Mythos Glenn Miller

1. März

Verstummt sind die Gerüchte um seine Person nie, denn es gibt immer wieder einen Anlass, dass sie wieder hoch kochen: Beispielsweise die Tatsache, dass Miller am 1. März 1904 Glenn Miller, Vater von „In the Mood“, „Tuxedo Junction“, „Chatanooga Choo Choo“ und „Moonlight Serenade“ in dem kleinen Örtchen Clarinda im US-Bundesstaat Iowa geboren wurde.

Aber es ist weniger die Geburt des berühmtesten Bandleaders der Swing-Ära als vielmehr sein Tod, der nach wie vor die Gemüter erhitzt. Saß Glenn Miller wirklich am 15. Dezember 1944 in einem Flugzeug und ist dieses tatsächlich über dem Ärmelkanal abgestürzt? Offiziell war das so und Glenn Miller starb als hochdekorierter Major der US-Air-Force.

Aber es gab von Anfang an Zweifel.Was geschah in jener Nacht, in der Miller angeblich in Begleitung eines weiteren Offiziers vom englischen Fliegerhorst Bedford nach Paris fliegen wollte, um dort eines seiner unglaublich erfolgreichen Konzerte für die GIs an der Front vorzubereiten? Erste Spekulationen sprachen davon, dass ein deutscher Jäger Millers Maschine vom Typ C-64 Norseman abgeschossen hat. Das war natürlich gut, um den Kampfeswillen der am Ende des Zweiten Weltkriegs schon ermüdeten Soldaten anzufachen, ist aber wenig wahrscheinlich.

Denn nirgendwo gibt es Aufzeichnungen, dass deutsche Flugzeuge im Bereich Ärmelkanal unterwegs waren und zu jener Zeit wurde kaum ein Luftraum besser überwacht als dieser. Vielleicht, so hieß es, war er ja auch von der eigenen Flak vom Himmel geholt worden, was ein überaus peinliches Versehen gewesen und natürlich totgeschwiegen worden wäre. Aber auch für diese These gibt es keinerlei Beweise.

Der Schriftsteller E.W. Heine beantwortet die von ihm selbst gestellte Frage „Was geschah mit Glenn Miller?“ mit der Vermutung, dass dieser Flug nie stattgefunden hat. Denn Millers Flugzeug startete, wenn überhaupt, völlig unangemeldet und ohne irgendeine Freigabe, was schon normalerweise unmöglich ist, in Kriegszeiten aber ausgeschlossen. Bis auf Millers Freund und Manager Don Haynes beobachtete seltsamerweise niemand den Abflug. Und ob der letztlich ein glaubwürdiger Zeuge ist, scheint fraglich.

Außerdem herrschten grauenvolle Wetterbedingungen, bei denen kein vernünftiger Pilot gestartet wäre, noch nicht einmal, wenn es um Leben und Tod ging und schon gar nicht, damit Mr. Miller irgendeinen Tourneeauftritt organisieren konnte.

Und Glenn Miller hatte maßlose Flugangst. Heine: „Der tolldreiste Flug passte nicht zu dem übervorsichtigen Verhalten dieses sensiblen Mannes, der nichts riskierte und nie etwas dem Zufall überließ.“Glenn Millers Bruder Herb, so Heine, stellte viele Jahrzehnte intensive Recherchen an und entdeckte schließlich, dass der große Swing-Musiker in einem Militärhospital an Lungenkrebs gestorben war.

Die Geschichte mit dem Absturz, so die Vermutung, war u.a. vom „Augenzeugen“ Don Haynes erfunden worden, um einen Mythos zu schaffen und damit der „Glenn-Miller-Story“, wie dann ja auch 1953 in einem Film mit James Stewart gelungen, filmreife Dramatik zu verleihen.

Alton Glenn Miller, der als kleiner Junge eine Mandoline geschenkt bekam und sie dann sofort gegen eine Posaune eintauschte, war nur die letzten fünfeinhalb Jahre seiner Musiker-Karriere und seines kurzen Lebens erfolgreich. Zuvor hatte er sich mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Der Durchbruch kam erst im März 1939, als seine „Glenn Miller Band“ in New York auftrat und dann ein beispielloser Siegeszug durch Konzertsäle und Rundfunkstationen begann. 1942 meldete sich Glenn freiwillig zum Kriegsdienst, um, wie er einem General schrieb, „etwas mehr Schwung in die Füße unserer marschierenden Soldaten und etwas mehr Freude in ihre Herzen zu bringen.“

Glenn Miller blieb bis heute unvergessen, sein Name untrennbar mit „Big-Band-Sound“ verbunden. Dafür sorgte er mit seiner unvergleichlichen Musik – aber vielleicht auch wegen seines „offiziellen“ Todes. „Glenn Miller“, so heißt es in der am 18. Dezember 1944 verbreiteten Todeserklärung „ist in Erfüllung seiner soldatischen Pflicht gefallen“. Wie auch immer er starb – in der „Hall of Fame“, in der alle Unsterblichen der populären Musik versammelt sind, hat er ohnehin einen Ehrenplatz.


Erstmals Biathlon-WM für Frauen
Frauen und Militär, das war immer schon ein umstrittenes Thema. Selbst, wenn sie Höchstleistungen mit dem Gewehr vollbrachten, wie beispielsweise die Amerikanerin Annie Oakley, die am 16.4. 1922 einhundertmal hintereinander und ohne Fehlschuss eine Tontaube traf (und das im Alter von 61 Jahren), so wurde dies eher belächelt oder es wurde, wie in diesem Fall, ein Musical daraus („Annie get your gun“).
Und da die Boom-Wintersportart der letzten Jahrzehnte, das Biathlon, ursprünglich ausschließlich von Soldaten ausgeübt wurde, sollte man meinen, dass es Frauen in diesem Fall besonders schwer gehabt haben müssen, sich durchzusetzen. Aber es kam anders. Am 1. März 1984 begannen in Chamonix bereits die ersten Weltmeisterschaften für Frauen, immerhin 17 Jahre bevor in der Bundeswehr die volle Gleichberechtigung eingeführt wurde.
Es gab zwar nur drei Wettbewerbe (Sprint, Einzel, Staffel) und von den inzwischen alle Disziplinen beherrschenden deutschen Damen war weit und breit noch nichts zu sehen. Aber es war ein Anfang. Die Russin Werena Tschernyschowa war der große Star der ersten Stunde. Sie räumte alle drei Goldmedaillen ab. Im Einzel über 10 Kilometer kamen die damals noch sowjetischen Biathletinnen sogar zu einem dreifachen Triumph. Übrigens holte sich mit Andrea Grossegger eine Österreicherin die Bronzemedaille im Sprint. Es blieb bis heute die einzige Frauen-Medaille für unser Nachbarland und es ist weit und breit niemand in Sicht, der das ändern könnte. Da ist Deutschland unbestritten besser dran. Viel besser. Jedenfalls bei den Frauen.


Decksdeutsch
Dalben
Dalben sind Pfähle zum Festmachen eines Bootes und zum Schutz von Hafeneinfahrten. (Nach Zienert/ Heinsius Decksdeutsch heute)


Schiffschicksale
Caribia
Die „Caribia“ wurde 1933 von Blohm & Voss an die Hapag ausgeliefert, um im Westindien-Dienst eingesetzt zu werden. Das Schiff war ausgesprochen luxuriös, alle Kabinen hatten beispielsweise künstliche Belüftung. 1935 schrieb die „Caribia“ Geschichte: am 21. Juni gelang erstmals der Empfang einer Fernsehsendung auf einem fahrenden Schiff. 1939 wurde die „Caribia“ wegen des Krieges in Hamburg aufgelegt und in Mürwik in Flensburg zum Wohnschiff der Kriegsmarine. (In Mürwik ist heute noch die Offizierschule der Bundesmarine). 1945 ging die „Caribia“ zunächst als Kriegsbeute an die USA, dann an die Sowjetunion, wo sie als „Ilitsch“ noch bis Anfang der 80er Jahre fuhr. (Nach Arnold Kludas: Geschichte der deutschen Passagierschifffahrt)

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