Vater der Genforschung

8. Februar

Da wird ein Mensch weltberühmt, weil er eines der größten Geheimnisse des Lebens entdeckte - er selbst aber stirbt, ohne dies je erfahren zu haben. So erging es Johann Gregor Mendel, der am 22. Juli 1822, im sogenannten „Kuhländchen“, im mährischen Heinzendorf geboren wurde. Als er 62 Jahre später hochgeehrt als Abt eines Augustinerklosters starb, hinterließ er ein schmales damals längst vergessenes Druckwerk mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen, von dem zu seinen Lebzeiten niemand etwas wissen wollte. Es enthielt die „Mendelschen Gesetze“, über die er am 8. Februar 1865 erstmals berichtete und ohne die es heute keine Gen-Forschung geben würde.

Es war der Nachruck eines Vortrages, der jene Regeln behandelte, die der rührige Mönch in seinem Klostergarten herausgefunden hatte. Über Jahre hinweg hatte Bruder Gregor nämlich immer wieder unterschiedliche Arten der Gartenerbse gekreuzt, die Spuren, die sie hinterließen, verfolgt und alles geduldig und sorgfältig notiert. Das Ergebnis waren die „Mendelschen Gesetze“, die wichtigsten Erkenntnisse und Grundlagen der Vererbungslehre.

Selbst hatte Gregor Mendel seine Liebe zu den Pflanzen, ihre Pflege und Züchtung von seinem Großvater mütterlicherseits geerbt, der in seiner Gegend als Mann mit dem „grünen Daumen“ bekannt und berühmt war, was allerdings nicht verhinderte, dass auch Thomas Schwirtlich, so hieß Mendels Großvater, in einer milden aber dennoch als schmerzhaft vorhandenen Leibeigenschaft lebte.

Überhaupt waren die Vorfahren des Mannes, der mit seiner Forschung Wissenschaftsgeschichte schrieb und immer noch schreibt, bescheidene, fleißige, freundliche Bauern, Handwerker, kleine Beamte und Arbeiter, die ihr meist recht kurzes Leben in demütiger Ergebenheit lebten, eben ein Völkchen, dem nichts entfernter lag als das Streben nach Ruhm und Ehre.

Aber wie das Schicksal manchmal so spielt - ausgestattet mit dem „grünen Daumen“ seines Großvaters, stieß Mendel in der Heinzendorfer Volksschule auf einen Mann, wie man ihn dort kaum erwarten würde: Der Schulrektor und Dorfgeistliche Johann Schreiber war besessen von allem, was man als „Werkstatt der Natur“ bezeichnet, von Obstbäumen und Blumen, von Bienen und dem Wunder der Vermehrung. Damit kassierte Schreiber manch eine Abmahnung seiner kirchlichen Vorgesetzten und die Aufforderung diesen „Unfug“ zu unterlassen. In Mendel aber hatte er wissenschaftliche Wissbegierde erweckt.

Mendel lebte in seinen jungen Jahren in dramatischer Armut. Sein Vater war gestorben, seine Familie traf ein Schlag nach dem anderen, er selbst wurde schwer krank, weil er mit allen möglichen Arbeiten versuchen musste, irgendwie über die Runden zu kommen und seine Kräfte überstrapazierte. Erst als er in das Augustinerkloster in Altbrünn eintrat, wendete sich sein Leben zum besseren. Zwar schlugen alle seine Versuche, Prüfungen als Lehrer zu bestehen, mit großer Regelmäßigkeit fehl, aber er hatte ja seinen Garten im Kloster.

Mendel besorgte sich 34 verschiedene Erbsensorten: groß, klein, rund, länglich, weiß, bunt, glatt, kraus usw. und kreuzte sie nach Herzenslust. Dann zählte er nach, immer und immer wieder. Mendel stellte fest, dass sich einige Merkmale in den Folgegenerationen stärker durchsetzten als andere und dass sie sich mischten. Am Beispiel von Rosen heißt das: Kreuzt man eine weiße Blume mit einer roten, so ist Hälfte der Pflanzen der nächsten Generation rosa, die anderen sind weiß und rot. Aus diesen entstehen bei der Kreuzung von rosa „Bastarden“ in der darauf folgenden Generation neben rosa gefärbten wieder weiße und rote und zwar im Verhältnis 3 : 1, das heißt von vier Blumen ist eine weiß, eine rot und zwei sind rosa.

Mit diesen und weiteren Ergebnissen ausgestattet, stellte sich Mendel am 8. Februar 1865 dem „Naturforschenden Verein“ in Brünn und erlebte ein Fiasko. Niemand verstand ihn oder wollte ihn verstehen und Mendel verfügte nicht über genügend Selbstbewusstsein, auf seinen Erkenntnissen zu beharren. Bruder Mendel, inzwischen Abt seines Klosters, zog sich wieder in seinen Garten zurück und kämpfte vergeblich gegen die österreichischen Steuergesetze. Als Mendel an Herz- und Nierenversagen gestorben war, erinnerte man sich an ihn lediglich als herzensguten Kirchenmann, der stets seine Pflicht getan hatte. Niemand kam auf die Idee, dass sie den Leichenreden von einem Mann sprachen, der schon bald zu den Olympiern der Welt-Wissenschaft gehören würde ...

Morgen: Davis und die Rückhand


Ministerium für Staatssicherheit
Die DDR war einfach zu klein für zwei Geheimdienste, deshalb war das Ministerium für Staatssicherheit oder auch prägnant „Stasi“ genannt, für das In- und das Ausland zuständig. Die SED bezeichnete das „MfS“ als „Schild und Schwert der Partei“ und auch das erinnert stark an alte Nazizeiten, die am 8. Februar 1950, als die Stasi gegründet wurde, ja erst fünf Jahre her waren. Und wie in Nazizeiten war das Ministerium für Staatssicherheit für praktisch alles zuständig: für Untersuchung „politischer Straftaten“, Bespitzelung der Bevölkerung und Unterwanderung von Organisationen politischer Gegner, bis hin zum Einschleusen von Agenten in die Nähe „feindlicher“ Politiker wie Willy Brandt, der ja bekanntlich über die Guillaume-Affäre stolperte. Erst 1990, nach dem Ende der DDR und der Verhinderung der Vernichtung der Stasi-Akten in letzter Sekunde, wurde das wahre Ausmaß der Stasi-Tätigkeiten bekannt. (Nach Wikipedia)


Decksdeutsch:
Galionsinspektor
So nannte man früher den Matrosen, der in der Galion, dem Ausbau unter dem Bugspriet, also der Toilette, für Sauberkeit sorgen musste. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffsschicksale:
Therapia (1901)Die "Therapia" war der einzige Passagierschiff-Neubau der Deutschen Levante-Linie in Hamburg und ein ausgesprochen luxuriöses Gefährt und obwohl es als einziges Schiff der DLL den eigenen Ansprüchen, "erstklassigen Passagierdienst" zu leisten, genügte, wurde es an den Norddeutschen Lloyd in Bremen verkauft. Die "Therapia" startete ihre Jungfernreise im Januar 1902 in Hamburg Richtung Odessa, ging 1906 an den NDL und wurde umgebaut, so dass insgesamt 232 Passagiere Platz fanden. 1913 ging sie als „Baltika“ an den Baltischen Lloyd ins lettische Libau, wo sie sich zu Beginn des Ersten Weltkriegs selbst versenkte. 1915 wurde sie gehoben, ging wieder in NDL-Dienst bevor sie die kaiserliche Kriegsmarine als „Sperrbrecher 2“ einsetzte. Nach dem Krieg war sie zunächst in Besitz der NDL, hatte dann verschiedene Eigner, bevor sie 1926 wieder unter Hamburger Flagge lief - zuletzt knapp vier Jahre für die Hapag, bevor sie 1930 abgewrackt wurde. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

1 Kommentar:

Michael Schnell hat gesagt…

Hallo Herr Strothmann,
ein prima Artikel über den Tod Brahes: locker und ohne wissenschaftsschweren Bierernst, der so manchen guten Gedanken unlesbar macht, geschrieben. Gefällt mir!
Viele Grüße
Michael Schnell