Der zerstreute Professor

16. März


Im menschlichen Gehirn mit all seinen Windungen und Zentren, unendlichen Gängen, Abgründen und Höhen kann man sich schon einmal verirren. Und das passierte einem gewissen Johann Georg August Galletti ziemlich oft. Und da er rund 40 Jahre lang Lehrer am Gymnasium zu Gotha (dem heutigen Ernestiunum) war und außerdem noch Geschichtswissenschaftler, Erdkundiger und Hofrat, wurde er zum Prototypus des „zerstreuten Professors“.

Geboren wurde er eher zufällig am 19. August 1750 im thüringischen Altenburg im Städtedreieck Leipzig, Chemnitz, Gera, weil seine Eltern, beides Schauspieler, dort gerade ein Gastspiel gaben. 77 Jahre später, am 16. März 1828, starb er an der Wassersucht. Dazwischen lagen ein paar Bücher, die er schrieb, alles längst überholte und zu Recht vergessene Werke und eine köstliche Sammlung von Stilblüten, die zunächst ein ehemaliger Schüler sammelte, und die, wie das bei Schülern eben so ist, nicht alle authentisch sind – aber lustig.

In den allgemeinen Sprachgebrauch ging ja sein „ich sehe heute wieder so viele, die nicht da sind“ ein und seine einmaligen biologischen Erkenntnisse wie „das größte Insekt ist der Elefant“ oder „was in Sachsen die Vögel betrifft, so ist der Brummochse der größte“ und „unter allen Tieren hat die Ente mit dem Schweine die größte Ähnlichkeit.“

Ebenso köstlich sind Gallettis Anmerkungen zur Geschichte: „Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen drei, vier und noch mehr Beine abgeschossen waren, herrenlos herumlaufen.“ Die Ermordung Cäsars schildert er so: „Brutus und Cassius ermordeten den Cäsar auf eine seiner Gesundheit höchst nachteilige Weise“. Geradezu geschichtsphilosophisch gibt er sich mit der Bemerkung: „wäre Cäsar nicht über den Rubikon gegangen, so lässt sich gar nicht absehen, wohin er noch gekommen wäre.“ Und des Lateinischen war er auch mächtig, jedenfalls weitgehend. So soll er einmal den Kaiser August zitiert haben, als dieser nach der Schlacht im Teutoburger Wald klagte: „O, Vare, Vare, redde mihi meine legiones.“

In englischer Geschichte kannte er sich auch aus: „Richard III. ließ alle seine Nachfolger hinrichten“ und geradezu zum Zungenschnalzen verleiten seine unnachahmliche Vergleiche wie „damals hing das Schicksal des Landes an einem dünnen Haar, und dieses dünne Haar war Karl der Dicke.“

Literatur und Literaturgeschichte waren für den wackeren Professor ebenfalls kein Problem: „Von Schiller besitzen wir zwei Schädel. Einer davon ist wahrscheinlich unecht, da Schiller überhaupt nur ein Alter von 46 Jahren erreicht hat.“

Seine wahre Stärke aber war die Geographie, wo er immer wieder mit neuen und originellen Erkenntnissen überraschte wie „der Nil schickt sein Wasser hin, wo er hin will“, „die Afghanen sind ein sehr gebirgiges Volk“, „Südamerika ist krumm“ und „als Humboldt den Chimborasso bestieg, war die Luft so dünn, dass er nicht mehr ohne Brille lesen konnte.“

Natürlich wusste er das alles viel besser und es war sicher keine Unkenntnis, dass er eine Stilblüte nach der anderen produzierte, aber er war, während er gerade einen Gedanken formulierte, schon längst fort galoppiert. Das führte natürlich zu Spott und Hohn und strapazierten seine angeborene Gutmütigkeit, die von den Lümmeln in den Schulbänken gnadenlos ausgenutzt wurde. So kann man sich auch ohne viel Fantasie vorstellen, was die wieder angestellt hatten, als Galletti sagte: „schreckliche Unsitten herrschen hier! Wenn der Lehrer in die Klasse tritt und glitscht dabei über Apfelsinenschalen, so ist das eine Gemeinheit!“ und manchmal wurde er richtig böse: „Widersprechen Sie nicht dem, was ich Ihnen niemals gesagt habe“ und „es gibt viele, die nicht reden, wenn sie verstummen sollten, und andere, die nicht fragen, wenn sie geantwortet haben.“

Aber er ging als moderner Pädagoge auch auf die individuellen Bedürfnisse seiner Schüler ein wie dieser Satz beweist: „ich komme heute der jüngeren Schüler wegen nochmals auf Richard Löwenherz zurück, da nur die Älteren unter ihnen die Kreuzzüge mitgemacht haben.“

Ja, so war er der Herr Professor Johann Georg August Galletti, freundlich und kenntnisreich – wenn auch immer ein wenig zerstreut. Und manchmal, wenn ihn die profunden wissenschaftlichen Erkenntnisse und die großen Geheimnisse dieser Welt zu erdrücken drohten, dann setzte er sich auf seinen Stuhl, sah seine Schüler lange an und sagte: „Ich bin so müde, dass ein Bein das andere nicht sieht“. Die Ruhe sei ihm gegönnt ...



Das Massaker von My Lai
In der an Grausamkeiten nicht gerade armen Menschheitsgeschichte gibt es dennoch immer wieder besonders schreckliche Ereignisse: So am 16. März 1968, als im vietnamesischen Dorf My Lai 507 Menschen von US-Soldaten abgeschlachtet wurden - angeblich, weil irgendeine Statistik verbessert werden sollte.


Blätterwald
Hausschlachtung im Wohnzimmer
Der Mann heißt Theo Reil und schlachtet, was ihm unters Messer kommt. Er reist als einer der wenigen noch aktiven Hausschlachter in Ostfriesland von Hof und Hof, schlachtet, zerlegt und verwurstet schließlich auch noch, berichtet der „General-Anzeiger“. Wie das zugeht, kann man voraussichtlich im Oktober im NDR-Fernsehen beobachten, denn jetzt war ein Kamerateam dabei, als Schlachter Theo im Saterland, einer Gemeinde im Landkreis Cloppenburg, sein Blutbad nahm. Im Saterland (auf saterfriesisch Seelterlound) lebt übrigens die kleinste anerkannte Sprachminderheit Deutschlands, die Saterfriesen. http://www.ga-online.de/?id=540&did=26424

Blätterwald
Der eckige Fußball
Ja, wenn heute der 1. April wäre, würde man es nicht glauben, aber die seriösen „Salzburger Nachrichten“ berichten, dass das Hofer Unternehmen Rasenreich (http://www.rasenreich.com/) Fußbälle mit abgerundeten Ecken herstellt, die bereits als Trainingsgerät bei einigen deutschen und österreichischen Bundesligavereinen im Einsatz seien. http://www.salzburg.com/online/salzburg/flachgau/-Eckiger-Fussball-ist-ein-Volltreffer.html?article=eGMmOI8VfN7u9MQq2DYspD075IximIA5IwK5U1e&img=&text=&mode=&

Blätterwald
Briefmarken mehrfach benutzt – Gefängnis!
Da muss man mal hart durchgreifen, meinte das Augsburger Amtsgericht und verurteilte einen 27jährigen zu sechs Wochen Gefängnis ohne Bewährung, weil er auf von seiner Frau präparierte Marken die Poststempel abwusch und so die Wertzeichen erneut verwenden konnte. Das berichtet die „Augsburger Allgemeine“. Der Mann war allerdings einschlägig vorbestraft. http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Augsburg-Stadt/Lokalnews/Artikel,-briefmarke-manipuliert-verurteilt-_arid,2093458_regid,2_puid,2_pageid,4490.html


Blätterwald
Kirchenmaus hilft Kirche
Wieder eine gute Idee: Eine gar nicht einmal so arme Kirchenmaus soll einer sanierungsbedürftigen Kirche in Ludwigshafen helfen. Wie der „Mannheimer Morgen“ berichtet, besteht diese Kirchenmaus aus Bronze und wurde von einem örtlichen Bildhauerehepaar entworfen. Das Tierchen kostet 390 Euro und wird nur 25 Mal gegossen. Ein Drittel des Erlöses geht an die Kirche. http://www.morgenweb.de/region/ludwigshafen/artikel/20100316_srv0000005556042.html



Lesenswerte Links:
http://www.petrafoede.de/
http://mein-bayern.lexikus.de/

Keine Kommentare: