Sechs Nächte im Kreis

15. März

Es sei ja wohl der dümmste Beruf der Welt, ständig mit einem Auto im Kreis herumzufahren, ließ ein frustrierter Formel-1-Weltmeister Niki Lauda einmal wissen. Aber was hätte er wohl dazu gesagt, wenn er dies mit einem Fahrrad hätte tun müssen und das auch noch sechs Tage lang? Wir wissen es nicht.

Jedenfalls hatten die Deutschen am 15. März 1909 erstmals das Vergnügen, bei einem Sechstagerennen dabei zu sein. Es war in Berlin (wo sonst?), wo in der großen Ausstellungshalle am Zoologischen Garten nach Pariser Vorbild eine Radrennbahn (150 Meter lang, fünf Meter breit mit bis zu vier Meter hohen Kurven) gebaut worden war.

Am Start waren 15 Paare, die Creme de la Creme des internationalen Radsports. Die deutschen Stars Thaddäus Robl oder Willy Arend fuhren schon bald hinterher und waren nach mehreren Überrundungen abgeschlagen. Der Rudi Altig der frühen Radsporttage, der in Morsbach, einem Ortsteil von Würselen, geborene Walter Rütt, war nicht dabei, obwohl er einer der ganz großen Favoriten war und zusammen mit seinem holländischen Partner John Stol zwei Jahre zuvor im New Yorker Madison gewonnen hatte, wo die neue Sportart 1891 geboren worden war. Deshalb heißt übrigens Zweiermannschaftsfahren heute noch außerhalb des deutschsprachigen Raums „Madison“.

Rütt hatte einen Musterungstermin nicht wahrgenommen und wäre wegen Fahnenflucht verhaftet worden. Deshalb verzichtete er vorsichtshalber auf die Einreise nach Deutschland. Da aber der deutsche Kronprinz die Berliner Sechstagepremiere begeistert miterlebt hatte, begnadigte er Rütt, so dass dieser prompt die nächste Austragung gewann. Nach Walter Rütt wurde im Übrigen die Stadthalle von Würselen benannt.

Den ersten Sieg holten sich die Amerikaner Jimmy Moran/Floyd Mac Farland, nachdem sie in 144 Stunden knapp 4000 Kilometer zurückgelegt hatten.Berlin wurde anschließend zum Mekka der Sechstagerennen, vor allem wegen des 1910 erbauten Berliner Sportpalastes, in dem es seit 1911 regelmäßig Sechstagerennen gab und wo auf den billigen Plätzen, dem sogenannten „Heuboden“, unnachahmliche Stimmung herrschte, die später immer wieder hochgepeitscht wurde von Reinhold Habisch, genannt „Krücke“, der den „Sportpalastwalzer“, der eigentlich „Wiener Praterleben“ heißt, alle drei Takte mit vier schrillen Pfiffen veredelte.

In die Weltgeschichte ging der Sportpalast ein, nachdem Hitlers Propaganda-Minister Joseph Goebbels im Februar 1943 seine berühmt-berüchtigte „Sportpalast-Rede“ gehalten hatte, in der er zum „totalen Krieg“ aufforderte.

Der unumstrittene Sechstagekönig war der gebürtige Luxemburger Gustav Kilian, der von 1925 bis 1951 nicht weniger als 125 Sechstagerennen fuhr, ein Rekord, der bis ins Jahr 2002 Bestand haben sollte. Der „Eiserne Gustav“ wurde nach der aktiven Karriere der legendäre Goldschmied der deutschen Bahnamateure.

Der Sportpalast wurde 1973 abgerissen, weil der Berliner Senat sich weigerte, Subventionen zu zahlen und weil auch das Publikum wegen der allzu nahen Berliner Mauer irgendwie nicht mehr so feierte wie früher. Die Berliner hinderte das aber nicht, Jahr für Jahr immer wieder zum Sechstagerennen zu pilgern.

Heute ist die Heimat der Sechstagerenner das sogenannte Velodrom im ehemaligen Ostbezirk Pankow. Gebaut wurde das Radsportmekka eigentlich, um hinter die Berliner Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 ein Ausrufezeichen zu setzen. Nachdem dann aber Sydney den Zuschlag erhalten hatte, bauten die Berliner trotzdem weiter und schenkten der Hauptstadt so eine neue Veranstaltungsarena für maximal 10 000 Zuschauer, in der es außer Radsport auch Opern, Rockkonzerte und große TV-Show zu erleben gibt.

Auf dem Platz, an dem heute das Velodrom steht, befand sich früher zuvor die legendäre Werner-Seelenbinder-Halle, bekannt geworden vor allem als Sport- und Konzertarena, aber auch als Tagungsort der ersten SED-Parteikongresse.Übrigens: Beim Bau des Velodroms verzichteten die Planer auf platzraubende Parkhäuser. Deshalb ist es empfehlenswert, das Berliner Sechstagerennen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzusteuern. Oder zu Fuß. Oder mit dem Fahrrad ...



Kämpfer gegen die Todesstrafe
Er war ein erster leidenschaftlicher Kämpfer gegen die Todesstrafe – vor zweieinhalb Jahrhunderten. Am 15. März 1738 wurde der italienische Rechtsphilosoph Cesare Beccaria geboren.


Blätterwald
Frauentag mit Männerstrip
So macht der Frauentag Spaß, oder? Mit einer knappen Woche Verspätung feierten Frauen in Groß Pankow in Brandenburg „ihren“ Tag mit einem Männerstrip. Wie die „Märkische Allgemeine“ berichtet, habe es „reichlich viel Gekreische“ gegeben, als ein Stripper bis auf eine US-Flagge den „durchtrainierten Leib notdürftig verhüllte". Drei junge Damen hätten den Mann sogar anfassen dürfen. Kommentar der Zeitung: „Sollten sich die Frauen an diesem Tag nicht auf sich selbst besinnen, statt einen Mann anzuschmachten und zuzujubeln, dessen Geschlechtsgenossen daran Schuld sind, dass Frauen bis heute auf vielen Gebieten nicht mit ihnen auf einer Stufe stehen?“ http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11752994/61469/Maenner-machten-jede-Menge-Spass-Biber-und-Stripper.html

Blätterwald
Ärger um Graffiti-Pläne
Im Jugendhilfeausschuss Travemünde hielt man es für eine gute Idee: Das abrissreife „Aqua Top“-Gebäude in der Ostseestadt sollte eine Spielwiese für Graffiti-Sprayer werden. Das berichten die „Lübecker Nachrichten“. Aber es formiert sich heftiger Widerstand http://www.ln-online.de/regional/2753742


Blätterwald
Zu dick für die Bundeswehr
Der 17jährige Jülicher Markus K. träumte davon, Soldat zu werden. Aber daraus wird (vorerst) nichts. Das berichten die „Aachener Nachrichten“. Bei der Musterung wog der 1,82 Meter große junge Mann 123 Kilo und hatte damit beträchtliches Übergewicht. Aber ihm bleibt Hoffnung: In einem halben Jahr wird er noch einmal gemustert. Und bis dahin kann er ja abnehmen. http://www.an-online.de/lokales/juelich-detail-an/1237371?_jumps=0

Blätterwald
Wir basteln uns ein Kasperle-Theater
Gute Idee in Nürnberg: Der gemeinnützige Verein United Generations (http://www.unitedgenerations.org/ ) führt im Sommer in Kindergärten oder Seniorenheimen das Stück „Die Schneekönigin“ nach Hans Christian Andersen auf. Das berichten die „Nürnberger Nachrichten“. Das Besondere: Das mobile Kasperle-Theater und die Puppen wurden von jungen und älteren Vereinsmitgliedern selbst entworfen und gebaut. Und die Rollen übernehmen sie natürlich auch. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1187208&kat=10&man=3


Lesenswerte Links:

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http://mein-bayern.lexikus.de

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