Maigrets Vater

13.Februar

Er war ein Besessener des Schreibens, der wohl produktivste Schriftsteller oder „Romancier“, wie er sich selbst nannte, aller Zeiten. An die 400 Romane hat der am 13. Februar 1903 im belgischen Lüttich geborene George Simenon geschrieben und die neben Sherlock Holmes, Hercule Poirot und Pater Brown wohl berühmtestes Figur der Kriminalliteratur erfunden: Kommissar Maigret, von dem eigentlich nur eingefleischte Fans wissen, dass er den Vornamen Jules trägt.

Dieser Maigret erblickte 1929 das Licht der Welt und es war eine eher zufällige Eingebung im Hafen von Delfzijl in Holland, wo Simenon sein Schiffchen „Ostrogoth“ vertäut hatte. Er saß zur Mittagszeit in einer Hafenkneipe bei, wie er selber schrieb, „ein, zwei oder sogar drei kleinen Genever mit einem Schuss Bitter“. Nach einer Stunde sah er „ein wenig schläfrig, sich allmählich die mächtige, unbewegliche Statur eines Mannes abzeichnen, der mir einen rechten Kommissar abzugeben schien. Im Laufe des Tages gab ich ihm noch ein paar Requisiten: eine Pfeife, eine Melone auf dem Kopf, einen dicken Überzieher mit Samtkragen. Und weil es in meinem verlassenen Boot so feuchtkalt war, erlaubte ich ihm für sein Büro einen Kanonenofen.“

In nur vier, fünf Tagen schrieb Simenon „Maigret und Pietr der Lette“ auf einer „halbverfaulten Schute, in der die Ratten herumschwammen“. Er trug einige Kisten zusammen, stellte seine Schreibmaschine auf die größte, setzte sich auf eine etwas weniger hohe, und seine Füße stellte er auf noch niedrigere, die „kaum aus dem brackigen Wasser herausragten“. Seine Maigret-Romane schrieb Simenon immer mit der Schreibmaschine, bei seinen anderen Werken benutzte er auch das Tonbandgerät und hin und wieder die Hand.

Viele Jahre später durfte Simenon, inzwischen weltberühmt und äußerst wohlhabend, im Hafen von Delfzijl ein Maigret-Denkmal enthüllen, das ein holländischer Künstler erschaffen hatte und das „soweit wie möglich demjenigen glich, den ich erdacht hatte und den nur ich kannte.“ Mit dabei waren fünf internationale Maigret-Darsteller, unter ihnen der Engländer Rupert Davies, der insgesamt in 52 Filmen den Kommissar spielte, dessen große Stärke nicht Körperkraft und ein sicherer Schuss war, sondern der seine Fälle löste, indem er sich in die Personen hineinversetzte, die die Hauptrollen in seinen Romanen spielten.

Anfangs hatte es Simenon durchaus nicht leicht. Er schrieb Groschenromane für vier oder fünf Verlage in Paris und da er immer schon sehr schnell schrieb, konnte er davon leben, mehr schlecht als recht allerdings. Er schrieb „Romanzen für Midinettes, mit viel Leid. Aber viel Liebe und Hochzeit am Ende.“ ‘Die Braut mit den eiskalten Händen’, ‘Das U-Boot im Wald’ und ‘Miss Baby’ hießen diese Werke, die er unter immer wieder wechselndem Pseudonym fabrizierte. „Jede Serie hatte ihre Tabus. In einigen war das Wort Mätresse nicht gestattet, und in keiner einzigen wurde beigeschlafen, sondern ‘die Lippen fanden sich’ oder das Gewagteste war, von ‘Umarmung’ zu sprechen.“

Im wirklichen Leben war der elegante Belgier nicht so prüde, denn neben der Schreiberei und dem Alkohol waren es vor allem die Frauen, die es ihm angetan hatten. Von Josefine Baker, die er, wie er später gestand, „geheiratet hätte, wenn ich es, so unbekannt wie ich war, nicht abgelehnt hätte, Monsieur Baker zu werden“ bis hin zu seinen Lebensgefährtinnen Tigy, Boule, D. und Teresa, sind sie kaum zu zählen. Indianermädchen und Mulattinnen gehörten ebenfalls dazu. Simenon hatte mindestens vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter, die er zärtlich und abgöttisch liebte.

Das Schicksal hatte für ihn, der sich so viele menschliche Dramen ausgedacht hatte, eine ganz persönliche Tragödie parat: Am 19.Mai 1978 erschoss sich seine Tochter Marie-Georges, die er Marie-Jo nannte. Sie wurde nur 25 Jahre alt. In seinen „Intimen Memoiren“, die 1981 erschienen, nahm George Simenon Abschied von seiner „kleinen Schmerzensreichen“. Er ist eines der ergreifendsten Bücher, die je geschrieben wurden. Der Schriftsteller, der weit mehr war als der Erfinder eines Kommissar Maigret und den man durchaus in einem Atemzug mit Balzac nennen kann, starb am 4. September 1989 in Lausanne.


Semper-Oper wiedereröffnet
Auch wenn zu Zeiten der DDR viele Baudenkmäler verrotteten, gab es doch Ausnahmen: Am 13. Februar 1985 wurde die Dresdner Semperoper, genau 40 Jahre nach den verheerenden Bombenangriffen auf die sächsische Hauptstadt, wiedereröffnet. Das königliche Hoftheater war von 1838 bis 1841 von Gottfried Semper errichtet worden, der unter anderem auch das Wiener Burgtheater baute. Nach einer Brandkatastrophe wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein zweiter Bau errichtet, der wiederum 1945 den verheerenden Bombenangriffen auf Dresden zum Opfer fiel. Wieder eröffnet wurde die Semperoper mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“, genau der Oper, mit der das Haus am 31. August 1944 geschlossen worden war. (Nach Wikipedia)


Decksdeutsch
Labsalben
Labsalben ist das Haltbarmachen von Tauwerk, vorrangig durch Einfetten, Einölen oder mit Teer. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffsschicksale
Vaterland
Als am 23. Mai 1912 das zweite von Alberts Ballins dicken Hapag-Pötten, die gigantische „Vaterland“, getauft wurde, da hatte sich Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II., etwas ganz Besonders einfallen lassen: Denn ausgerechnet durch ein Schiff und ausgerechnet in Hamburg sollte die große Geste der Versöhnung zwischen Preußen und Bayern stattfinden. Die beiden Herrscherhäuser, die preußischen Hohenzollern und die bayerischen Wittelsbacher, waren sich nämlich am Anfang des 20. Jahrhunderts nicht ganz grün und so sollten die Bayern ein Schiff taufen dürfen, ein richtig großes, ein richtig schönes, was Stolzes. König Ludwig III. kam allerdings nicht höchstpersönlich, sondern er schickte seinen Ältesten, Rupprecht, der, wenn nicht bald der Erste Weltkrieg und das Ende der deutschen Monarchien gekommen wäre, das Land der Bayern hätte erben sollen. „Willem zwo“ blieb zuhause in Berlin, um Rupprecht protokollarisch nicht zum Knecht zu degradieren. Die große Geste kam gut an: Kronprinz Rupprecht strahlte mit Zehntausenden von Hamburgern um die Wette, als der beeindruckende fast 290 Meter lange stählerne Koloss ins Wasser der Elbe glitt. Erst zwei Jahre nach der Taufe, am 14. Mai 1914 , ging der Stolz der deutschen Passagierschifffahrt auf Jungfernreise von Cuxhaven nach New York. Schon auf ihrer dritten Reise wurde sie in Hoboken am Hudson-River gegenüber von New York vom Krieg überrascht. 1917 wurde die „Vaterland“ nach dem Kriegseintritt der USA von den Amerikanern beschlagnahmt und zunächst als Transporter für die US-Navy eingesetzt. Noch im selben Jahr wurde sie umgetauft in „Leviathan“. Als Passagierschiff in Fahrt arbeitete die „Leviathan“ nach einem Umbau 1923 einige Jahre für die United States Lines, New York. 1938 wurde das Schiff nach Rosyth in Schottland gebracht, wo es am 14. Februar 1938 zerschnitten wurde. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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