Alle Vögel sind schon da

10. März


In der Welt der Oper und der Lieder steht der Komponist meist im Rampenlicht, den Menschen, der für die Texte verantwortlich ist, kennen meist nur die Experten. Da ist zum Beispiel Wolfgang Amadeus Mozart. Dass er die zugegeben großartige Musik für die „Zauberflöte“ schrieb, weiß jeder Schüler (oder sollte es wissen). Aber das Drumherum, diese großartige Welt zwischen „Sommernachtstraum“ und „Zauberer von Oz“, schuf ein anderer: Emanuel Schikaneder aus Straubing in Niederbayern. Und wer schrieb die witzigen und spritzigen Texte in der „Hochzeit des Figaro“ oder „Cosi Fan Tutti“? Mozart selbst? Nein, es war ein gewisser Lorenzo da Ponte aus dem oberitalienischen Ceneda.

Manchmal aber, wenn auch selten, ist es auch umgekehrt. Dass zum Beispiel Joseph Haydn die Melodie „Gott erhalte Franz, den Kaiser“ schrieb und sich Hoffmann von Fallersleben dazu den Text für die deutsche Nationalhymne einfallen ließ, weiß jeder Schüler (oder sollte es wissen) und dass Hoffmann von Fallersleben für „Alle Vögel sind schon da“ verantwortlich ist, auch. Aber wem ist schon bekannt, dass es die am 10. März 1817 in Magdeburg geborene Marie Nathusius war, die die hübsche Melodie erfand?

Sie war die Tochter des Pastors und späteren Superintendenten Friedrich Scheele und wuchs in einem frommen Elterhaus auf, durch das sie für ihr ganzes Leben geprägt wurde, indem es christliches Gedankengut vorlebte, vor allem Nächstenliebe und Fürsorge. Ihr Leben hätte sie, wie damals, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts üblich, in der Küche und im Garten verbracht, hätte Kinder groß gezogen, irgendeinen Ehemann versorgt und wäre dann ohne weiteres Aufsehen im Kreise von Freunden und Enkeln zu Grabe getragen worden.

Aber die hübsche Marie lernte einen gewissen Philipp Engelhardt Nathusius kennen, die beiden heirateten kurz nach ihrem 24. Geburtstag. Sie reisten erst einmal durch die Welt, nach Frankreich, Italien und in die Schweiz und bauten dann ihr Nest in Haldensleben, wo Philipps Vater, Johann Gottlob Nathusius, ein Industrieimperium aufgebaut hatte - nicht irgendeines, sondern den ersten echten Großkonzern Deutschlands mit mehr als 30 Betrieben, darunter Porzellanmanufaktur, Tabakfabrik, Ölmühle, Essig- und Nudelfabrik, Brennerei, Brauerei und Steinbruch. Philipp übernahm 1835 als 20jähriger die Leitung des Gesamtbetriebes.

Das junge Paar geriet in Althaldensleben mitten hinein in das Elend der beginnenden Industrialisierung, verursacht auch durch die Nathusius’schen Unternehmen: Verwahrloste Kinder, Alkoholprobleme, verrohte Eltern, Kinder ohne Zuwendung und Geborgenheit.

Marie und Philipp Nathusius gingen die Probleme an. Sie gründeten Rettungshäuser für Kinder, Bewahranstalten und Armenpflegeinrichtungen. Außerdem wuchs die eigene Familie. Sieben Kinder zogen sie groß, darunter den späteren Politiker Philipp von Nathusius-Ludom und den Reformtheologen Martin von Nathusius, der selbst Vater der Schriftstellerin Annemarie von Nathusius werden sollte, die ihr Talent mit Sicherheit von der Großmutter erbte.

Irgendwann tauchte dann Hoffmann von Fallerleben auf und wurde ein gerngesehener und häufiger Gast des Hauses. Marie begann zu schreiben und zu komponieren. 1847 war es die Melodie für „Alle Vögel sind schon da“, dann schrieb sie Erzählungen und Romane, die häufig zuerst in dem von Ehemann Phillip herausgegebenen „Volksblatt für Stadt und Land“ erschienen und wurde neben Eugenie John, die unter dem Pseudonym E. Marlitt veröffentlichte, zur meistgelesenen Bestsellerautorin ihrer Zeit. Titel wie „Tagebuch eines armen Fräuleins“ oder „Eine Geschichte, die nicht mit der Heirat schließt“ oder „Langenstein und Boblingen“ sind heute allerdings weitgehend vergessen. 1851 zog Familie Nathusius um auf das Gut Neinstedt bei Thale im Harz.

Übrigens fehlte damals noch das „von“ in ihrem Namen. Zwar hätte sich schon Johann Gottlob Nathusius, der auch in Goethes „Wilhelm Meister“ eine Rolle spielt, in den Adelsstand erheben lassen können, aber er lehnte es immer ab mit der Bemerkung: „Besser, man zeichnet sich aus, als das man sich auszeichnen lässt.“ Maries Ehemann Philipp sah das nicht so eng. Er wurde 1861 für seine Verdienste um die heute noch existierenden Neinstedter Anstalten für psychisch und physisch behinderte Menschen in den Adelsstand erhoben. Aber das erlebte seine geliebte Frau Marie nicht mehr. Sie starb kurz vor Weihnachten im Jahre 1857, gerade einmal 40 Jahre alt.



Begründer der Haute Couture
Er gilt als der erste, der mehr Künstler war als Handwerker, mehr Schöpfer als Schneider: Charles Frederick Worth, der am 10. März 1895 starb, und zu dessen Kundinnen auch Österreichs Kaiserin Elisabeth (Sisi) gehörte, war deshalb der Begründer der Haute Couture.


Blätterwald
Fürst rückt Orden nicht raus
Der österreichische Orden „Merito Navali – Pour le mérite“ ist eine exklusive Auszeichnung. Nur zwölf Menschen dürfen ihn gleichzeitig tragen. Und nach dem Tod muss er zurückgegeben werden. Fürst Joachim Fürst zu Fürstenberg erhielt die Ehren-Medaille 1979, doch als er 2002 starb, behielt das Donaueschinger Fürstenhaus zu Fürstenberg den rund 20 000 Euro teuren Orden. Sie rückten ihn bis heute nicht heraus, berichtet der „Schwarzwälder-Bote“. In Wien sei man darüber außerordentlich empört. http://www.schwarzwaelder-bote.de/wm?catId=11738079&artId=14744675&offset=1


Blätterwald
Tödliches Drama in Minden
Mehr als zwei Wochen lagen zwei Tote in einer Mindener Wohnung und niemand merkte es. Wie das „Mindener Tageblatt“ berichtet, starb zunächst ein 65jähriger eines natürlichen Todes und dann seine 95jährige Mutter, mit der er zusammenlebte. Sie verhungerte, weil sie sich offenbar nicht selbst versorgen konnte. Die näheren Umstände des doppelten Todes werden wohl nie mehr aufgeklärt, da die Polizei mitteilte, dass die „Todesfälle aus kriminalistischer Sicht keine Fälle“ seien. Somit seien die Akten geschlossen worden. http://www.mt-online.de/lokales/minden/3427976_Mutter_und_Sohn_lebten_isoliert.html?em_index_page=1


Blätterwald
Schweinejagd in Erfurt
Erst der Bundespolizei gelang es mit Hilfe der Feuerwehr und Mitarbeitern des Tierheimes, ein auf dem Güterbahnhof in Erfurt herumirrendes Hängebauchschwein einzufangen. Das berichtet die „Thüringer Allgemeine“. Das Borstenvieh hatte allerdings auch einen Fehler gemacht, indem es in ein Plastikrohr kriechen wollte, das aber zu eng war, so dass das Tier hängen blieb. Da niemand als Besitzer festgestellt werden konnte, kam das Schwein ins Tierheim. http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.erfurt.volltext.php?kennung=on1taLOKStaErfurt40243&zulieferer=ta&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Erfurt&auftritt=TA&dbserver=1

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