Straßenfeger Stahlnetz

14. März


Es ist eher selten, dass die Kopie besser ist, als das Original. Aber es kommt vor. So war es jedenfalls nach Meinung von Experten im Falle der deutschen Kult-Krimiserie „Stahlnetz“, die am 14. März 1958 erstmals über die damals noch ausschließlich schwarzweißen Mattscheiben flimmerte.

Der Hamburger Reporter und Regisseur Jürgen Roland, der als Vater der Krimiserie gilt, lehnte sich mit seinem „Stahlnetz“ stark an ein amerikanisches Vorbild an, das zunächst im Radio und dann ab 1951 auch im Fernsehen lief. Die Serie hieß „Dragnet“, was wörtlich „Schleppnetz“ heißt und in den USA für „Großfahndung“ verwendet wird. Der „amerikanische Jürgen Roland“ hieß Jack Webb und er spielte, im Gegensatz zu dem deutschen „Stahlnetz“-Macher, selbst mit und zwar immer denselben Polizei-Sergeant Joe Friday und das immer in Los Angeles.

In Deutschland waren die Fälle stets woanders angesiedelt, es wurden Schauspieler eingesetzt und es spielten stets andere Ermittler die Hauptrollen, manchmal spielten sogar Darsteller in der einen Folge einen Kommissar und in einer anderen den Täter, was gelegentlich zu leichten Irritationen führte. Aber ansonsten war vieles wie in Amerika - bis hin zu den einleitenden Worten: „Dieser Fall ist wahr! Er wurde aufgezeichnet nach den Unterlagen der Kriminalpolizei. Nur Namen von Personen, Plätzen und die Daten wurden geändert, um Unschuldige und Zeugen zu schützen (O-Ton: „Only the names had been changed to protect the innocent“ – was in den USA zu einem geflügelten Wort wurde).

Der deutsche Vorspann wurde dann fortgesetzt mit „Sollte trotzdem Namensgleichheit mit lebenden oder toten Personen auftreten, so ist sie rein zufällig.“ Die Serie „Dragnet“ war übrigens auch in Deutschland zu sehen unter dem Titel „Polizeibericht“, war aber lange nicht so erfolgreich wie der Nachahmer.

Dass die Behauptung, es handele sich im wahre Fälle, nicht ganz der Realität entsprach, sondern dass tatsächliche Kriminalfälle häufig nur die Vorlage boten für fantasiereiche Drehbücher, verriet Wolfgang Menge, der die weitaus meisten der insgesamt 22 Folgen der ersten Staffel schrieb. Er sagte einmal, er habe immer davon geträumt, dass „Stahlnetz“ mit den Worten beginnen würde „Dieser Fall ist wirklich wahr“.

Nordrhein-Westfalen war zu Beginn der Serie häufig Schauplatz der Geschichten. So spielte die erste Folge in Oberhausen und die zweite im April 1958 in Köln. Dabei ging es um einen Bankraub, der á la „Emil und die Detektive“ in Zusammenarbeit zwischen vier Kindern und der Polizei gelöst wurde.

In den Besetzungslisten tauchen viele der Namen der Fernsehstars der ersten Stunde auf wie Hellmut Lange, Heinz Engelmann, Karl Georg Säbisch, Eddi Arent, Kurt Klopsch, Friedrich Schütter, Rudolf Platte, Dieter Eppler oder Wolfgang Völz. „Ergänzungsspieler“ waren häufig Volksmimen wie Ernst Hilbich oder die Stars des Hamburger Ohnsorg-Theaters mit Henry Vahl und Christa Siems.

Jürgen Roland, der im September2007 im Alter von 81 Jahren starb, hatte schon zuvor in Hamburg eine erfolgreiche und authentische allerdings journalistisch aufbereitete Fernsehserie initiiert, die „Der Polizeibericht meldet“ hieß und die bereits 1953 erstmals lief, kurz nach Beginn des „Fernsehzeitalters“ in Deutschland am 1. Weihnachtstag 1952.

Später drehte er noch einige Folgen der Endlos-Serie „Tatort“, die als Nachfolger von „Stahlnetz“ gilt, den Krimi-Quiz „Dem Täter auf der Spur“, Edgar-Wallace-Filme und den Streifen „Polizeirevier Davidswache“ (die übrigens korrekt Davidwache heißt), in dem die Neutze-Brüder Hanns Lothar, Horst-Michael Neutze und Günter Neutze das einzige Mal zusammen spielten. Später ließ er sich „Großstadtrevier“ einfallen. Die Serie läuft seit 1986 und machten einen gewissen Jan Fedder zum Star, den Roland in einer Nebenrolle im „Tatort“ entdeckt hatte und der nach Meinung des Regisseurs „so was von gut ist, dass er das Telefonbuch spielen könnte.“



Gangsterfilm-Klassiker
Wenn es ein Synonym für dreisten Einbruch gibt, dann ist es „Rififi“. Das Original, der Klassiker unter den Gangsterfilmen und des „Film noir“ lief am 14. März 1955 in den Kinos an.

Keine Kommentare: