Die Dallas-Saga

2. März


Nur ein einziges Mal sollen die Lappen, so erzählt man, ihre einmal in jedem Jahr stattfindende und für das Überleben ihres nomadisierenden Volkes überaus wichtige Wanderung in Richtung Norden um ein paar Tage verschoben haben. Das war, als jemand auf J.R. geschossen hatte und alle wissen wollten, wer – ein Geheimnis, das so streng gehütet wurde wie die genaue Rezeptur von Coca Cola. Noch nicht einmal die Hauptdarsteller, an der Spitze Opfer Larry Hagman, kannten die Lösung, da die Macher mehrere Szenen drehten mit unterschiedlichen Tätern. Und so konnten T-Shirt-Hersteller ein Vermögen machen mit der Aufschrift „I shot J.R.“

Das war im Sommer 1980, gut zwei Jahre nach der Erstausstrahlung der Serie am 2. März 1978 im US-Fernsehsender CBS und ein Jahr, bevor die legendäre Soap-Opera „Dallas“ am 30. Juni 1981 erstmals im deutschen Fernsehen lief und auch hierzulande zu einem „Straßenfeger“ wurde – und das, obwohl „das Erste“ immer rund drei Minuten aus der Saga rund um die Machenschaften der Familie Ewing und der anderen Ölbarone der texanischen Metropole herausschneiden musste, da sie sonst nicht ins Programmschema gepasst hätte.

Und sieben Folgen würden überhaupt nicht gezeigt, angeblich, weil sie nicht spannend genug gewesen sein sollen, in Wirklichkeit wohl aber, weil für den zumindest damaligen Geschmack der ARD zu viel Sex und Crime enthielten. Schließlich ging es um Kidnapping, Überfälle, Homosexualität und amouröse Abenteuer, die möglicherweise die Bayern einmal wieder hätten ausscheren lassen.

Und so mussten die deutschen Zuschauer damit leben, dass ihnen niemand erklärte, warum Klan-Vater Jock Ewing völlig unvermittelt im Rollstuhl saß und Sohnemann J.R. an Krücken gehen musste. In der Folge zuvor waren die beiden nämlich während eines Jagdausflugs von einem rachedurstigen ehemaligen Konkurrenten Jocks angeschossen worden. Wer es genau wissen will, kann das auf inzwischen erschienenen DVDs erfahren, auf denen fast alle 356 Folgen auch fünf der in Deutschland nie gesendeten zu sehen sind, alle ungeschnitten – die von der ARD herausgeschnittenen Minuten allerdings in US-Originalfassung.

Dreh- und Angelpunkt und damit auch unverzichtbarer Leistungsträger der Erfolgsserie ist zweifelsfrei der intrigante, schlitzohrige und völlig skrupellose Fiesling J.R., der reihenweise menschliche und sonstige Katastrophen auslöst, sich aber trotz zum Teil erheblicher Blessuren immer irgendwie aus allem herauswindet. J.R. war ein lebendiger Beweis für die These, dass man sich auf dieser Welt alles leisten kann, wenn man über genügend Geld und Macht verfügt, ein Schlag ins Gesicht für alle, die an Mitmenschlichkeit, soziale Gerechtigkeit und wahre Liebe glauben, ein fatales Signal, dass Bestechung und Erpressung, Hass und Neid und alle sonstigen Untugenden nicht bestraft, sondern belohnt werden. Credo: Man muss nur clever genug sein.

Der englische Soziologe Stuart Hall sieht auf der Suche nach einem weiteren Grund für die Faszination, die von „Dallas“ ausging, den Vergleich zum Schicksal der Kennedys: „Reich und glanzvoll – und dennoch gebrandmarkt von menschlichem Versagen.“

Hauptdarsteller Larry Hagman hatte seine eigene Erklärung: „Die Zeit war reif für einen wirklich gemeinen Kerl. Und ich bin’s.“ Beweis: Als Jugendlicher flog Hagman von insgesamt 15 Schulen – vor allem wegen Alkoholmissbrauch, ein Laster, das ihn sein Leben lang verfolgte. Fünf Flaschen Champagner und etliche Wodka zur Verdauung soll er in seiner Glanzzeit konsumiert haben, bis ihm 1995 eine neue Leber eingesetzt werden musste. Heute lebt der knapp 78jährige trocken und clean mit seiner Frau, einer aus Schweden stammenden namhaften Designerin, auf einer Ranch in Kalifornien. Übrigens zur Erinnerung: Es war Sue Ellens Schwester Kristin, die auf J.R. schoss. Er hatte eine Affäre mit ihr angefangen und wollte sie fallen lassen. Strafrechtliche Folgen hatte dies nicht, weil Kristin behauptete, von J.R. schwanger zu sein, dieser einen Skandal vermeiden wollte und somit dafür sorgte, dass seine Schwägerin nicht belangt wurde. Eben typisch Dallas.


Charlie Chaplins Sarg geklaut
Er wurde 88 Jahre alt, hörte auch im hohen Alter nicht auf, mit großer Beharrlichkeit Kinder zu zeugen (allein acht mit seiner letzten Frau Oona) und er blieb ein geheimnisvoller Mann - auch nach seinem Tod. Am 2. März 1978 wurde Charlie Chaplins Sarg gestohlen, um Lösegeld zu erpressen. Am 16. Mai desselben Jahres wurde der Sarg gefunden und die mutmaßlichen Erpresser entlarvt.



Blätterwald
Europas längste Flaniermeile
Das wird alle freuen, die gern bummeln: Ganz im Nordosten der Republik soll die längste Flaniermeile Europas entstehen – und das auch noch grenzüberschreitend vom Seebad Bansin auf Usedom über Heringsdorf bis ins polnische Swinemünde. Das berichtet der „Nordkurier“. Noch allerdings sind das nur Pläne, eine Entscheidung soll im Sommer fallen. http://www.nordkurier.de/lokal.php?objekt=nk.lokales.usedom&id=638369

Keine Kommentare: