Die echte Geierwally

28. Februar


„Geierwally“ – das klingt wie eine nostalgische Alpensaga und wie ein Fortsetzungsroman aus der „Gartenlaube“. Und das ist es ja auch. Aber es ist auch (weitgehend) eine Tatsachenstory, denn es gab sie wirklich, die „Geierwally“. Eigentlich hieß sie Anna Stainer-Knittel und wurde am 28.7.1841 geboren. Sie war Porträt- und Blumenmalerin und hatte in einem Selbstporträt ein Bild gemalt, auf dem sie ein Adler-Nest (in Tirol heißen Adler „Geier“) ausnimmt. Dieses Bild hing in Innsbruck im Geschäft eines gewissen Engelbert Stainer und als die Münchner Schriftstellerin Wilhelmine von Hillern es sah, war sie so fasziniert, dass sie sich die Geschichte erzählen ließ.
Und die ging so:
Anna Stainer-Knittel, inzwischen Ehefrau des Ladenbesitzers, stammte aus Untergiblen bei Elbigenalp und war die furchtlose Tochter eines ziemlich herrischen Büchsenmachers. Als sie 17 war, bestand sie, die alle nur „Nanno“ nannten, das Abenteuer, das sie weltberühmt machen sollte: Sie seilte sich in den Madauergrund ab, um in der zerklüfteten Saxerwand einen Adlerhorst auszunehmen, ein lebensgefährliches Unternehmen.

Danach erzählte sie der Autorin von ihrem Vater, der Zeit seines Lebens seinen Schwiegersohn Engelbert, einen gelernten Gipsfigurengießer, bekämpfte und seiner Tochter erst auf dem Sterbebett verzieh, dass sie ihn gegen des Patriarchen Willen geheiratet hatte. Es war übrigens eine sehr glückliche Ehe aus der vier Kinder hervorgingen, unter ihnen Dr. Karl Stainer, ein bekannter Arzt und Heimatforscher.

Anna war eine in jeder Hinsicht eine bemerkenswerte Frau, mutig, selbständig, selbstbewusst und ungewöhnlich emanzipiert für ihre Zeit. Sie lief gern in Männerhosen herum, trug die Haare kurzgeschnitten und ließ sich von niemandem etwas gefallen, schon gar nicht von ihrem gestrengen Vater und von ihrer Mutter, die erklärtermaßen dem „unsoliden“ Beruf einer Malerin ablehnend gegenüberstand und eine „Hausfrauenkarriere“ für ihr Tochter vorgezogen hätte.

Sie war gelernte Malerin, hatte in München in einer privaten Kunstschule studiert (die Akademie der Künste blieb noch bis in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein frauenfeindlich) und war so gut, dass die sogar damit ihren Lebensunterhalt verdiente, was nie leicht war, schon gar nicht damals.

All dies hörte sich Wilhelmine von Hillern atemlos an, dann schrieb sie alles auf. Sie verlegte den Ort des Geschehens ins bekanntere Ötztal, machte aus Anna (genannt Nanno) Knittel Walburga (genannt Wally) Stromminger mischte ein paar schaurigschöne oder schönschaurige Episoden hinein, dachte sich die Geschichte der trotzköpfigen jungen Frau aus, die entgegen väterlichem Befehl nicht den Nachbarbauern Vinzenz heiratet sondern den „Bärenjosef“ liebt, dann wutentbrannt mit ihrem handzahmen Adler in alpine Exil geht, nach dem Tod des Vaters zurückkehrt, hart geworden und herrisch, feststellt, dass der „Bärenjosef“ es ohne sie durchaus ausgehalten hat und alles endet in einem wunderbar herzzerreißenden Desaster.

Wilhelmine von Hillern schrieb einen Roman, der zunächst in der legendären „Gartenlaube“ erschien, dann ein Welterfolg wurde und der inzwischen fünfmal verfilmt wurde, zuletzt als Fernsehfilm mit Christine Neubauer als Wally und dem zahmen Adler Udo in den Hauptrollen, der am 7.Januar 2005 im ZDF gezeigt wurde.

Zuvor spielte schon 1921 Henny Porten stumm und schwarzweiß und mit damals üblicher dramatischer Klavierbegleitung eine Wally zwischen Hass und Liebe, 1940, während des 2. Weltkriegs, folgte Heidemarie Hatheyer, dem Zeitgeist entsprechend, heldisch, unbeugsam und tollkühn allen Gefahren trotzend, 1956 war es Barbara Rütting auf der Heimatfilmwelle der Nachkriegszeit schwimmend und 1988 macht sich der Regisseur Walter Bockmayer mit einer schrillen Geierwally-Parodie über die heile Welt der Berge lustig.

Es soll Leute geben, für die die „Geierwally“ überflüssiger Bergbauernkitsch ist. Dass es sie aber wirklich gab, mildert dies harte Urteil sicher ein wenig ab ...


Milon von Kroton
Einen vier Jahre alten Ochsen muss man erst einmal eine Stadionrunde lang auf den Schultern tragen, denn das sind immerhin rund 1,5 Kilometer, ihn dann mit einen gezielten Faustschlag ins Jenseits befördern und ihn anschließend verspeisen. Für Milon von Kroton, den wohl größten Star der antiken Olympischen Spiele, war das alles kein Problem.

Das lag wohl auch daran, dass er nicht nur ganze Ochsen, sondern täglich 17 Pfund Fleisch, 17 Pfund Brot und zehn Liter Wein zu sich nahm, rund 50 000 Kalorien also, eine Kost, die offensichtlich jedem Doping-Mittel weit überlegen war.

30 Jahre lang war dieser Mann, der 540 v. Chr. als Teenager seinen ersten Olympiasieg holte, im Ringkampf unbesiegbar, dann erst forderte das Alter seinen Tribut. Er musste gegen einen gewissen Timasitheos aufgeben, der ebenfalls aus Kroton stammte, dem heutigen Crotone an der Stiefelspitze Italiens, einer Stadt, die in der Antike für ihre Ringer berühmt war und in der übrigens auch der berühmte Mathematiker Pythagoras lebte.

Milon führte, wenn mal gerade keine Olympischen Spiele waren, gern auch mal von der Spitze weg die Truppen seiner Heimatstadt und war berühmt für allerlei Kunststückchen. So stand er auf einem eingefetteten Diskus und niemand schaffte ihn herunter zu schubsen, wobei er auch noch einen Grantapfel in der Hand hielt, der unbeschädigt blieb. Oder er band sich eine Darmsaite um den Kopf, hielt die Luft an und zerriss die Saite mit den angeschwollenen Adern. Aber er wagte eine Glanznummer zu viel: Den Versuch, einen Baum zu zerreißen, überlebte er nicht ...


Decksdeutsch
Cassablanca
„Cassablanca“ ist ein typisches Beispiel für den Humor an Bord. Das heißt nämlich „kein Geld haben“. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Westphalia
Der 1923 bei Howaldt in Kiel gebaute Passagierdampfer der Hapag (900 Passagiere) wurde zunächst im Nordatlantik auf der Strecke Hamburg-New York eingesetzt, dann für den La-Plata-Dienst umgebaut. 1926 gelang es der „Westphalia“, die 27köpfige Besatzung des sinkenden holländischen Dampfers „Alkaid“ zu retten. 1930 wurde das Schiff umbenannt in „General Artigas“. 1934 wurde das Schiff zunächst an Hamburg-Süd verchartert und zwei Jahre später verkauft. 1940 wurde es Wohnschiff der Kriegsmarine und 1943 bei einem Bombenangriff im Kuhwerder Hafen versenkt. 1946 wurde es gehoben und verschrottet. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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