Das Tomaselli

31. März

„Ach Österreich! Jetzt hinuntergehen und im nahen Café Tomaselli einen doppelten Mokka trinken“. Der das denkt, ist ein Mörder, ein erfundener zwar, aber ein weltberühmter. Sein Name ist Tom Ripley und ausgedacht hat ihn sich die Krimiautorin Patricia Highsmith. Alles andere ist echt und für jeden, der Salzburg besucht, nachvollziehbar, denn das „Tomaselli“ gibt es als Kaffeehaus-Institution seit mehr als 300 Jahren und es ist damit (die Wiener ärgern sich schwarz darüber) das älteste durchgängig existierende Kaffeehaus der Alpenrepublik.

Obwohl das Tomaselli alles andere als ein Museum ist, sondern ein lebendiges, fröhliches Kaffeehaus mit einer bunten Gästemischung aus jungen Leuten, Touristen und Stammgästen, mit Melange und Einspänner, leckeren Torten, die vom Tablett angeboten (und gleich bezahlt) werden, Würstchen mit Kren und Omelett nature, würde man sich nicht wundern, wenn plötzlich Mozart durch die Tür kegelte - mitten hinein in jenes Stück unverwechselbare Kaffeehaus-Tradition am Alten Markt in Salzburg.

Es wäre ja auch seltsam gewesen, wenn es ausgerechnet in der Geschichte des Tomaselli kein Kapitel geben würde, in dem das „Wolferl“ mitspielt. Eine Hauptrolle ist es allerdings nicht, denn in der umfangreichen Korrespondenz der Familie Mozart wird das Etablissement nur selten erwähnt und wenn, dann nicht unbedingt sehr freundlich. So machte sich Wolfgang Amadeus einmal in einem Brief an seinen Vater darüber lustig, dass es dort „Erdbeereis voller Eisbrocken“ gäbe, dünne Limonade und „Mandlmilch ohne Mandeln“.

Besitzer des heutigen Tomaselli war zur Mozartzeit ein gewisser Anton Staiger aus dem oberbayerischen Weilheim, der in der langen Geschichte des Kaffeehauses eine wichtige Rolle spielte. Er war es nämlich, der aus dem am 31. März 1700 gegründeten eher bescheidenen Gasthaus das erste „Große Kaffeehaus“ der Stadt an der Salzach gemacht hat mit Billiard-Zimmer und „Tobakstüberl“, in dem die Gäste „Rauch trinken“ konnten.

Wolfgang Amadeus Mozart war eher selten im Tomaselli anzutreffen, er lebte ja auch in Wien, aber sein Vater Leopold war öfter da, so oft, dass er zusammen mit Mozarts Schwester Nannerl zu Staigers Beerdigung ging und seinem Sohn ausführlich darüber berichtete. Viele Jahre nach Mozarts Tod zog übrigens seine Witwe Constanze mit ihrem zweiten Ehemann, dem dänischen Diplomaten Georg Nikolaus Nissen, ins Hinterhaus des Cafés und die beiden begannen dort die ersten Seiten der ersten Mozart-Biografie zu schreiben.

Darin kann man lesen, dass Mozart 1781 seine „Salzburger Fesseln“ ablegte und endgültig nach Wien zog. Es war genau in jenem Jahr, als ein begabter Sänger aus Rovereto am Gardasee mit Namen Guiseppe Tomaselli nach Salzburg kam, dort Karriere machte und schließlich die Tochter eines Kaffeesieders heiratete. Ihr gemeinsamer Sohn Carl erlernte den Beruf des Zuckerbäckers und eines griff ins andere, als dieser 1852 von Theresia Staiger das Gebäude am Alten Markt erwarb.

In den seitdem vergangenen mehr als 150 Jahren hat sich viel verändert. Sogar das „Tomaselli“ lieferte einen kleinen, wenn auch wichtigen Beitrag, wurde dort doch tatsächlich 1891 der erste „Damensalon“ Salzburgs eröffnet (50 Jahre nach Wien in diesem Fall), nachdem es zuvor höchst unschicklich für eine Frau gewesen war, ein Kaffeehaus zu betreten.

Nach dem Ersten Weltkrieg gelang Salzburg dann der große Durchbruch als Touristenmekka. Am 22. August 1920 erlebte die Theaterwelt erstmals Hugo von Hofmannsthals legendäres „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ auf den Salzburger Festspielen, was zunächst nur mäßigen Erfolg hatte, dann aber, wie Stefan Zweig schrieb, aus der „uralten, antiquarischen, kleinen, im Schlaf schön hinträumenden Stadt die lebendigste, kulturellste Metropolis von Europa“ machte.

Die Folgen für das „Tomaselli“ waren entsprechend. Buchstäblich alle Welt traf sich dort, von Hofmannsthal über Max Reinhardt, dem genialen Jedermann-Regisseur, Helene Thimig, Paul Hartmann, sie alle verewigten sich im Gästebuch des Kaffeehauses.

In allerbester Kaffeehaus-Tradition wurde das „Tomaselli“ das Mekka für all die berühmten Mokka-Trinker aus Kunst, Politik, Sport und Gesellschaft von Nikki Lauda, Franz Josef Strauß, Österreichs Bundespräsident Kirchschläger bis hin zu Fritz Muliar und dem Dramatiker Thomas Bernhardt, der allerdings, obwohl eigentlich bekennender Kaffeehausfan, mit spitzer Feder schrieb: „Am Nachmittag treffen sich die Damen und Herren im Kaffeehaus, sie setzen sich an den Geschwätztisch im Tomaselli, die Frauen haben die Männer und die Männer die Frauen an der Hundesleine, stumpfsinnige Gemeinderäte mit dem Bürgermeisterposten in der Manteltasche; das stupide Lächeln der Lokalredakteure, der Zeitungsherausgeber, der Kritikanten; wassersüchtige Nullen.“

Am „Tomaselli“ tropft so etwas ab. Im Gegenteil. Voller Selbstbewusstsein erzählt der Salzburger Geschichtsprofessor Gerhard Ammerer all das in seinem Buch „Das Tomaselli“. Wenn man mehr als 300 Jahre auf dem Buckel hat, ist man über derartiges Kläffen erhaben ...


Blätterwald
Wenn Freizeitparkpläne platzen
Eine Million Besucher im Jahr und 300 neue Arbeitsplätze sollte der neue Freizeitpark „Discoveryland“ in Goldberg im mecklenburgischen Landkreis Parchim bringen – und jede Menge Hoffnung auf bessere Zeiten in dem strukturschwachen Landesteil. Als jetzt das Wirtschaftministerium in Schwerin den Antrag auf Staatszuschüsse prüfte, stellte man fest, dass ein Finanzierungskonzept der Betreiber für das 125-Millionen-Euro-Projekt fehlt. Das vermeldet die „Schweriner Volkszeitung“. Außerdem stamme der Antrag aus dem Jahr 2005. Fragt man sich nur, warum die Schweriner Bürokraten den ja wirklich ziemlich offensichtlichen Mangel erst jetzt bemerken. http://www.svz.de/nachrichten/lokales/luebz/artikeldetails/article/212/daumen-runter-fuer-goldbergs-discoveryland-1.html


Blätterwald
Versehentlich in D-Mark kalkuliert
Eine neue Idee, wie man bei der Kalkulation staatlicher Leistungen auf prima Zahlen kommt, ist jetzt in Kiel aufgetaucht. Man rechnet einfach nicht in Euro, sondern in D-Mark. Wie die „Kieler Nachrichten“ berichten. gab es diese Panne bei den Planungen für ein neues Städtisches Nahverkehrsnetz mit einer Stadtbahn. Weil man „versehentlich“ nicht in Euro, sondern in D-Mark gerechnet hatte, sanken die zu erwartenden Beträge bei der Kosten-Nutzen-Berechnung von 2,20 auf 1,90 für jeden investierten Euro. http://www.kn-online.de/lokales/kiel/144765-Versehentlich-mit-DM-kalkuliert.html


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Das könnte Ärger geben: In der Esslinger Galerie „Villa Merkel“ werden jetzt erstmals die Totenmasken der RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl-Raspe ausgestellt, die sich 1977 im Hochsicherheitsgefängnis von Stammheim das Leben nahmen. Das berichten die „Stuttgarter Nachrichten“. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/news/stuttgart-region/nachrichten.html/id/42c0c0f9-9c16-4a8e-a30b-86563e73c449

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