Will Kellogg, das Marketing-Genie

7. März

Entstanden war alles, wie so oft, aus einem Zufall. Im Sanatorium von Dr. John Harvey Kellogg, dem „Western Health Reform Institute“ in Battle Creek, in das vor allem unter Verdauungsstörungen leidende Amerikaner gingen, hatte irgendjemand eine Schüssel mit gekochtem Weizen über Nacht stehen lassen und ob nun der gestrenge Mediziner die geniale Idee hatte, diesen zu verarbeiten, oder sein Bruder Will, der Geschäftsführer des Unternehmens, ist nicht mehr eindeutig zu klären. Aber es war der Beginn von „Kellogg’s Cornflakes“. Und eines steht auch fest: Will Kellog war ein Genie, dem es gelang, die Frühstücksgewohnheiten zunächst in seinem Heimatland und dann in der ganzen Welt buchstäblich auf den Kopf zu stellen, nicht nur, weil er diese knusprigen, leckeren Getreideflocken erfand, die auf ewig mit seinem Namen verbunden sein werden, sondern auch, weil er ein unübertreffliches Gespür für Werbung und Marketing hatte.

Sein erster Trick: Die Unterschrift auf jeder Packung, verbunden mit dem Spruch „Nur wo Kellogg’s drauf steht, ist auch Kellogg’s drin.“

Trick Nummer zwei: Er schaltete Anzeigen, in denen er ganzseitig ankündigte, leider seien seine Cornflakes ausverkauft, eine Bestellung sei nicht möglich. Folge: Die Amerikaner rissen sich um die angeblich so knappe Ware.

Trick drei: Er wies die Läden an, seine Flakes zentral zu präsentieren und bot als erster attraktives Merchandising-Material an.

Vier: Wer zwei Packungen kaufte, bekam ein kleines Comic-Buch geschenkt. Vor allem die Kinder ließen nicht locker, bis sie „The Funny Jungleland Moving-Pictures Booklet“ endlich in den Händen hielten.

Fünf: Bereits sechs Jahre nach der Gründung der Firma, im Jahre 1912, ließ Kellogg auf dem New Yorker Times Square die seinerzeit größte Leuchtreklame der Welt aufstellen, außerdem sorgt er dafür, dass die Packungen wiederverschließbar sind.

Und so geht es weiter. Aus den anfangs 33 und dann 1000 Packungen Cornflakes, die 1906 in Battle Creek die neu gegründete Fabrik täglich verließen, wurde inzwischen ein Weltunternehmen, das rund drei Milliarden Euro Umsatz macht und seit der Gründung so viele Knusperflocken herstellte, dass die Packungen aneinandergereiht mehr als 160 Mal zum Mond und zurück reichen würden.

Doch zurück zu den Anfängen: Die Schüssel mit dem über Nacht abgestandenen gekochten Weizen wurde geleert und der schon halb trockene Weizen ausgerollt, weiter getrocknet und in kleine Fladen gebrochen. Das Ergebnis war schön knackig, aber ein wenig langweilig. Am 7.3. 1897 servierte Dr. John Kellogg den Patienten seines Hospitals das inzwischen unverzichtbare Frühstück.

Es war eine Initialzündung – für andere. Ehemalige Patienten und Glücksritter aller Art stürzten sich auf das Urprodukt und wandelten es um. Aus billigen Getreidekörnern wurde teure Gesundheitskost – Battle Creek wurde zum Mekka der Frühstücks-Cerialien. Mehrere hundert Möchte-Gern-Fabrikanten ließen sich dort nieder und produzierten, was das Zeig hielt.

Sehr zum Ärger des gesundheitsfanatischen und wohl auch etwas wunderlichen Herrn Doktor (im Alter ließ er sich gern mit Kakadu auf der Schulter fotografieren) wollte Bruder Will da gern mitmischen und nutzte eine Auslandsreise des Patriarchen, indem er den Knusperflocken Rohrzucker und Malz hinzufügte. So begann die Erfolgsgeschichte von „Kellogg’s Cornflakes“, die Will ebenso wie sein Bruder noch lange verfolgen konnte. Beide wurde 91 Jahre alt.

Natürlich muss man sich noch mit der Frage auseinandersetzen, ob Cornflakes nun eigentlich gesund sind oder nicht. Darauf gibt es eine ganz einfache Antwort: Einige sind es, andere nicht. Es empfiehlt sich in jedem Fall, sich die Liste der Inhaltsstoffe genau anzusehen. Man stellt dann fest, ob die zweifellos gesunden Ballaststoffe überwiegen oder anderes wie Zucker, so dass es, wie eine Wissenschaftlerin einmal bissig bemerkte „gesunder wäre, den Karton zu essen.“



Gut geklaut ...
Charles Darrow heißt der Erfinder von „Monopoly“ – so glaubt es fast die ganze Welt. Dabei war er nur derjenige, der das Spiel ein wenig aufhübschte und am 7. März 1933 in Philadelphia erstmals verkaufte. Regeln und Straßennamen hatte eine gewisse Ruth Hoskins schon 1929 „erfunden“ und die Idee stammt sogar aus dem Jahre 1904, als die Engländerin Elisabeth Magie ein Patent auf ihr „Landlord’s Game“ erhielt. Die Firma „Parker“ interessiert das aber nicht. Für sie ist Darrow immer noch der Mann, der sich Monopoly einfallen ließ.

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