Die Piccards

25. März


Ist Abenteuerlust genetisch bedingt? Bei Betrachtung der Familiengeschichte der Piccards aus dem schweizerischen Lutry in der Nähe des Genfer Sees ist dies mehr als wahrscheinlich. Denn da ist zunächst Großvater Auguste, der „Vertikalprofessor“, der Rekorde aufstellte mit seinen Flügen mit Heißluftballons in die Stratosphäre und mit seinen spektakuläre Tauchgängen in die Tiefe des Meeres, da ist sein Sohn Jacques, der am 25. Januar 1960 im Marianengraben östlich der Philippinen auf nicht zu unterbietenden 10 910 Metern Tiefe den Grund des Meeres sah und da ist schließlich Enkel Bertrand Piccard, der am 1. März 1999, an seinem 41. Geburtstag, zusammen mit dem Briten Brian Jones seinen dritten Versuch startete, als erster Mensch die Erde mit einem Heißluftballon ohne Zwischenlandung zu umrunden. Nach 19 Tagen, 21 Stunden und 47 Minuten fügte er der beeindruckenden Weltrekord-Sammlung der Familie Piccard einen neuen spektakulären hinzu.

Der erste war Auguste Piccard, Jahrgang 1884, ein Mann mit einem Kopf, der seltsamerweise selbst wie ein Heißluftballon geformt war. Vielleicht war es das, was den honorigen Professor an der Universität von Brüssel dazu brachte, eine druckfeste Kapsel zu entwickeln und zusammen mit einem Freund in den Himmel zu gondeln. 1931 flog er zunächst von Augsburg aus in 15 781 Meter Höhe, kurz darauf bei einem zweiten Versuch gelang ihnen der neue Rekord: 16 400 Meter, so hoch, wie zuvor noch nie ein Mensch geflogen war. Aber Rekorde waren es eigentlich gar nicht, die den kauzigen Professor (er trug eine selbst konstruierte Brille, bei der man die Gläser hochklappen konnte, damit man sie nicht immer abnehmen musste) interessierten, er wollte wissenschaftliche Erkenntnisse, beispielsweise über kosmische Strahlen, die seinerzeit noch kaum erforscht waren und über den Luftdruck in großen Höhen.

Bei der Konstruktion des Ballons waren U-Boot-Teile aus dem ersten Weltkrieg benutzt worden und so lag der Gedanke nahe, das Prinzip der beim Flug in den Himmel benutzten Druckkabine auch für Tauchgänge im Meer zu nutzen.

Noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs entwickelte Auguste Piccard ein Boot, das ohne Trossen-Verbindung zu einem Schiff frei tauchen konnte und vom dem aus durch Beobachtung das Wissen über das weitgehend unerforschte Meer verbessert werden konnte. Richtig in Schwung kam dies zu Beginn der 50er Jahre. Am 30. September 1953 tauchte der seinerzeit bereits 69jährige Auguste Piccard mit seiner „Trieste“ im Tyrrhenischen Meer und erreichte mit 1370 Metern einen neuen Rekord.

Neben Auguste saß in der Kapsel der „Triest“ sein Sohn Jacques, der wenige Jahre später in seine Fußstapfen treten sollte. Am 25. Januar 1960 beobachteten Jacques Piccard und der amerikanische Marineleutnant Don Walsh, wie ein gewöhnlicher Knochenplattfisch und eine Garnele für wenige Sekunden durch das Scheinwerferlicht ihres Tiefseetauchbootes huschten,. So unspektakulär dies auch klingen mag, es war eine wissenschaftliche Sensation.

Denn ziemlich genau dort, wo das britische Vermessungsschiff „Glomar Challenger“ zehn Jahre zuvor den tiefsten Punkt der Weltmeere ausgelotet hatte, im Marianengraben östlich der Philippinen, zeigten die Instrumente an Bord der „Trieste II“ genau 10 910 Meter.

Piccard und Walsh lieferten damit den Beweis, dass es tatsächlich Tiere gibt, die in mehr als zehn Kilometer Tiefe im Meer leben können und außerdem stellten sie fest, dass es selbst in dieser Tiefe vertikale Meeresbewegungen gibt, was beispielsweise bei der Lagerung von Atommüll von großer Bedeutung ist.

Auguste Piccard hatte noch sehr tatkräftig mitgeholfen, das Boot, in dem sein Sohn tauchen sollte, für die Anforderungen des Marianengrabens, wo ein Wasserdruck von etwa 1100 Atmosphären herrscht, auszurüsten. Dafür reichte die alte „Trieste“ nicht aus. Also wurde sie an die US-Marine verkauft und bei Krupp in Essen ein neues gebaut. Es bestand aus zwölf Zentimeter dickem Spezialstahl und war nicht zusammengeschweißt, sondern mit einem speziell entwickelten Kleber zusammengefügt worden.

Bei Tests stellte Krupp fest, dass selbst 2200 Atmosphären kein Problem sein würden. Es funktionierte tatsächlich, Jacques Piccard und sein Gefährte kamen unversehrt aus der Tiefe zurück. Auguste erlebte diesen Triumph noch. Er hatte sich kurz vor dem Rekordtauchgang seines Sohnes auf seinen Alterssitz bei Lausanne am Genfer See zurückgezogen und konnte zufrieden sein mit dem, was er in seinem Leben erreichte. Am 25. März 1962 starb er im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt.

Jacques Piccard, der trotz aller Bemühungen nie an die Bedeutung seines Vaters für die Wissenschaft heranreichte, sagte nach seinem aufsehenerregenden Tauchgang voraus, dass „eines Tages Dutzende von Tauchschiffen der Tiefsee auch die letzten Geheimnisse“ entreißen würden.

Er irrte sich.

Obwohl die Bemühungen um die Ausbeutung der gigantischen Rohstoffreserven auf dem Meeresboden seit Anfang der 60er Jahres ungeheuer gesteigert wurden, entwickelte sich die Meerestechnik in eine andere Richtung. Von Bohrinseln und Forschungsschiffen werden heutzutage Kameras und Schürfgeräte in die Tiefe abgelassen und der Meeresboden so und nicht mit U-Booten analysiert.

Mit noch einem Vorhaben hatte Jacques Piccard kein Glück. Für die schweizerische Landesausstellung 1964 hatte er das erste U-Boot für Touristen in Auftrag gegeben und wollte damit auf den Grund des Genfer Sees Abenteuer-Fahrten organisieren. Das klappte auch, immerhin mehr als 700 mal tauchte das Schiff und brachte rund 20 000 Schaulustige zum Preis von je 40 Franken auf den Grund des Sees. Es gab aber nur etwas aufgewühlten Schlamm zu sehen, so dass die meisten Tieftauch-Fans ziemlich enttäuscht waren.

Jacques Piccards Sohn Bertrand hatte hingegen bei seinem Unternehmungen ein erheblich glücklicheres Händchen. Schon mit 16 war er ein Ass im Deltafliegen und in Ultraleichtfluchtzeugen. So war er der erste, der in einem Ultraleichtflugzeug von der Schweiz nach Italien über die Alpen flog, eine Leistung, die allerhöchste Anforderungen an Kraft und Psyche eines Menschen stellt. Und genau das ist es, was den jungen Bertrand im Gegensatz zu seinem Vater und Großvater besonders interessiert: Ihm geht es nicht um physikalisches Wissen, sondern um die Erforschung menschlicher Verhaltensweisen in Extremsituationen.

Bertrand Piccard wurde Arzt. Er nahm an transatlantischen Ballonwettbewerben teil und gewann. Er erinnerte sich an seinen Großvater und dessen sensationelle Flüge in Ballons und in ihm keimte der Gedanke, das endlich zu schaffen, was zehn andere Teams schon fast zwei Dutzend mal vergeblich versucht hatten: Die Non-Stop-Umrundung der Erde in einem Ballon.

Aber auch Bertrand Piccard schaffte das nicht auf Anhieb. Beim ersten Mal, 1997, scheiterte er an einem technischen Defekt, gut ein Jahr später verweigerten die Chinesen den Überflug und er musste in Myanmar (Birma) landen.

Der dritte Versuch schließlich klappte. Bertrand Piccard fuhr mit dem von dem Schweizer Uhrenhersteller Breitling gesponserten Ballon „Orbiter 3“ ununterbrochen von der Schweiz aus mehr als 46 000 Kilometer, um schließlich in Ägypten zu landen. Er stellte damit insgesamt sieben Weltrekorde auf - was übrigens auch ein neuer Rekord in der Familiengeschichte der Piccards ist ...

Blätterwald
Kleiner Pelikan siegt gegen den großen
Weil er im Pelikanweg wohnte, nannte ein Musiklehrer aus Minden seine Schule „Pelikan“ und bekam Riesenärger mit dem gleichnamigen Hersteller von Schreibgeräten. Das berichtet das „Mindener Tageblatt“. Der Lehrer sollte unter dem Namen „Pelikan“ nicht mehr werben dürfen und aus dem Internet verschwinden. Sonst drohten 25 000 Euro Strafe. Der Lehrer zog vor Gericht – und gewann, vor allem, weil die beiden Branchen nichts miteinander zu tun haben. http://www.mt-online.de/lokales/minden/3455391_Mindener_Pelikan_darf_weiter_fliegen.html?em_index_page=1


Blätterwald
Zu wenig Bergputzer
Jetzt droht im Raum Salzburg vermehrter Steinschlag, denn die sogenannten „Bergputzer“, die jährlich rund 200 000 Quadratmeter Felsfläche kontrollieren, können den Arbeitsaufwand nicht mehr schaffen. Das schreiben die „Salzburger Nachrichten“. Hauptgrund sei, dass fehlende Stellen nicht mehr nachbesetzt werden. Sechs zusätzliche Bergputzer müssten eingesetzt werden, aber, so die Zeitung, Der Personalchef des Magristrats habe bereits abgewunken. http://www.salzburg.com/online/salzburg/stadt+salzburg/Zu-wenig-Bergputzer-Gefahr-von-Steinschlaegen.html?article=eGMmOI8Vd4ZJeVeziOvlxeLeOyz3CZjUJFO15Wh&img=&text=&mode=&


Blätterwald
Adler fliegt die Trauringe ein
Wer unbedingt in einem rauchenden Holzkohlenmeiler heiraten will, der kann das Ende Mai in der Nähe von Düttling (75 Einwohner) in der Eifel tun. Das berichtet der „Bonner Generalanzeiger“. Besonderer Clou: Ein Weißkopfseeadler namens „Bonny“ bringt die Trauringe. Kostenpunkt für das standesamtlich anerkannte Event: 350 Euro. http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10001&detailid=716764


Blätterwald
Gemein: Tiere erst gerettet und dann geschlachtet?
Das wäre ja gemein: Erst retten die Behörden 109 verwhrloste Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe von einem Bauerhof in Seelvitz auf der Ostseeinsel Rügen, versprechen, sie in „Pflegefamilien“ aufzupäppeln, transportieren sie aber in Wirklichkeit zur Schlachtung nach Anklam. Das berichtet die „Ostsee-Zeitung“. Der Behauptung stammt vom ehemaligen Besitzer, der in der „zentralen Tier- und Herkunftsdatei der Bundesländer (www.hi-tier.de) Belege für seine These gefunden haben will. „Der gesamte Tierbestand — auch die Pferde — wurden vom Amtstierarzt im Paket an einen Händler verkauft“, so der Landwirt. Das Landsratsamt hält sich bedeckt. „Schwebendes Gerichtsverfahren“, heißt es dort. http://www.ostsee-zeitung.de/ruegen/index_artikel_komplett.phtml?param=news&id=2727251


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