Der Yeti des Riesengebirges

29. März

Wenn der Yeti im Himalaja Angst und Schrecken verbreitet, so liegt das an seiner furchterregenden Gestalt, auch, wenn ihn noch niemand gesehen hat. Sein deutsches Pendant, der zumindest früher im Riesengebirge sein Unwesen trieb, ist da deutlich subtiler. Denn Rübezahl, von dem hier die Rede ist, war (oder ist?) ein unberechenbarer Geselle, mal großzügig, mal brutal, mal hilft er den Armen und heilt mit Mittelchen aus seinem Kräutergarten, mal verwandelt er das Geld, das er jemandem bezahlt hat, in Unkraut.

Vor allem, wenn man seinen Spottnamen „Rübezahl“ verwendet, dann kennt der mächtige Berggeist keine Gnade, denn so ganz nebenbei ist er auch Herr über das Wetter und kann, wenn er will, Katzen und Hunde regnen lassen.

Für die Entstehung des Namens Rübezahl gibt es mehrere Erklärung, die mit Abstand hübscheste erzählt von einer Königstochter mit dem schönen Namen Emma, in die sich das zottelige Monster verliebt hatte und die er vorsichtshalber in sein bergisches Land entführte, da er wohl ahnte, dass es bei Emma keine Liebe auf den ersten Blick war.

Wie nicht anders zu erwarten, begann sich Emma zu langweilen und um sie ein wenig aufzuheitern, schenkte ihr der Entführer ein paar Rüben aus eigenem Anbau, die sie nach Belieben verwandeln konnte, was für eine einsame junge Frau ja durchaus ein attraktives Geschenk sein kann. Aber irgendwie spielten die Rüben nicht mit, indem sie verwelkten. Also wollte Emma immer noch weg und versprach dem verliebten Ungeheuer, dass sie ihn heiraten werde, wenn er ihr die genaue Anzahl der Rüben auf dem Feld nennen könnte.

Aber Zählen gehörte wohl nicht zu den Stärken des Riesen, jedenfalls kam er immer wieder zu neuen Ergebnissen, so dass Emma auf einer der Zauberrüben, die sie zuvor in ein Pferd verwandelt hatte, die Flucht gelang. Und zum Abschied verspottete sie ihn noch, indem sie ihn „Rübezahl“ nannte. Und seitdem wird der Berggeist besonders wütend, wenn man ihn bei diesem Namen nennt.

Diese Geschichte verdanken wir dem Märchensammler Johann Karl August Musäus, der am 29. März 1735, im thüringischen Jena geboren wurde und der 1782 damit begann, eine fünfbändige Anthologie der „Volksmärchen der Deutschen“ herauszugeben, in deren Band zwei die „Legenden von Rübezahl“ zu finden sind.

Vier Jahre später hatte der als Professor am Gymnasium in Weimar arbeitende Musäus die Sammlung abgeschlossen, ein Jahr, bevor er am 28. Oktober 1787 an einem „Polypen am Herzen“ starb. Er wurde nur 52 Jahre alt, lebte aber lange genug, um mitzuerleben, dass seine Volksmärchen ein gigantischer Bestseller wurden, der sogar ins Englische und Französische übersetzt wurden.

Ein entscheidender Grund für den Erfolg war, dass Musäus die Märchen (darunter mit „Richilde“ auch eine frühe Fassung des Schneewittchen-Stoffes) nicht einfach niederschrieb, sondern sie bearbeitete und mit satirischen und häufig sehr witzigen Zeitbezügen ausstattete.

Den Rübezahl-Stoff hatte Musäus von einem gewissen Johannes Praetorius, der 1630 in Zethlingen im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt geboren wurde und dessen dreibändige „Daemonologia Rubinzalii Silesii“ viele der insgesamt 241 von Praetorius gesammelten Rübezahl-Geschichten enthielt.

Rübezahl war also schon lange vor Musäus ein weit über seine schlesische Heimat hinaus bekannter Berggeist, dessen sagenhafte Existenz immer wieder durch neue Geschichten ergänzt wurde, die vor allem von Wurzelsammlern stammten, die mit Hilfe von Rübezahls Namen ihre Fundstücke vermarkteten. Es waren, wie in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg üblich, ausgesprochen grobe Geschichten, die bei weitem nicht an die weitaus sensiblere Schilderung des „Herrn der Gnome“ durch Musäus heranreichte.

Seitdem erschienen immer wieder neue Rübezahl-Geschichten und spätestens im 19. Jahrhundert wurde der Berggeist aus dem Riesengebirge zur Identifikationsfigur der Schlesier, eine Entwicklung, die bis heute anhält und Rübezahl zum Tourismus-Magneten in der polnisch-tschechischen Urlaubsregion Riesengebirge machte. Verfilmt wurde der Rübezahl-Stoff vier Mal, zuletzt von 1975 bis 1982 als Animationsfilm der DEFA.


Blätterwald
Rolltreppe ohne Wiederkehr
Wer gehbehindert ist und im Cottbusser Bahnhof mit einer Rolltreppe nach oben fährt, der sollte sich das gut überlegen. Denn es gibt keine Möglichkeit, wieder mit einer Rolltreppe ins Erdgeschoss zu kommen. Diese Erfahrung machten jetzt zwei Rentner, schreibt die „Lausitzer Rundschau“. Die beiden wurden nach langem hin und her von Uniformierten zu einem für die Öffentlichkeit eigentlich gesperrten Lastenaufzug gebracht und kamen so wieder nach unten. http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Rolltreppe-ohne-Umkehr;art1049,2866626


Blätterwald
Pfarrer gegen Bettelverbot
In Österreich wird heftig über das sogenannte „Bettelverbot“ diskutiert. Wie die „Salzburger Nachrichten“ schreiben, hat jetzt ein Grazer Pfarrer eine Verfassungsklage gegen eine bereits bestehende Regelung in der Mozartstadt angekündigt. Das Verbot sei „abwertend, diskriminierend und verächtlich“, so der Pfarrer, hier würden „die Grundrechte der Ärmsten in einer Kulturstadt mit Füßen getreten.“ Am Freitag wird im Wiener Landtag über ein Verbot gewerbsmäßigen Bettelns entschieden. http://www.salzburg.com/online/salzburg/stadt+salzburg/Grazer-Pfarrer-klagt-gegen-Salzburger-Bettelverbot.html?article=eGMmOI8VfOXJDbyQPvgDEHSkARHT6QxfQxFalek&img=&text=&mode=&


Blätterwald
Der Präsident und die Gallenblase
Drei Wochen hielt der ägyptische Präsident Husni Mubarak ein deutsches Krankenhaus auf Trab. Der 81jährige war in der Universitätsklinik Heidelberg erfolgreich an der Gallenblase operiert worden. Das berichtet der „Mannheimer Morgen“. Inzwischen ist Mubarak bereits ans Rote Meer geflogen, um sich weiter zu erholen. Zur Genesung hat, so die Zeitung, wohl auch beigetragen, dass Mubarak in dieser Zeit Opa wurde, was von besonderer Bedeutung ist, da 2009 ein Enkelsohn gestorben war. http://www.morgenweb.de/region/heidelberg/artikel/20100329_srv0000005621125.html


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