Lale, Lili und Marleen

23. März


Marleen war die blonde Tochter eines Arztes aus Rostock und Lili hieß eigentlich Betty und war die ebenso hübsche Tochter eines Gemüsehändlers. Und Hans Leip, der junge Füsilier, 21 Jahre alt, war weit weg von seiner Heimatstadt Hamburg, hockte auf seiner harten Pritsche in der Wachstube des Ersten Gardegrenadier-Regiments in Berlin und schrieb „Vor der Kaserne, vor dem großen Tor“ und jede Strophe endete mit „wie einst, Lili Marleen“ oder „mit dir, Lili Marleen“. Es wurde das weltweit bekannteste deutschen Gedicht aller Zeiten.

Dazu allerdings war nötig, dass einem gewissen Norbert Schultze mehr als zwanzig Jahre nachdem Hans Leip die „Lili“ geschrieben hatte, dazu eine nette Melodie einfiel und dass Liselotte Helene Bunnenberg, die Tochter eines Schiffsstewards aus Bremerhaven, die sich den Künstlernamen Lale Andersen zugelegt hatte, eine so schöne rauchige Stimme hatte und das Liedchen mit so viel Herz sang, weil es ihr so gut gefiel. Sie wurde am 23. März 1905 geboren.

Aber auch das allein hätte nicht gereicht. Denn von der Platte „Lili Marleen“, die die Firma Electrola 1939 in den Handel brachte, wurden zunächst einmal gerade 700 Stück verkauft, bis im großen Roulette des Lebens, wie so oft, ein kleines Ereignis große Wirkung zeigte: Der deutsche Soldatensender in Belgrad schickte nämlich einen Unteroffizier nach Wien. Der sollte ein paar Platten besorgen. Und darunter war rein zufällig „Lili Marleen“.

Am 18. August 1941 ging das Lied erstmals über den Sender. Vor allem in Richtung Afrika, wo der „Wüstenfuchs“ General Erwin Rommel sich mit seinem Corps langsam bis El Alamein vorwühlte. Die Reaktion war überwältigend. Tausende junger Soldaten schrieben an den Sender, baten um Wiederholung und so beschloss man, mit „Lili Marleen“ jeden Abend um 21.55 Uhr den Sendebetrieb zu beenden. Auch die Engländer des 8. Afrikacorps, Franzosen und Italiener gerieten in seinen Bann. Bald spielten es auch andere Sender, es gab übersetzte Versionen. Die Franzosen sangen „Et dans la nuit sombre nos corps enlacés“, was soviel heißt wie „und in der Nacht lagen wir engumschlungen“, die Italiener trällerten „Gib mir die Rose und drück' sie an mein Herz“, was sich übrigens auch auf deutsch gut singen lässt, die Engländer hielten sich am dichtesten an das deutsche Vorbild: „Unterneath the lantern by the barrack gate, darling, I remember the way you used to wait“.

Lale Andersen wurde von dem plötzlichen Erfolg des Liedes völlig überrascht. Als sie nach ein paar Wochen „Fronttournee“ zu Hause die Tür öffnete, lagen dort Hunderte von Briefen alle adressiert an „Lili Marleen, Sender Belgrad“ und per Feldpost weitergeleitet.

Und dennoch war Lale Andersen nicht nur glücklich über diesen Erfolg, denn die Nazis hatten sie auf dem Kieker, nachdem sie einen Brief abgefangen hatten, in der Lale ihrem Freund Rolf Liebermann, dem späteren weltberühmten Hamburger Opernintendanten, in die Schweiz geschrieben hatte, dass sie sich gern nach einer Italienreise, in die neutrale Alpenrepublik absetzen wollte.

„Lili Marleen“ rettete ihr Leben. Als die Gestapo drohte, Lale Andersen in ein Lager zu stecken, schluckte sie eine Überdosis Schlaftabletten und war drei Wochen lang bewusstlos. Da verbreitete die Londoner BBC die Nachricht, dass die Sängerin der „Lili Marleen“ in einem Konzentrationslager gestorben sei. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte sofort die Chance, die englischen Rundfunkleute als Lügner hinzustellen und präsentierte die unglückliche Lale Andersen als durchaus lebendig. 1944 gelang ihr die Flucht auf ihre geliebte Insel Langeoog zu ihren Großeltern. Auf jene Insel, auf der sie nach ihrem plötzlichen Herz-Tod 1972 im Alter von 64 Jahren begraben liegt.

Nach dem Krieg gab es beide weiter, Lale Andersen und „Lili Marleen“. 1959 nahm Lale „Ein Schiff wird kommen“ auf und verkaufte Millionen von Schallplatten. Die „Blaue Nacht am Hafen“ hatte sie unter dem Pseudonym Nicola Wilke sogar selbst getextet. Wilke, das war der Name ihres ersten Mannes, den sie schon mit 16 geheiratet hatte. Es war der Worpsweder Maler Paul Ernst Wilke.Sie liebte ihn „wie ein Veilchen den Rittersporn liebt. Demütig, aufschauend, Wunder erwartend“. Die Ehe hielt nur bis 1931, bei ihren Freunden hieß sie aber noch lange danach „Wilki“. Der Ehe entstammen drei Kinder: Björn, Michael und Litta, die 1981 die Biografie ihrer Mutter schrieb. 1949 heiratete Lale Andersen einen anderen Maler, Artur Beul. Ihre wahre, große, heimliche Liebe aber war Rolf Liebermann, dem sie ihr 1972 veröffentlichtes Buch „Der Himmel hat viele Farben“ widmete. 1969 wurde Lale Andersen von der englischen „Times“ auf die Liste der „bekanntesten Personen des 20. Jahrhunderts gesetzt.

Und auch„Lili Marleen“ machte weiter ihren Weg. Marlene Dietrich rührte 1973 bei ihrem offiziellen Bühnenabschied ihr Publikum mit „Lili Marleen“ als ihrem allerletztem Lied zu Tränen. Greta Garbo, Edith Piaf, Hildegard Knef, Bing Crosby, Freddy Quinn, Jean-Claude Pascal und rund 300 weitere in aller Welt, unter ihnen auch die ehrenwerte Japanerin Kanaschii Mischi sangen es. In rund 50 Filmen wurde das Mädchen unter der Laterne besungen. „The one and only Lili Marleen“ war, ist und bleibt aber Lale Andersen, die „weibliche Ausgabe von Hans Albers“, wie sie Spötter einmal nannten.

Hans Leips Beziehungen zu Lale Andersen blieben übrigens beider Leben lang sehr zurückhaltend. Sie sahen sich insgesamt nur dreimal und das immer nur flüchtig. Leip bezeichnete Lales Stimme als „dunkel und sachte schülpend wie Brackwasser bei Nacht und leichter Brise. Aber die Aussprache mit dem torfrauchigen Tonfall der Küste war ungewohnt deutlich, von keinem Tremolo sonst üblicher Sängerinnen verwippert, ein seltener Vorzug.

“Hans Leip, Lale Andersen, Marleen, die Arzttochter, und Lili, die Tochter des Gemüsehändler, sie sind alle schon lange tot. Nur „Lili Marleen“, die gibt es immer noch.

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Blätterwald
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Blätterwald
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