Karl Mays Geheimnis

25. Februar


Als er am 25. Februar 1842 geboren wurde, da konnte wirklich niemand ahnen, dass aus Karl May einmal einer der erfolgreichsten und auflagenstärksten Schriftsteller deutscher Sprache werden würde. Aber es machte ihn nicht glücklich.
Das war auch so, als der 68jährige Karl May den ersten Band seiner Selbstbiographie „Mein Leben und Streben“ abschloss, sein letztes Buch. May war kreuzunglücklich. Zwar verkauften sich die „Reiseerlebnisse“ von Old Shatterhand und Kara ben Nemsi aus Ländern, in denen er nie war, wie geschnitten Brot, aber die Anerkennung als ernsthafter Schriftsteller war ausgeblieben.
Und dann holte ihn außerdem mit Hilfe einer aufsehenerregenden Enthüllungs-Kampagne die Vergangenheit ein. Und das Schlimmste war, dass das meiste vom dem, was über ihn geschrieben und gelästert wurde, leider der Wahrheit entsprach.
Die dunkelsten Jahre im Leben des Karl May hatten mit dem Diebstahl von sechs Kerzen begonnen. Der 17jährige ließ sie in der Schule mitgehen, um die erbarmungslose Armut in seinem Elternhaus wenigstens zu Weihnachten in etwas wärmerem Licht erscheinen zu lassen. Er bekam die Höchststrafe: Verweis von der Anstalt.
Zwei Jahre später, May hatte inzwischen den Posten eines Hilfslehrers an der Armenschule in Glauchau bei Zwickau bekommen, versuchte er sich der Ehefrau seines Zimmerwirtes zu nähern - und erhielt prompt die fristlose Kündigung. Beim Einstellungsgespräch als Fabriklehrer in Altchemnitz stellte er diesen Vorfall anders da - und wurde als Lügner entlarvt.
Am 2. Weihnachtstag 1861, May war erst 19 Jahre alt, wurde er das erstemal verhaftet. Er sollte eine Uhr, eine Pfeife und eine Zigarrenspitze geklaut haben. Und tatsächlich, die Sachen wurden bei ihm gefunden. May kam in Untersuchungshaft, erhielt eine sechswöchige Gefängnisstrafe in Chemnitz. Die Lehrerkarriere war damit zu Ende.
Dafür machte May Fortschritte als Krimineller. Als Augenarzt „Dr. med. Heilig“ ließ er sich von einem Herrenausstatter Hosen, Hemden, Anzüge und Mäntel bringen - und verschwand. Als „Seminarleiter Lohse“ bestellte er im Chemnitzer Gasthof „Zum Anker“ einen Armvoll Pelze, ging in ein Nebenzimmer, um sie seinem „kranken Herrn Direktor“ zu zeigen - und tauchte nicht wieder auf. Seine Beute brachte er ins Pfandhaus. Als May denselben Trick zum drittenmal - diesmal in Leipzig - versuchte, kam man ihm auf die Schliche. Das Urteil: Vier Jahre und einen Monat Arbeitshaus, zu verbüßen in der Zwickauer Strafanstalt Osterstein.
1868 wurde er entlassen. Nur fünf Monate später ergaunerte May bei einem Krämer namens Reimann einen Zehn-Taler-Schein und eine vergoldete Uhr, indem er sich als Polizeileutnant von Wolframsdorf vorstellte, die beiden Sachen als gefälscht „beschlagnahmte“ - und verschwand. Dasselbe versuchte er ein paar Tage später, diesmal als angeblicher Geheimagent, bei einem Seilermeister Krause in Ponitz. May flog auf. Aber er bedrohte Krause mit einer Waffe, so dass dieser ihn ziehen ließ. May wurde immer hemmungsloser.
In einer Kneipe in Limbach klaute er einen Satz Billardbälle, ein paar Tage später ein Pferd. Er versuchte den Trick mit den angeblich gefälschten Geldnoten noch einmal, brach in das Hohensteiner Kegelhaus ein. Er wurde geschnappt, bei einem Lokaltermin gelang es ihm, die Handschellen zu zerbrechen und zu fliehen. Diesmal schaffte er es bis nach Böhmen. Als er in einer Scheune übernachtete, eurde er aufgegriffen und versuchte, seine Identität zu verschleiern. Sein Name sei Albin Weidenbach, er sei der Sohn eines Plantagenbesitzers aus Martinique und auf Europareise. Aber May verwickelte sich in Widersprüche. Er wurde erneut verhaftet. Diesmal landete er „als sehr gefährlicher Verbrecher“ für vier Jahre im Zuchthaus von Waldheim.
Schon während der Gefangenschaft begann er zu schreiben. Nach der Entlassung, May war jetzt 32 Jahre alt, machte er die Schriftstellerei zu seinem Beruf. Im Oktober 1875 begann er mit „Old Firehand“ den ersten Roman „aus der Mappe eines Vielgereisten“. „’Mein Frühling ging zur Rüste, ich weiß gar wohl warum: Die Lippe, die mich küsste, ist worden kühl und stumm’ so klang es über die weite Ebene hin, und Swallow, mein wackerer Mustang, spitzte die kleinen Ohren“ dichtete der „Schwerverbrecher“ Carl Friedrich May und wurde so der Autor Karl May, der mit seinen Abenteuern einen Platz in den Träumen von Millionen Menschen eroberte. Nur das ist wichtig. Die dunklen Jugendjahre gehören aber dazu, wenn man den Menschen May und das, was er geschrieben hat, besser verstehen will.


Der Frauenmörder von Paris
Mit den heutigen kriminaltechnischen Möglichkeiten hätte man Henri Landru wohl ziemlich schnell erwischt und das hätte sicher der einen oder anderen der zehn von ihm ermordeten Frauen das Leben gerettet. Aber in den Wirren während und nach dem Ersten Weltkrieg hatte der Frauenmörder von Paris relativ leichtes Spiel. Am 25. Februar 1922 wurde er hingerichtet. Für Filmemacher war der Fall Landru ein Glücksfall. Seine Geschichte wurde gleich mehrfach cinematografisch verwurstet.


Decksdeutsch
Zahnküste
Die „Zahnküste“ ist ein seemännischer Begriff aus erfreulicherweise längst vergangenen Zeiten: Gemeint ist nämlich der Küstenstrich zwischen Cape Palmas und Tres Puntas wegen des ehemaligen Handels mit Elefantenzähnen. Cape Palmas liegt in Liberia an der Grenze zur Elfenbeinküste in Westafrika. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Teutonia
Auf ein langes erfülltes Schiffsleben konnte die 1856 bei Caird im schottischen Greenock vom Stapel gelaufene „Teutonia“ zurückblicken. 1858 wurde sie von der Hapag aufgekauft und war dann 20 Jahre auf vielen Strecken unterwegs: Von Hamburg nach Brasilien, New York oder nach Westindien. 1877 ging das Schiff an die Reederei „Dominion“ in Liverpool, dann an Baker in Cardiff. 1884 wurde sie nach Italien verkauft und hieß nacheinander „Regina“, „Piemontese“, „Citta di Savona“ und schließlich „Mentana“. 1894 wurde das Schiff abgewrackt. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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