Die letzte Wandertaube

24. März


Es gibt Schätzungen, dass einmal gleichzeitig rund fünf Milliarden Wandertauben auf dieser Welt lebten und dass es damit die wohl zahlenmäßig größte Vogelgruppen aller Zeiten war. Ihre Schwärme sollen bis zu 360 Kilometer lang gewesen sein, ein Schwarm mit allein rund 100 Millionen Tieren. Heute gibt es sie nicht mehr, die amerikanische Wandertaube. Der 14jährige Sohn eines Farmers in Ohio hatte heute vor 110 Jahren, am 24. März 1900, die zweifelhafte Ehre, das letzte in Freiheit lebende Exemplar abzuschießen. Immerhin sammelte er den Balg auf und er wurde ausgestopft. Heute wird die traurige Trophäe in einem Museum in Columbia aufbewahrt.

14 Jahre später starb dann im Zoo von Cincinnati die ultimativ letzte Wandertaube aller Zeiten. Sie hieß Martha, zu Ehren der ersten First Lady der USA, Martha Washington. Immerhin wurde sie 29 Jahre alt, bevor sie das Zeitliche segnete. Dann wurde sie eingefroren und an das renommierte Bildungsinstitut „Smithsonian“ geschickt. Dort wurde sie präpariert und ausgestellt. Heute ist der Balg für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Aber es gibt, was nur begrenzt tröstlich ist, noch rund 1000 ausgestopfte Wandertauben, auch in Deutschland, unter anderem in Berlin, Greifswald, Halberstadt und Leipzig.

Im Nachhinein ist es fast unvorstellbar, dass eine Tierart mit einer derartigen Stückzahl ausstirbt, aber die Chancen der Wandertaube standen aus mehreren Gründen schlecht. So war der Lebensraum der Taube relativ klein, er umfasste lediglich den Ostteil Nordamerikas und einen großen Teil Kanadas und da sie gesellige Tiere waren, lebten sie in großen Kolonien mit bis zu hundert Nestern in einem Baum und konnten damit mühelos und in jeder Menge abgeschossen werden.

Verstecken war auch nicht, da dort, wo die Vögel nisteten, der Boden zentimeterweise mit Kot bedeckt war, was der Taube genauso wenig Sympathie einbrachte wie die Tatsache, dass sie sich gelegentlich in Getreidefeldern bediente.

Und die Wandertaube legte nur ein Ei, vermehrte sich also, auch wenn es anders scheint, nicht besonders schnell. Und da das Tier sehr gesellig war, brütete es auch nur, wenn ein paar Nachbarn in der Nähe waren. Das schlimmste aber: Ihr Fleisch, vor allem der Nestlinge, wurde als zarte und lecker fette Delikatesse geschätzt, so dass mit ihnen lebhafter Handel getrieben wurde. So soll ein Händler an einem einzigen Tag im Jahre 1855 nicht weniger als 18 000 Tauben verkauft haben.

Der berühmte Vogelmaler John James Audubon beobachtete, dass es "an den Ufern des Ohio von Männern und Jungen wimmelte, die pausenlos auf die den Fluss überquerenden Vögel schossen, so dass sich die örtliche Bevölkerung länger als eine Woche lang ausschließlich von den Tauben ernährte." Aber nicht nur dass, Audubon beobachtete auch, dass einige Farmer ihre Schweine dorthin getrieben hatten, um sie mit den Vögeln zu mästen.

Manchmal mussten sich die Vogelkiller noch nicht einmal eines Gewehr bedienen, oft wurden einfach die Bäume mit den Nestern gefällt und die Jungen bequem aufgesammelt. Dass die amerikanischen Ureinwohner das Taubenfett gern als Speck und Butterersatz genutzt hatten, war für den Bestand der Tiere keine Gefahr, wohl aber das massenhafte Abschlachten wie 1896, als eine riesige Menge Sonntagsjäger auf den letzten Wandertaubenschwarm mit etwa 250 000 Tieren schossen und ihn vernichteten, obwohl sie genau wussten, dass dies der letzte lebende Schwarm war.

Die Wandertaube gehört zu den mindestens 131 Vogelarten, die nachgewiesenermaßen seit dem Jahr 1500 auf dieser Welt ausgestorben sind. In Europa gilt dies lediglich für den 80 Zentimeter pinguinartigen Riesenalk, der zwar gut schwimmen und tauchen konnte, an Land aber seinen Jägern hilflos ausgeliefert war.

Ausgestorben, allerdings nicht, weil man sie gnadenlos jagte, ist übrigens noch eine ganz spezielle Art Tauben, die sogenannte Kriegstaube. Diese wurden früher im Fernmeldewesen eingesetzt und hochgeehrt. Die US-Army beispielsweise setzte im Ersten Weltkrieg eine Taube namens „Cher Ami“ in der Nähe von Verdun ein. Bei ihrem letzten Auftrag wurde das Tier durch einen Schuss schwer verletzt, brachte aber den Hilferuf der 77. Infanterie-Division an den Adressaten. Dadurch wurden 194 Soldaten gerettet und „Cher Ami“ bekam posthum die französische Staatsangehörigkeit verliehen.

1957 schaffte die US-Army ihre Brieftauben ab, da man sie nicht mehr benötigte. Erst 1997 folgte als letzte die Schweiz. Schweizer brauchen halt immer etwas länger ...


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