Aerobicmania

25. April


Jeder Sportler kennt das: Training kann furchtbar langweilig sein. Runde um Runde auf der Aschenbahn, 50 Meter hin und 50 Meter her im Schwimmbecken und Gymnastik bis zum Abwinken. Und dann kommt eine gutgebaute 44jährige daher, ein doppelt mit dem Oscar ausgezeichneter Hollywood-Star, und zeigt, dass es auch anderes geht: Witzige Übungen zu schmissiger Pop-Musik, strahlende Gesichter, kein Jota Fett und so fit wie ein Astronaut vor dem Abflug zum Mond.

Am 25. April 1982 brachte Jane Fonda ihr „Aerobic“-Video heraus und löste damit einen weltweiten Boom aus. Sogar in der, was Spaß betrifft, bekanntermaßen zurückhaltenden DDR verschloss man sich nicht dem internationalen Trend, nannte das Ganze aber „Pop-Gymnastik“.

Es war wie so oft bei erfolgreichen Coups: Es war der richtige Schritt zur richtigen Zeit. In Westdeutschland herrschte Aufbruchstimmung nach der erfolgreichen Wende des Helmut Kohl, man war ohnehin auf dem Weg zur Spaßgesellschaft (u.a. mit der Hymne „Ich will Spaß“ von Markus oder „Da Da Da“ von Trio), in der Soap-Opera „Dallas“ zeigten Pam und Sue Ellen, wie toll es sein muss, schön, reich und schlank zu sein, die ersten noch ziemlich primitiven Computerspiele kamen auf den Markt und die ersten Videotheken schossen aus dem Boden. Nun konnte jedermann zu jederzeit jeden Film ausleihen oder kaufen.

Und da man ja jetzt ohnehin einen Videorekorder hatte, konnte es ja auch nicht schaden, bei Jane Fonda oder ihrer Landsfrau Sydne Rome, die fast gleichzeitig auf den Zug aufgesprungen war, mitzumachen. Auch die Fitness-Center begannen zu boomen, da nun erstmals Frauen in den zuvor fast ausschließlich von Männern benutzten „Mucki-Bunden“ auftauchten und die deutschen Turnvereine registrierten Zuläufe, sobald sie anstatt traditionell biederer Hausfrauengymnastik Aerobic-Kurse anboten. Aerobic entwickelte sich zur Massenbewegung.

Natürlich waren die beiden Amerikanerinnen Fonda und Rome nicht die Erfinderinnen von Aerobic, dies war ein gewisser Kenneth H. Cooper, ein ehemaliger Major der US Air Force und renommierter und engagierter Sportmediziner. Dr. Kenneth Cooper war unter anderem damit bekannt geworden, dass er einen einfachen, aber äußerst wirksamen Fitness-Test entwickelt hatte. Dabei müssen die Probanden auf einer ebenen Strecke genau 12 Minuten laufen und zwar so schnell, wie sie können und/oder sich zutrauen. Das Hinterhältige dabei ist, dass es sehr schwer ist, das richtige Tempo zu finden, da der zurückgelegte Weg irgendwo zwischen einer Mittel- und einer Langstrecke liegt, also die Gefahr besteht, zu schnell oder zu langsam loszulaufen.

Wer unter 30 Jahre alt ist und in diesen 12 Minuten 2800 oder mehr Meter schafft, muss sich über seinen Fitnesszustand keine Gedanken machen, gut sind auch noch mehr als 2500 Meter, 2200 sind recht ordentlich und 1800 Meter sind durchschnittlich. Alles, was darunter ist, ist bedenklich. Wer zwischen 30 und 40 ist, darf 150 Meter abziehen, über 40jährige 300 Meter und über 50jährige 400 Meter. Der „Cooper-Test“ hat sich inzwischen so gut durchgesetzt, dass er beispielsweise bei der Bundeswehr, bei Schulnoten und auch bei der Beurteilung von Fußballschiedsrichtern eingesetzt wird. Und dieser Dr. Cooper war es, der den Boom auslöste, in dem er ein Buch schrieb mit dem Titel „Bewegungstraining“ (im amerikanischen Original „Aerobics“).

Mitte der 80er Jahre wurde es dann aber kritisch. In den Medien wurde darüber berichtet, dass man sich bei Aerobic-Übungen unter Umständen ziemlich schwer verletzen kann, ja sogar über Todesfälle durch Überanstrengung wurde berichtet. Und da Fitness nun mal Fitness ist und Aerobic und Jogging oberflächlich betrachtet dasselbe sind, war 1984 der überraschende Tod von Jim Fixx, dem Gründervater aller Jogger auch für die Aerobic-Gemeinde ein Schock. Der 52jährige war nach seinem täglichen Lauf mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen, was als Beweis herhielt, wie gefährlich Fitness-Training sei. Dass in Fixx’ Familie Herzkrankheiten sehr verbreitet waren (sein Vater starb mit 35), wurde dabei meist unterschlagen.
Anfang der 90er Jahre aber erholten sich sowohl Jogging als auch Aerobic von diesen Tiefschlägen. Inzwischen steht fest: Wer vernünftig trainiert (am besten in Zusammenarbeit mit seinem Hausarzt) kann mit Aerobic eine Menge für seine Gesundheit tun. Und Spaß macht es außerdem ...

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