Der Fall Grete Minde

22. März

Fontane glaubte noch an ihre Schuld und war überzeugt, dass Grete Minde die Stadt Tangermünde aus Frust und Enttäuschung anzündete. Sie kann es aber nicht gewesen sein, denn es gibt vier Zeugen, die übereinstimmend aussagten, dass sie in jener Nacht, als ein großer Teil der alten Hansestadt in Flammen aufging, im Krankenhaus lag. Dann aber kam der Bürgermeister und wischte all diese Aussagen vom Tisch. Grete sei genau an jenem Abend in seinem Haus gewesen, so sagte er. Und da er nun einmal der Bürgermeister war, fragte niemand weiter nach. Grete gestand unter der Folter und wurde am 22. März 1619 hingerichtet.

Das hätte der gute Theodor Fontane auch herausbekommen können, aber als er 1889 in Tangermünde für seine Novelle recherchierte, nahm er sich offenbar nicht genügend Zeit, die alten Prozessakten genauer zu studieren. Das tat erst vier Jahre später der Historiker Ludolf Parisius und veröffentlichte die Geschichte in seinen „Bildern aus der Altmark“.

Dabei kam heraus, dass es sich bei der Verurteilung der armen Grete Minde um einen haarsträubenden „Justizirrtum“ handelte, der eigentlich gar kein Irrtum war, sondern ein vorsätzlicher Mord mit einer langen, aufregenden Vorgeschichte, die jeder dramatischen modernen Fernsehseifenoper als Plot hätte dienen könnte.

Also: Da war die wohlhabende und angesehene Tangermünder Familie von Minden und wie es sich für jede vornehme Familie gehört, gab es auch in ihr ein schwarzes Schaf. Dieses Schaf hieß Peter und musste die Stadt verlassen, weil er im Streit einen Mann erschlagen hatte. Peter wurde Soldat und dann verliert sich seine Spur.

Jahre später kam eine junge Frau nach Tangermünde, an der Hand ein kleines Mädchen mit Namen Grete. „Ich bin Peter von Mindens Frau“, behauptete sie, „und das ist seine Tochter. Peter ist tot und nun will ich seinen Erbteil.“ Beweisen konnte sie nicht, dass sie Peters Witwe war, sie erhielt aber dennoch von Peters Vater Geld, das zur Hälfte im Rathaus für Grete deponiert wurde. Als jedoch ihr Schwiegervater starb, weigerte sich Peters Bruder, das Geld auszuzahlen. „Peter hat sein Erbteil schon ausbezahlt bekommen, als er die Stadt verließ“, behauptete er. Er konnte das zwar auch nicht beweisen, aber er war schließlich ein „von Minden“ und so kämpften Gretes Mutter und nach deren Tod Grete selbst vergeblich vor Gericht.

Zu allem Überfluss verlor die junge Frau auch noch ihr Herz an einen skrupellosen Hallodri, der ihr vorgaukelte, reich zu sein, der aber ihr Geld nahm, um sich dafür eine Flinte zu kaufen, mit der er dann auf Raubzüge ging. Grete kämpfte weiter um ihr Recht, erreichte sogar einen Vergleich – nur ihr Onkel weigerte sich weiter zu zahlen, steckte ihr höchstens hin und wieder etwas zu. Schließlich sorgte er dafür, dass sie wegen Landstreicherei Tangermünde verlassen musste.

Am 13. September 1617 brannte die ganze Stadt. Da das Feuer an mehreren Stellen gleichzeitig ausbrach, war sofort von Brandstiftung die Rede. Menschen wurden dabei zwar nicht getötet, aber es brannten Hunderte Gebäude nieder, darunter das Rathaus, und viele mit Getreide für den nahenden Winter gefüllte Scheunen.

Ein gutes Jahr später kam Grete wieder nach Tangermünde und besorgte ihrem Mann, dem Tagedieb, einen Job. Leider aber erkannte ihn eine Frau wieder, die er kurz zuvor ausgeraubt hatte und so wurde er in den Kerker geworfen und gefoltert. Und die hatte die gewünschte Wirkung. Gretes Mann gestand alles und nicht nur dass, er beschuldigte auch seine Frau, ihn und ein paar Spießgesellen angestiftet zu haben, die wegen der vorenthaltenen Erbschaft verhasste Stadt in Schutt und Asche zu legen.

Warum er das tat, ist bis heute rätselhaft, denn er rettete damit nicht seinen Hals, sondern wurde zusammen mit Grete hingerichtet, die inzwischen so lange gefoltert worden war, bis auch sie gestand. Es soll viele Stunden gedauert haben, bis Grete, ihr Mann und ein angeblicher Komplize nach schier unendlichen Quälereien mit glühenden Zangen vom Tod erlöst wurden.

Übrigens dauerte es nur ein paar Jahre und die gerade wieder aufgebaute Stadt Tangermünde wurde erneut ein Raub der Flammen. Diesmal allerdings waren es keine Brandstifter, sondern es waren die Folgen eines grauenvollen Krieges, des Dreißigjährigen.

Aber das ist eine andere Geschichte ...


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