Bettologie

28. März


Kaum ein Gegenstand begleitet den Menschen hartnäckiger durch das Leben - fast jeder wird in einem geboren, verbringt in ihm, je nach Temperament, Anfälligkeit und Beruf bis zur Hälfte seiner Zeit auf Erden und die meisten sterben darin: Das Bett. Unendlich viel Geschichte wurde in ihm gemacht, unendlich viele Geschichten über ihn und in ihm geschrieben.

Wer aber war eigentlich der erste, der seine matten Glieder in einem richtigen Bett ausruhte? So ganz genau läßt sich das nicht feststellen, denn die Grenzen sind fließend. Ist beispielsweise ein Strohlager schon ein Bett? Wer sich in ein Kornfeld legt, geht der zu Bett? Sind Kopfstützen aus Elfenbein, Holz oder Alabaster als Kopfkissen akzeptabel?

Das lässt sich alles nicht ganz eindeutig beantworten.Man weiß lediglich, dass es möglicherweise in diesen Tagen vor 5500 Jahren war, als sich ein sumerischer König in einen besonderen Raum zurückzog, in dem er sich ganz allein, getrennt von Frau und Gefolge, auf einem Gebilde niederließ, das durchaus mit heutigen Betten vergleichbar ist. Wir wissen also lediglich, dass es ein Herrscher im Süden Mesopotamiens war, der das erste Schlafzimmer der Menschheitsgeschichte betrat.

Zu Zeiten der alten Ägypter war alles schon fast so wie heute: Das Bett stand auf Pfosten, damit der Schläfer nicht durch nächtliche Zugluft behelligt wurde, zur Abwehr lästiger und gefährlicher Stechmücken gab es schon den Baldachin und wo hat Kleopatra wohl Julius Cäsar und von ihm später den kleinen Ptolemäus XV. empfangen, wenn nicht in einem Bett?

Apropos Römer. Die bekamen überhaupt nicht genug von horizontaler Lebensweise. Zumindest die, die nicht in Steinbrüchen schuften mussten, nicht mit Leib und Leben dabei waren, die Welt zu erobern oder sich nicht um Getreide und Vieh sorgten, verbrachten praktisch ihr ganzes Leben auf Sofas, Diwanen oder in Betten. Sie nahmen dort ihr Essen zu sich, liebten sich darin und genossen Unterhaltungen jeder Art. So wie es heute ja auch viele Zeitgenossen gibt, die nicht nur den Sonntag am liebsten im Bett verbringen - mit Pizza, Fernsehapparat und Lebensabschnittsgefährte/in.

Aber auch die einfacheren Römer zogen sich des Nachts in meist recht bescheidene Schlafräume zurück, in denen nicht mehr als ein Gestell aus Holz stand, auf denen Matratzen lagen, gefüllt mit Gras, Stroh, Wolle oder Federn, außerdem gehörten ein Stuhl und ein Nachttopf zur Standartausstattung.Aber auch dieser recht bescheidene Luxus ging im Laufe des Mittelalters verloren - jedenfalls für den Normal-Bürger. Das schlief man im Winter möglichst in Nähe eines bullernden Ofens und im Sommer an luftigen Stellen schlicht auf dem Fussboden oder auf einem Tisch. Im Übrigen hatte man nichts gegen menschliche Wärme, so dass auch Wildfremde gern die Lagerstatt teilten, weil es kuschelig war und den sozialen Kontakt erleichterte.

Nun hatte der Verzicht auf wärmende aber nur selten gelüftete Matratzen oder Decken auch praktische Gründe, denn Gras, Stroh, Wolle oder Federn haben auch noch andere Freunde, die da wären Wanzen, Kakerlaken, Mäuse und sogar Ratten. Zu Beginn der Neuzeit empfahlen deshalb italienische Ärzte, ein paar Zehen Knoblauch in die Matratze zu stecken ...

In Frankreich half man sich schon im 16. Jahrhundert mit der Erfindung der ersten Luftmatratze, indem gewachstes Segeltuch mit Hilfe von Ventilen aufgeblasen wurden. Aber offensichtlich gingen die meist vermögende Herrschaft, die sich einen solchen Luxus leisten konnten, nicht besonders pfleglich damit um. Meist platzten diese Dinger in den ungeeignetsten Momenten und so verschwand diese an sich ja durchaus sinnvolle Erfindung bis ins 20. Jahrhundert hinein aus den Schlafzimmern der Welt.

Und dann tauchte sie woanders wieder auf: Im Wasser und auf dem Strand - und als Notbett. Erst anfangs des 18. Jahrhunderts gab es in England die ersten Sprungfedern, die allerdings noch zahlreiche Nachteile hatten: Vor allem brachen sie sehr leicht und ohne Vorwarnung, so dass sich das Metall vor allem in solche Körperteile bohrte, die besonders gewichtig waren.

1855 kam dann endlich der Quantensprung mit der Erfindung der sogenannten konischen Sprungfeder, aber erst 1929 war sie technisch so ausgereift, dass sie der gewohnten Rosshaarmatratze Paroli bieten konnte. Geradeeinmal ein Menschenleben ist das her ...

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