Wanderer zwischen Genie und Wahnsinn

30. März


Für viele seiner Zeitgenossen war er ein Fall für den Psychiater - mindestens. Denn wer, und das mag als Erklärung gelten, schneidet sich schon ein Ohr ab, nachdem er sich mit einem Freund gestritten hat? Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn war bei dem großen holländischen Malers Vincent Willem van Gogh, der am 30. März 1853 in Zundern bei Breda geboren wurde, eben besonders fließend.

Dass van Gogh aber in erster Linie ein Genie war, das kann kaum besser bewiesen werden, als durch die Tatsache, dass im Jahre 1987 innerhalb von ein paar Monaten seine Bilder „Sonnenblumen“ und „Schwertlilien“ für die Rekordsumme von insgesamt knapp 83 Millionen Euro verkauft wurden.

Vincent van Gogh kannte sich aus in der Branche. Er arbeitete als junger Mann in zahlreichen Kunsthandlungen und es widerte ihn an. „Tulpenhandel“ nannte er das Feilschen mit Kunstwerken, die nach seiner Meinung eine ganz andere Behandlung verdient gehabt hätten. Und die Behandlung seiner eigenen Werke durch die zeitgenössische Kunstwissenschaft gibt diesem Urteil recht. Der Kirchenhistoriker Walter Nigg zitiert einen Kunstprofessor, der noch wenige Jahre nach van Goghs Tod verächtlich sagte: „So’n van Gogh schmiert da so’n Sonnenuntergang in einem Nachmittag zusammen, was soll das?“ und Nigg fährt fort, die Mehrheit der Kunsthistoriker hätten seinerzeit den Kopf über van Goghs Malerei geschüttelt.

Der Vater des später weltberühmten Malers war Pfarrer, was den jungen Vincent natürlich prägte. Und so wandte er sich nach den Enttäuschungen im Kunsthandel der Theologie zu. Mit nur wenig Erfolg. Er rauschte durch die Prüfungen, so dass er, statt der erhofften Pfarrstelle, als Missionar in die belgische Borinage geschickt wurde, dem belgischen Steinkohlerevier, in dem noch Ende des 19. Jahrhunderts unvorstellbare Armut herrschte.

Für den hypersensiblen van Gogh war dies natürlich alles andere als eine positive Therapie. Aber für die Weltkultur waren es entscheidende Monate im Leben eines der größter Kunstgenies, die es je gegeben hat - Vincent van Gogh begann zu zeichnen.

Der weitere Lebenslauf blieb vom Zufall abhängig und von der Unfähigkeit van Goghs, sich den starren und meist jeder Kreativität entgegenstenden Regeln einer künstlerischen Ausbildung unterzuordnen. Auch ein Studium an der Kunstakademie in Antwerpen, das ihm sein Bruder vermittelt hatte, endete im Desaster. Van Gogh war nun schon Mitte Dreißig und wusste nicht wohin.

Dann entschloss er sich, zu seinem Bruder Theo nach Paris zu ziehen, eine neue, wieder sehr wichtige Entwicklungsphase des Malers van Gogh begann. Er zog mit seinen neuen Freunden durch Montmartre, genoss, soweit er dieses Gefühl überhaupt kannte, die Bohème. Es waren namhafte Freunde. Unter ihnen Henri de Toulouse-Lautrec mit seiner Welt der Tänzerinnen, Dirnen und Zuhälter und Paul Gauguin, der spätere Südseemaler.

Die schwere Angstneurose, die van Gogh sein Leben lang begleitete, schwächte sich ab, seine Bilder wurden farbenfroher, insgesamt sehr viel heller. Aber gelang ihm nicht, obwohl er es oft versuchte, eine dauerhafte Beziehung zu einer Frau aufzubauen, auch ein wichtiger Aspekt bei der Beurteilung der Persönlichkeit des großen Künstlers.

1888, van Gogh war inzwischen 35 Jahre alt, ging er nach Arles in die Provence, lernte die Kraft der Sonne und des Lichts kennen, eine ganz neue Erfahrung für das Nordlicht, das er war. Er schwelgte in leuchtenden Farben, seine verschüttete tiefe Religiosität brach wieder auf, er träumte von einer neuen religiösen Kunst. Und er träumte von einem „Haus der Freunde“, das aber am Egoismus eben dieser Freunde, insbesondere Paul Gauguins, scheiterte. Tief verzweifelt schnitt er sich ein Stück seines Ohres ab, seine Stimmungen wechselten zwischen tiefen Depressionen und gewaltigen Tobsuchtsanfällen. Sein Bruder Theo musste ihn, um ihn vor sich selbst zu schützen, in eine Irrenanstalt einweisen.

Das letzte Kapitel im Leben des Genies Vincent van Gogh wurde in Auvers-sur-Oise Nahe Paris geschrieben. Er befand sich in der Obhut eines Arztes. Aber auch der konnte nicht verhindern, dass sich Vincent van Gogh im Juli 1890 mit einen Schuss aus einem Revolver das Leben nahm. Er starb am 29. Juli 1890. Er wurde nur 37 Jahre alt.



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