Der Doktor Eisenbarth

27. März

„Ich bin der Doktor Eisenbarth, widewidewitt, bumm,bumm, kurir die Leut nach meiner Art, kann machen, dass die Blinden gehen und dass die Lahmen wieder sehn. Es hatt einmal ein alter Mann im Rachen einen hohlen Zahn, ich schoss ihn raus mit der Pistol, ach Gott, wie ist dem Mann so wohl. Drauf rief mich stracks der große Zaar, er litt schon lang am grauen Staar, ich stach ihm beede Augen aus, jetzt ist der Staar wohl auch heraus“, sangen die jungen Leute, als sie noch selber sangen und nicht von Walkman oder MP3-Playern berieselt wurden.

Mehr als 200 Jahre ist das her und da war der Mann, von dem dieses Spottlied handelt, schon weitere mehr als 70 Jahre mausetot. Johann Andreas Eisenbarth starb am 11. November 1727, und er war zwar ein wandernder Chirurg aber in gar keiner Weise einer jener Quacksalber, die mit allerlei Brimborium den kranken Menschen das Geld aus der Tasche zogen, sondern ein ernstzunehmender Chirurg – so ernsthaft, dass in Magdeburg der Doktor-Eisenbarth-Ring nach ihm benannt wurde und dort wo einst das Haus „Zum Güldenen Apfel“ stand ein nach ihm benannter Brunnen steht.

Er hatte sich 1703 für zwölf Taler das Magdeburger Bürgerrecht gekauft und für 3100 Taler das ehemalige Brau- und Wohnhaus in der Apfelgasse gekauft. Dort ließ er selbst zusammengestellte Salben, Pillen und sonstige Arzneimittel produzieren, die er auf seinen Reisen zum großen Ärger der ortsansässigen Apotheker verkaufte.

In Oberviechtach in der Oberpfalz, wo der wackere Mediziner am 27. März 1663 geboren wurde, finden alljährlich Freiluftfestspiele zu seinen Ehren statt, gibt es ein Eisenbarth-Museum und ein Eisenbartharchiv sowie eine Grund- und Hauptschule, die seinen Namen trägt. Auch in Hann. Münden, seinem Sterbeort, ist der angebliche Kurpfuscher jeden Tag um 12, um 15 und um 17 Uhr in einem Glockenspiel zu sehen. Dabei zieht er einem Patienten einen Zahn, während „sein Lied“ erklingt.

Historisch ist das allerdings ein grober Fehler, denn Zähne hat Dr. Eisenbarth nie selbst gezogen, das überließ er Kollegen in seinem Gefolge. Auch an der Weser zeigt man aber in jedem Sommer voller Stolz „Das Spiel vom Doktor Eisenbarth“.

Wer war nun eigentlich dieser Mann, der bis heute unvergessen ist, obwohl ihm die schauerlichsten Heilmethoden nachgesagt wurden? Richtig, er war ein wandernder Onkel Doktor, der von Ort zu Ort reiste und versuchte, den ansonsten ohne vernünftige ärztliche Betreuung lebenden Menschen, so gut wie möglich zu helfen. Vielleicht machte er dabei ein wenig zu viel Zirkus, denn mit ihm reisten Gaukler, Tänzer und Spielleute und andere Leute, was auf eher unseriöse Geschäftsmethoden schließen lässt. Außerdem hatte sich Eisenbarth immer ein wenig zu prunkvoll angezogen. Er trug stets eine Allongeperücke mit Dreispitz und einen leuchtend scharlachroten Gehrock und um ihn herum wuselten immer eine Handvoll Diener und Gehilfen, die wie fürstliche Diener gekleidet waren.

Aber er war ein erstklassiger Augendiagnostiker und äußerst geschickter Operateur, dessen Spezialität tatsächlich das Entfernen des Grauen Stars war. Außerdem war er einer der ersten, die seine Instrumente, darunter ein von ihm selbst erfundene Polypenhaken, vor den Operationen durch Feuer sterilisierte. Er war in seiner Zeit zwar nicht der einzige, der sich um die medizinischen Probleme der Menschen kümmerte, aber er war einer der ganz wenigen, die wirklich halfen. Die studierten Ärzte kümmerten sich damals, jedenfalls bis Mitte des 18. Jahrhunderts lediglich um innere Krankheiten und das auch eher schlecht als recht.

Welchen Rang seine Arbeit hatte, würdigte beispielsweise König Friedrich Wilhelm I., indem er ihm den Titel „Königlich preußischer Hofrat und Hofokultist“ verlieh. Grund war vor allem, dass Eisenbarth die im Krieg erlittene Augenverletzung des hohen Offiziers David Georg von Grävenitz erfolgreich behandelt hatte, ein Vorfahre jenes Fritz von Grävenitz, der in den Jahren 1937/38 den Eisenbarth-Brunnen in Magdeburg schuf.

Eisenbarth operierte Darmbrüche und entfernte Blasen- und Nierensteine, es ist sogar eine Brustamputation wegen einer Krebserkrankung überliefert. Außerdem war seine Spezialität die Operation von Hasenscharten. Man sieht also: Nicht jeder, der aussieht wie ein Gaukler ist zwangsläufig ein schlechter Arzt.

1 Kommentar:

Detlef Stapf hat gesagt…

Die spannende und bunte Geschichte des Doktors Eisenbarth kann man auch auf eine Eisenbarth Tour durch Deutschland erleben http://kulturreise-ideen.de/literatur/sagen-maerchen-legenden/Tour-johann-andreas-eisenbarth.html