Lips Tullian, der Räuberhauptmann

8. März


Eigentlich gehören ja die alten Straßenräuber wie der Schinderhannes und Fra Diavolo, der „Schleiferstoni“, der „Bayerische Hiasl“ oder gar der alles überstrahlende Robin Hood zu den Guten. Sie rauben nur, um die Reichen ärmer und die Armen reicher zu machen. Über Lips Tullian, dessen Bande Anfang des 18. Jahrhunderts die Gegend von Dresden bis Prag unsicher machte, gibt es solche Legenden nicht. Er beraubte zwar auch die Reichen (wen sonst, die anderen hatten ja sowieso nichts), behielt es aber für sich.

Sehr viel weiß man nicht über diesen Lips Tullian, der natürlich nicht Lips Tullian hieß, kein Mensch heißt Lips Tullian. Vielleicht wusste er es selbst nicht so genau, denn als ihn die Behörden endlich schnappten, da sagte er an dem einen Tag, er heiße Phillipp Mangstein (die Kurzform „Lips“ deutet ja immerhin auf Phillipp hin), an nächsten Tag aber Elias Erasmus Schönknecht, geboren im elsässischen Straßburg und Sohn eines lothringischen Leutnants.

Nein, gelernt habe er eigentlich gar nichts in der Jugend, behauptete er. Aber das glaubten die Untersuchungsbeamten ihm nicht, denn vor ihnen stand ein Mann Anfang 40 (er selbst behauptete bei den Verhören, 42 Jahre alt zu sein), der Bibelsprüche kannte und Liederverse aufsagen konnte und dem auch das Fechten, Zeichnen oder Tanzen durchaus geläufig war. Immerhin hatte dieser Bursche in allerbestem Zwirn und elegant gekleidet vor allem in Dresden seine Raubzüge ausbaldowert.

Die wurden dann ohne besondere Eleganz mit und ohne ihn von der „Schwarzen Garde“ ausgeführt, vor allem im Tharandter Wald, heute in einer knappen halben Stunde von Dresden mit dem Auto zu erreichen, oder in den Wäldern des Colmnitztales bis hin nach Prag.

Strategisch war das nicht unklug, denn sowohl auf der sogenannten „Silberstraße“, der „Salzstraße“ und auf dem „Fürsten- oder Herrenweg“ von Dresden nach Freiberg wurden eigentlich immer Waren transportiert, die einen Überfall lohnten.

Und da die Bande bis zu 60 Mann stark war, hielt sich der Widerstand meist in Grenzen. Unschön und dem Ruf des Lips Tullian zusätzlich abträglich war die Tatsache, dass die Opfer häufig misshandelt und gefoltert wurden, eine Prozedur, die der wackere Räuberhauptmann dann auch durchstehen musste und der er nach 26 Tagen mit schweren Eisen am Hals nichts mehr entgegensetzten konnte, sondern seine Kumpane und seinen Hehler, einen Mann namens Samuel Schmieder in Niederbobritzsch, verpfiff.

Mit deutlichem Widerwillen berichtet eine zeitgenössische Quelle, dass Lips Tullian vor dem Untersuchungsrichter eine eher klägliche Figur abgab: Als man ihn eindringlich ermahnt habe, da „fing er an, seinen bisherigen elenden Zustand zu beklagen, und erinnerte insonderheit, dass er nunmehro in 12 Jahren kaum 2,5 Jahre in der Freyheit gewesen, die übrige Zeit aber alle in Ketten, Banden und Gefängnissen liegen hat müssen.“

Tullian gestand mehr als 50 Verbrechen, aber es nütze ihm wenig, jedenfalls rettete es ihm nicht das Leben. Im Gegenteil, das Gericht verurteilte ihn zu einem höchst unangenehmen Tod durch Rädern. Ein ausnahmsweise milde gestimmter Kurfürst August der Starke verfügte dann, dass er enthauptet werden sollte, was dann in diesen Tagen vor 295 Jahren, genau am 8. März 1715, am Schwarzen Tor in Altdresden vor den Augen des Fürsten und 20000 neugieriger Bürger auch geschah.Viel hat er nicht im Gedächtnis des Volkes hinterlassen, dieser Lips Tullian, bis auf ein paar Spuren in Erzählungen von Christian Fürchtegott Gellert, Wilhelm Raabe und Moritz August von Thümmel, der zu berichten wusste, dass man Lips Tullian vor seiner Hinrichtung eine Prise Schnupftabak reichte, dass dieser sie gern nahm, aber enthauptet wurde, bevor er niesen konnte.

Das sächsische Sprichwort „Wer nichts hat, dem kann auch Lips Tullian nichts stehlen“ erinnert noch an ihn, eine tschechische Comic-Serie und der „Lips-Tullian-Turm“ im Schloss Nossen im Landkreis Meißen, wo auch die „Muldengold-Brauerei“ ein „Lips Tullian Dunkel“ braut.

Ja, und dann kann man sich gegen Vorbestellung und Vorkasse auch heute noch von der „Schwarzen Garde“ überfallen lassen, wenn man eine Postkutschen-Fahrt im „Land der historischen Poststraßen“ bucht. In historische Gewänder gehüllte Gestalten stürzen sich dann mit Schwarzpulvergewehren bewaffnet auf die Reisenden (http://www.poststrassen-erleben.de/poststrasse/csdata/files/content/FlyerPostkutschenfahrten2010_300.pdf) Das einzige, was dabei blutet, ist heutzutage die Brieftasche ...



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Mit der Gebühreneinzugszentrale ist nicht zu spaßen. Sie holt sich ihr Geld, wo sie es kriegen kann. Auch von Häftlingen. 17,98 Euro forderte sie von einem Häftling des Gefängnisses Hohenasperg in Baden-Württemberg. Der aber zog vor Gericht, berichtet die „Stuttgarter Nachrichten“, wo er jetzt verlor. Also muss er von den etwa 50 Euro, die ihm im Knast verbleiben, rund ein Drittel an die GEZ abtreten, weil er die „im Staatsvertrag festgelegten Richtlinien für einen Härtefall“ nicht erfülle. http://bit.ly/cpMPYq


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