August und Constantia

12. Mai


Es gibt eine hübsche Geschichte aus längst vergangenen Zeiten im vergangenen Jahrhundert, als die Elbbrücke in Dresden, die Alt- und Neustadt verbindet, noch Dimitroff-Brücke hieß. Damals war eine oft gestellte Frage, warum diese Brücke wohl so hieße. „Das stammt aus den Zeiten von August dem Starken“, so antworteten die Elbstädter augenzwinkernd. „Da fuhr der Kurfürst in seiner Kutsche über die Brücke und immer, wenn er ein hübsches Mädchen sah, befahl er ‘die mit druff’ und ‘die mit druff’.“ Die korrekte Antwort wäre natürlich, dass man zu DDR-Zeiten den bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff ehren wollte, dem anlässlich des Reichstagsbrandes der Prozess gemacht worden war, der aber freigesprochen wurde.

Aber das ist eine andere Geschichte, hier geht es um August, den Starken. Er wurde am 12. Mai 1670 geboren und starb fast 63 Jahre später, am 1. Februar 1733 in Warschau. In Warschau? Ja, und das war kein Zufall. Denn Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen war auch König von Polen - zeitweise nur, aber zum Zeitpunkt seines Todes war er es.

August träumte davon, aus seiner sächsischen Hauptstadt ein zweites Versailles zu machen und das ist ihm auch ziemlich gut gelungen. Immerhin entstanden in seiner Regierungszeit, sie begann 1694 und endete erst 39 Jahre später, Bauten wie der Zwinger, das Taschenbergpalais und das Holländische Palais, er verantwortete die Grundsteinlegung für die neue Frauenkirche, ließ das Wasser- und das Bergpalais in Schloss Pillnitz errichten und ordnete bauliche Veränderungen der Moritzburg an. August stellte einem gewissen Johann Friedrich Böttger ein Laboratorium auf den Brühlschen Terrassen zur Verfügung mit dem erfreulichen Ergebnis, dass diesem die Herstellung des ersten weißen europäischen Porzellans gelang. Er legte damit den Grundstock für die Meißener Porzellanmanufaktur, die bis heute Weltgeltung hat.

Das ist eine hübsche Lebensleistungen für einen, der von der Geschichtsschreibung durchgängig als prunksüchtiger und eher dümmlicher Sexprotz eingestuft wurde. Für den Historiker Paul Haake (1873 - 1950), den bekanntesten August-Forscher, war der sächsische Kurfürst beispielsweise ein „zu ausdauernder Arbeit unfähiger, von Begierde zu Genuss taumelnder und im Genuss vor Begierde verschmachtender sittlicher Schwächling, der andern kein Vorbild der Opferwilligkeit und des Verzichts sein konnte“.

Paul Haake scheint kein Freund August des Starken gewesen zu sein.

Aber es gab auch andere Meinungen: Preußens Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. beispielsweise, der August den größten Fürsten nannte, der jemals regierte (auch vielleicht ein wenig übertrieben).

Die Hamburger Schriftstellerin Gabriele Hoffmann hat sich in ihrem 1984 erschienen Buch „Constantia von Cosel und August der Starke - Die Geschichte einer Mätresse“ bemüht, das in Schieflage geratene Bild des sächsischen Potentaten zurechtzurücken. Und wahrscheinlich ist es ja auch so, dass man über den Menschen August den Starken kaum mehr erfahren kann als durch diese durch und durch seltsame Geschichte seiner Liebe zu dieser Frau.

Neun Jahre lang trug er sie auf Händen, überschüttete sie mit wertvollen Geschenken, übertrug ihr das Schloss Pillnitz und das Taschenbergpalais, dann sperrte er sie ein und hielt sie in strenger Haft in der Festung Stolpen, wo sie die letzten 49 Jahre ihres Lebens verbrachte.

Das Urteil der Autorin Gabriele Hoffmann: „August, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, war ein lebensfroher und tatkräftiger Mann. Er führte die Kabinettsregierung ein, schuf den ersten Rechnungshof in Deutschland, baute das stehende Heer aus, trieb Wirtschaft und Handel voran. August wurde der strahlendste Fürst seiner Epoche, sein Hof der glanzvollste unter den Höfen der Reichsfürsten. Er führte lange Jahre seines Lebens Krieg und hinterließ dennoch mehr Geld in der Kasse, als er vorgefunden hatte. Sachsen war bei seinem Tod eines der wohlhabendsten Länder des Reiches.“

In einer Zeit, in der es scheint, dass sich Menschen wieder mehr für Geschichte interessieren, würde es nicht wundern, wenn irgendjemand auf die Idee käme, die Liebesstory von Constantia und August eines Tages sagen wir im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks zu verfilmen. Fest steht, dass es eine starke Geschichte mit einer starken Frau und einem starken August ist ...

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