Max und Moritz finden einen Verleger

5. Februar

Es das wohl bekanntestes Kinderbuch aller Zeiten und mit etwas Wohlwollen der erste Comic-Strip der Geschichte. Die Rede ist von „Max und Moritz“ und dennoch hatte Wilhelm Busch alle Hände voll zu tun, um einen Verleger zu finden. Am 5. Februar 1865 bot er das Buch seinem Münchner Verleger an, der dann schließlich anbiss und dadurch steinreich wurde – im Gegensatz zu Busch.

Doch der Reihe nach: Wenn Walt Disneys Held Micky Maus im ersten bekannteren Zeichentrickfilm „Steam Boat Willy“ eine Katze am Schwanz durch die Luft schleudert und einer säugenden Sau die Ferkel entreißt, dann ist das natürlich grausam, aber die Leute lachen darüber. Und das war im Jahre 1928, immerhin fast 100 Jahre, nachdem am 15. April 1832 im niedersächsischen Wiedensahl ein gewisser Heinrich Christian Wilhelm Busch zur Welt gekommen war.

Dieser Busch hatte dieselbe Art von gruseligen Humor, allerdings noch einen Zacken heftiger, denn immerhin lässt er es zu, dass seine Hauptdarsteller Max und Moritz Lehrer in die Luft jagen, Hühner strangulieren und harmlose Schneider fast ertrinken lassen. Es lebe die Schadenfreude!

Für Hans Joachim Neyer, den Direktor des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover war Busch ein höchst moderner Mensch, der nicht das Wahre, Schöne und Gute schilderte, sondern das Böse, Falsche und Hässliche, der deutlich machte, dass der Mensch ein triebgesteuertes Wesen ist und er nennt das Beispiel von Klein Fritz, der sich nicht etwa über die Geburt eines Brüderchens freut, sondern sagt: „Ich hol’n dicken Stein und schmeiß ihn an den Kopp!“

Buschs Feinde sind die Spießbürger, so Neyer, die scheinheiligen Moralapostel, die Eheleute, die sich heimlich prügeln oder „selbst ernannte Dichter, die in freier Natur auf den Kuss der Muse warten und denen dann in den Illustrationen doch nur ein Vogel auf ihre Dichtung scheißt.“

Ja, er war schon ein seltsamer Kauz, dieser Wilhelm Busch, dessen zum Teil bösartige Geschichten aber besser verständlich werden, wenn man sich die Umgebung genauer ansieht, in der er aufwuchs: Ein strenges, protestantisches, bigottes Elterhaus, in dem es wenig zu Lachen gab, Lehrer, die ihm die Nase verdrehten und mit dem Rohrstock auf die Finger schlugen.

Wie seinerzeit üblich in kinderreichen Familien, wurde, wenn möglich, der eine oder andere Spross bei Verwandten untergebracht. Wilhelm Busch kam zu einem Onkel nach Ebergötzen bei Göttingen, einem Naturfanatiker, dem Herausgeber des „Bienenwirtschaftlichen Zentralblatts“, bei dem er zu zeichnen begann. Und in Ebergötzen traf er „Max“, der hieß zwar nicht Max, sondern Erich Bachmann, aber er wurde zum Vorbild für den einen Protagonisten der späteren Lausbubengeschichten, „Moritz“ war natürlich Wilhelm Busch selbst. Die beiden Freunde heckten genau die „Scherze“ aus, mit denen Busch später weltberühmt werden sollte – und sie wurden fast nie erwischt.

Nur einmal, so schreibt der Autor in seinen Erinnerungen, habe er Schläge von seinem Onkel erhalten, als die beiden den Dorftrottel genarrt hatten und ihm eine Pfeife mit Kuhhaaren gestopft hatten, die dieser aber voller Genuss rauchte.

Natürlich sollte Busch etwas „Ordentliches“ lernen. Maschinenbauer. Aber er brach aus, ging an die Kunstakademie nach Düsseldorf, die alten holländischen Meister hatten es ihm besonders angetan. Aber wieder wurde er enttäuscht. Der starre Kunstbetrieb gefiel ihm nicht und als er in Antwerpen die Bilder seiner großen Vorbilder sah, stürzte ihn dies in Depressionen. Alles war schon gemalt und viel besser, als er es jemals könnte. Busch ging nach München und lernte das süße Leben kennen, er tanzte, soff, dichtete Texte für Faschingsschwänke und wurde zum Kettenraucher.

Und das Geld ging aus, also ergriff er mit Freude die Chance, an den „Münchner Fliegenden Blättern“ mitzuarbeiten. Ein gemachter Mann war Busch dennoch nicht. Nach langem Hin und Her fand er endlich einen Interessenten für „Max und Moritz“, verkaufte die Rechte für damals stattliche 1000 Mark, musste aber später mit Verbitterung feststellen, dass nicht er steinreich wurde, sondern der schlitzohrige Verleger Caspar Braun. Erst als Busch ein alter Mann war, bekam er noch einmal 20 000 Goldmark „Nachschlag“. Er spendete das Geld für einen guten Zweck.

Wilhelm Busch war immer gern allein. Nur einmal versuchte er eine Frau zu gewinnen, die Kurzwarenhändlers-Tochter Anna Richter aus Schöningen, aber ihm wurde die Tür gewiesen. Er versuchte es nie wieder. Typisch für Busch: Er zog es vor, bei seiner verwitweten Schwester Fanny und ihren drei Söhnen zu wohnen und war lieber "gefühlter" Familienvater, als selbst ein eigenes Nest zu bauen.

Den Mann, der über 1000 sehenswerte Bilder malte und der ein beachtliches schriftstellerisches Werk hinterließ, kennt die Welt bedauerlicherweise nur als den ersten Comic-Zeichner der Geschichte.

Wilhelm Busch hätte sich betätigt gefühlt ...


Morgen: Der Fall Vera Brühne



Dunlop:
Er hatte eigentlich alles, was ein Mensch braucht, besaß eine gut gehende Tierarztpraxis in Belfast und war ein enger Freund der englischen Königin Viktoria. Aber hätte sein kleiner Sohn nicht eine schwere Erkältung gehabt und hätte ihm der Vater nicht viel Bewegung an der frischen Luft verschrieben und wäre der Junge nicht ausgerechnet mit dem Dreirad auf Tour gegangen, das mit seinen metallenen Reifen einen ohrenbetäubenden Lärm machte und hätte er sich nicht darüber geärgert, wer weiß, ob heute überhaupt noch irgendjemand den Namen John Boyd Dunlop kennen würde.

So aber nahm er ein paar dünne Gummiplatten, klebte sie zusammen und blies sie mit Hilfe einer Fußball-Luftpumpe auf. Dass funktionierte schon einigermaßen gut, Dunlop experimentierte noch ein wenig weiter und reichte schließlich am 31. Oktober 1888 ein Patent auf einen luftgefüllten Reifen ein, das er am 7. Dezember desselben Jahren dann auch bekam. Dunlop wurde am 5. Februar 1840 geboren.


Decksdeutsch:
Was ist eine Balje?
Unter Balje versteht man eine kleine Bucht oder ein hölzernes, rundes Gefäß, beispielsweise einen Bottich oder eine Regentonne, eine stets Wasser führende Rinne im Schiff oder auch ein Priel im Wattenmeer (nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale:
Der Schaufelraddampfer „Germania“
Die „Germania“ ist eines der ersten deutschen Passagierschiffe überhaupt. Gebaut 1840 als „Acadia“ in Glasgow gehörte sie zunächst als „Erzherzog Johann“ als Kriegsschiff der deutschen Bundesflotte an, die 1852 aufgelöst wurde. Der Bremer Reeder W.A. Fritze ersteigerte das Schiff, taufte es in „Germania“ um und ließ es zu einem Auswandererschiff umbauen. Außerdem wurde das Schiff zum Postverkehr zwischen Bremen und den USA eingesetzt. Rund 500 Passagiere konnte die „Germania“ mitnehmen.
Am 2. August trat sie den Liniendienst zwischen Bremerhaven und New York an. Aber es gab technische Probleme: Die Schaufelräder waren häufig dem schweren Wetter nicht gewachsen. 1855 wurde das Schiff wegen des Krimkrieges an die britische Regierung verchartert. Nach der Rückkehr wurde die "Germania aufgelegt und 1857 abgewrackt. (nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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