Der schwarze Edison

4. März


Es war das reinste Chaos: Knatternde Automobile, Pferdefuhrwerke, Droschken, Fußgänger – alles sauste durcheinander. Am Rande der Straßen standen verzweifelte Polizisten an Maschinen, die mit der Hand bedient wurden und einen „Stop and Go“-Mechanismus hatten. Unfälle waren überhaupt nicht zu vermeiden. Auch in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio war das nicht anders.

Eines Tages beobachtete ein gewisser Garrett Augustus Morgan, am 4. März 1877 geborener Sohn ehemaliger Sklaven aus dem kleinen Ort Paris (ausnahmsweise das in Kentucky), wie ein kleines Mädchen schwer verletzt wurde, als sie in einen Zusammenstoß zwischen einem der neuen Automobile und einer Pferdekutsche geriet. Morgan war ein Tüftler, einer, der immer schon Spaß daran gehabt hatte, herumzubasteln. Kurz, er war Erfinder.

Er dachte nach, zeichnete, verwarf, zeichnete noch einmal und dann war sie geboren, die erste Verkehrsampel. Sie sah dem, was wir heute kennen, noch nicht sehr ähnlich. Morgans Ampel hatte Arme mit roten und grünen Signallampen, die elektrisch betrieben wurden und die sich, je nachdem, ob der Verkehr fließen oder stehen sollte, drehten. Außerdem gaben sie gegebenenfalls einen Summton von sich.

Schon am 5. August 1914 stellte die „American Traffic Light Company“ den ersten Prototyp an der Kreuzung 105th Street und Euclid Avenue in Cleveland auf. Morgan ließ sich seine Erfindung zunächst nicht patentieren, na ja, man hatte auch andere Sorgen. Der Erste Weltkrieg hatte gerade begonnen und obwohl die USA zunächst noch nicht teilnahmen, so beschäftigte man sich auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ständig damit.

Auch Garrett Augustus Morgan. 1914 erhielt er ein Patent für sogenannte „Sicherheitshauben zur Verwendung in rauchhaltiger Luft“, kurz Gasmasken, die auch schon kurz darauf, genau am 25. Juli 1916 mehreren Arbeitern das Leben rettete, die bei Bauarbeiten an einem Tunnel am Lake Erie nach einer Explosion eingeschlossen waren. Zusammen mit seinem Bruder und zwei Freiwilligen und ausgerüstet mit den neuen Masken drang Morgan in den Tunnel ein, in dem außerdem drei Rettungsteams, die mit ihren Versuchen ohne Gasmasken gescheitert waren, auf ihre Rettung warteten. Die vier Helden holten alle heraus und Morgan wurde begeistert gefeiert. Es brachte ihm den Ehrentitel „Der schwarze Edison“ ein.

Denn Morgan war vielen Sätteln gerecht. Er hatte zunächst davon gelebt, als Angestellter kaputte Nähmaschinen zu reparieren und machte sich einen guten Namen als schneller und findiger Handwerker. 1907 eröffnete er ein eigenes Geschäft, das auf Anhieb hervorragend lief. Neben der Reparatur bot er auch Schneiderei an, die mit selbstgebauten Maschinen Kleidung „von der Stange“ fertigte und in der 32 Leute Arbeit fanden. Das Geheimnis war dabei eine von Morgan eigens für diesen Zweck entwickelte Flüssigkeit, die verhinderte, dass die Nadel im Stoff heiß lief und ihn so verbrannte.

Außerdem, so stellte sich heraus, war diese Flüssigkeit geeignet, krauses Haar zu glätten, ein uralter Traum nicht nur aller Afro-Amerikaner. Morgan stellte eine Creme her und gründete die „G.A. Morgan Hair Refining (Haar-Verschönerungs) Company“.

Der als siebtes von elf Kindern geborene schwarze Mann wurde wohlhabend, machte also eine Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA mit ihrer ausgeprägten Rassendiskriminierung äußerst ungewöhnliche Karriere. Er gründete sogar eine Zeitung, den „Cleveland Call“ und soll der erste Afro- Amerikaner gewesen, der ein Automobil besaß.

Die Verkehrsampel, für die es übrigens vor Morgan noch eine ganze Reihe anderer Modelle gab, ließ er sich übrigens doch noch patentieren. Am 27. Februar 1922 reichte er seine Idee unter der Nummer US 1475024 ein und er tat gut daran, denn er konnte es sehr profitabel für 40 000 Dollar, damals eine ungeheure Summe, an „General Electric“ verkaufen.

Garrett Augustus Morgan starb am 27. August 1963 im Alter von 86 Jahren, kurz nachdem er für seine Ampel eine hohe Auszeichnung des US-Verkehrsministeriums erhalten und kurz, nachdem er seine letzte Erfindung vorgestellt hatte: Eine Zigarette, die von selbst ausgeht.


Barbarossa wird König
Nach üppigem Essen sollte man nicht baden, schon gar nicht bei sengender Hitze in einem eiskalten Gebirgsfluss. Das hätte auch Friedrich I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Burgund, wissen müssen, alt genug war er ja. Aber der alte Staufer ertrank. Das war am 10. Juni 1190, immerhin mehr als 38 Jahre, nachdem er am 4. März 1152 zum König gekrönt wurde.


Blätterwald
Hier kochen Arbeitslose
Na, die Idee wird Herr Westerwelle wohl bald klauen: Die Österreicher planen, Arbeitslose als Köche oder Fahrer oder als Schreiber in ihrem Bundesheer einzusetzen. Der Grund: Es fehlt an Wehrdienstleistenden. Das berichten die „Salzburger Nachrichten“. http://bit.ly/dsqWtx


Blätterwald
Tolle Idee zum Stadtjubiläum
Gute Idee für alle Städte und Gemeinden, die ein Jubiläum feiern: Zum 825. Bestehen von Lippstadt ist geplant, mit Hilfe von 365 Tagebuch-Autoren, die jeweils einen Tag des Jubiläumsjahres beschreiben, eine „bunte, interessante und spannende Jahreschronik“ zu erstellen, berichtet die Zeitung „Der Patriot“. http://bit.ly/9hviSS


Blätterwald
Das eigene Schlagloch
Walk of Fame auf Thüringer Art: Niederzimmer bei Weimar verkauft jetzt Schlaglöcher. Wer 50 Euro zahlt und das Schlagloch gefüllt ist, bekommt eine Plakette mit seinem Namen in die Straße eingraviert. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk. http://bit.ly/b7XXqt


Blätterwald
Freiheit der Kunst?
Ist es Kunst, wenn ein 47jähriger Frührentner sich in der Nähe einer Brücke hinstellt, die Hose herunterlässt und selbst seinen Hintern fotografiert? Er sagt ja, das Gericht im westfälischen Rheine, wo das alles spielte, war sich nicht ganz sicher, versuchte aber vergeblich, dem Angeklagten eine exhibitionistische Handlung nachzuweisen. Es folgte eine Verurteilung wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisse“. 600 Euro. „Teurer Spaß“ meinte der Fotokünstler. Das alles berichtet die Münsterländische Volkszeitung. http://bit.ly/c8V1eK


Blätterwald
Verlängerung der Porzellanstraße
Die insgesamt 550 Kilometer lange bayerische Porzellanstraße (von Steigerwald, Oberes Maintal, Coburger Land, Frankenwald, Fichtelgebirge bis in den Oberpfälzer Wald) soll jetzt auf tschechischem Gebiet weitergeführt werden. Das berichtet die „Prager Zeitung“. Sie soll dann weiter gehen von Schloss Mostov in der Nähe von Eger (Cheb) über Sokolov (Falkenau), Horní Slavkov (Schlaggenwald), Loket, Karlovy Vary (Karlsbad) und Ostrov bis nach Klášterec nad Ohří. „Bayern und Böhmen haben eine lange gemeinsame Tradition in der Porzellanherstellung. Unsere Besucher mussten bisher Halt an der Grenze machen, weil es in Tschechien keine Informationen darüber gab. Daher wäre es unlogisch, die Strecke nicht weiter fortzusetzen“, sagte die Projektleiterin der Bayerischen Porzellanstraße Jana Göbel. http://www.pragerzeitung.cz/?c_id=15862

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