warfen sich in die Pferdetränke und ließen die Hose in der Sonne trocknen ...


Der Tod der Lindenwirtin
Sie war ein rheinische Original und eine echte Frohnatur, deshalb liebten Aennchen Schumacher auch alle, vor allem die Studenten. Als „Lindenwirtin“ wurde sie so bekannt, dass sie aus China eine Postkarte erreichte, auf der nur „n – Deutschland“ als Adresse angeben war. Das Restaurant in Bad Godesberg gibt es heute noch, abwohl Aennchen schon seit dem 26. Februar 1935 tot ist.


Decksdeutsch
Abbergen
„Abbergen“ sagt der Seemann, wenn er sich oder andere in Sicherheit bringt oder wenn sich jemand in acht nehmen soll. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Dresden
Der 1888 in Schottland vom Stapel gelaufene Dampfer „Dresden“ des Norddeutschen Lloyd (rund 1900 Passagiere) bereiste von Bremerhaven aus praktisch die ganze Welt, bevor er 1904 zunächst nach Liverpool und 1906 in die Türkei verkauft wurde. Er wurde damit Teil des Türkischen Marinewerks. Am 6. November 1914 wurde es von dem russischen Linienschiff Sviatoj Jestafi, unmittelbar nach der Kriegserklärung Russlands an das mit Deutschland verbündete Osmanische Reich, versenkt. Grund für die Kriegserklärung war die Beschießung russischer Küstenstädte durch die von der Türkei erworbenen deutschen Kriegsschiffe „Goeben“ und „Breslau“. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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