Die erste Käsefabrik

3. Februar

Mit seinen etwas mehr als 700 Einwohnern gehört ein Dörfchen mit dem seltsam gut passenden Namen Kiesen im Schweizer Kanton Bern nicht gerade zu den Metropolen dieser Welt. Und dennoch wurde dort Wirtschafts-Geschichte geschrieben, denn am 3. Februar 1815 entstand hier, an der alten Hauptstraße von Bern nach Thun, wenn nicht die erste, so doch zumindest einer der ersten professionellen Käsefabriken.

Die Idee hatte ein Oberamtmann von Konolfingen mit Namen Rudolf Emanuel Effinger, ein vornehmer Herr aus Bern, der im sogenannten Schloss die erste genossenschaftliche Dorfkäserei einrichtete. Dort befindet sich seit 1974 das „Nationale Milchwirtschaftliche Museum“, ein wahres architektonisches Schmuckstück, in dem man unter anderem das historischen „Küherstöckli“ mit authentischer Käserei besichtigen kann.

Kiesen, Käse? Gibt es da einen Zusammenhang?

1236 wurde der Ort gegründet und hieß ursprünglich Chisun.

Chisun, Cheese, Käse?

Nein, so ist es nicht. Weder stammt Käse von Kiesen, noch Cheese von Chisun oder umgekehrt. Der Name bezieht sich auf ein Flüsschen namens Chise und das bedeutet „Die Kiesführende“.

Außerdem ist Käse viel älter. Um seine Entstehung ranken sich, übrigens ganz ähnlich zum Kaffee, viele Legenden. So soll irgendwann einmal vor rund 5000 Jahren ein Kaufmann im vorderasiatischen Dreistromland durch die Wüste geritten sein und Milch in einem Schafsmagen mit sich genommen haben. Als er sie trinken wollte, war sie durch Erschüttung und Wärme zu Käse geworden - schmeckte aber dennoch recht passabel. Und da der Kaufmann nicht daran starb, erzählte er anderen davon, die ritten dann auch mit Milch im Schafsmagen durch die Wüste.

Eine andere Legende besagt, dass Jäger in der Steinzeit in den Mägen junger Hirsche weißliche Klumpen entdeckten, die erstaunlich gut schmeckten. Natürlich wussten sie nicht, dass diese Kälber zuvor Muttermilch getrunken hatten und dass diese in ihren Mägen zu Labquark fermentierten.

Ähnlich zufällig soll übrigens auch der Roquefort entstanden sein. In diesem Fall hütete im Mittelalter ein junger Schäfer seine Herde in den Steinhöhlen des Combalou in Südfrankreich und erblickte beim Verzehr seiner Brotzeit das hübsche Töchterchen seines Herrn, das auf dem Weg zum morgendlichen Bad war. Die Brotzeit bestand aus Schafskäse und Roggenbrot und war plötzlich uninteressant geworden. Der Bursche ließ alles stehen und liegen und schlich hinter dem Mädchen her und vergaß die Brotzeit.

Ein Vierteljahr später kam er wieder an dieselbe Stelle und fand einen köstlich mit grünlichen Spuren durchsetzten Käse vor, der sich durch den Blauschimmel des Roggenbrotes entwickelt hatte.

Doch lassen wir diese sagenhaften Geschichten einmal beiseite, fest steht, dass im Irak im Tempel der Lebensgöttin Ninchursag die ersten Darstellungen von Käseherstellung zu finden sind, was beweist, dass man diese Techniken schon vor 3000 Jahren kannte.

Sowohl in Griechenland als auch im alten Rom spielten Milch und Käse eine wichtige Rolle als Grundnahrungsmittel, aber auch als Opfergaben für die Götter und als Aphrodisiakum. In Rom wurden bereits Kräuter beigemischt und die Legionen hatten immer Rosinen, Oliven und Käse in ihrem Gepäck. Durch ihre Eroberungszüge verbreitete sich dann auch der Käse in ganz Europa.

Im Mittelalter entwickelte sich der Käse dann zu einer beliebten Fastenspeise, wurde, wie heute noch, in vielen Klöstern hergestellt. Daher stammt übrigens auch der Name „Munster“ (für Monasterium = Kloster).

Inzwischen hat der Käse die Welt erobert – nicht ganz allerdings, denn die Japaner halten es schlicht für verdorbene Milch und schütteln sich ...

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