Casanovas Geheimnis

2. April


Rein numerisch, das heißt, was die Anzahl der Liebschaften betrifft, kann ihm der Ex-Fußballprofi und in letzter Zeit etwas untergetauchte Popstar Julio Iglesias durchaus das Wasser reichen – falls dieser die Wahrheit sagt. Der berühmteste Frauenheld und Frauenflüsterer, den die Welt je gesehen hat, aber war zweifellos er: Giacomo Girolamo Casanova, der seinem ohnehin schon wohlklingenden Namen ein von ihm erfundenes „Chevalier de Seingalt“ hinzufügte - und das eigentlich nur, um ein paar Nonnen zu beeindrucken.

In den 73 Jahren seines Lebens, das am 2. April 1725 begann und am 4. Juni 1798 endete, hatte der gebürtige Venezianer, wie der deutsche Schriftsteller Hermann Kesten in mühsamer Kleinarbeit herausfand, 116 Geliebte, mit denen er, wie er es selbst ausdrückte „das Tier mit den zwei Rücken spielte“ (Iglesias hatte mehr als 3000 - eine einschlägige Hitliste finden Sie unter http://www.naanoo.com/blogartikel_11360_41.html).

Er war der Sohn einer Schauspielerin, die sich ihr Leben lang nicht sehr um den Sprössling kümmerte (der Vater war ohnehin schon sehr früh gestorben) und so musste sich der begabte Jüngling allein durchs Leben schlagen.

Dabei stellte er sehr schnell fest, dass es durchaus sinnvoll sein kann, hier und da ein wenig zu übertreiben, nicht immer ganz die Wahrheit zu sagen und überhaupt möglichst viel Eindruck zu schinden. So weiß man bis heute nicht ganz genau, ob er wirklich einen Doktorhut für Jurisprudenz der Universität Padua besaß oder ob er sich das ausgedacht hatte, wie so vieles in seinem Leben, das eigentlich ja bunt genug war, auch ohne, dass man etwas hinzudichtete.

Hübsch war der alte Schwerenöter, Abenteurer und Ganove eigentlich nicht, aber schlank und rank, was allerdings nicht allein seinen überwältigenden Erfolg bei Frauen erklärt. Er war charmant und elegant und brachte die Damen, was immer schon ein sehr zweckmäßiges Mittel war, sie für sich zu gewinnen, durch einen schier unerschöpflicher Vorrat an Bonmots und geistreichen Bemerkungen zum Lachen.

Außerdem hat er, was Frauen ganz besonders schätzen, fast alle seine Eroberungen wirklich geliebt, hat sich rührend und aufopferungsvoll um sie gekümmert und niemals in seiner Aufmerksamkeit nachgelassen. Und er hat sie, was wohl das eigentliche Geheimnis von Casanovas Glück bei den Frauen ist, stets ernst genommen und verehrt.

Das beste Beispiel ist seine allererste Geliebte, Bettina, die erst 13 Jahre alt war, als er sie eroberte. Er blieb auch bei ihr, als sie an Pocken erkrankte, nahm sogar in Kauf, dass er sich selbst ansteckte. Und er vergaß sie nicht. Viele Jahre später eilte er zu ihr, als sie todkrank danieder lag und hielt sie in seinen Armen, bis sie starb.

Casanova hatte nicht nur bei Frauen viel Glück und wenn es nicht zu ihm kam, so half er ein wenig nach. Einer gewissen Madame d’Urfé beispielsweise gaukelte er vor, er könne durch Geisterbeschwörung ihr Geschlecht verändern und kassierte dafür ein kleines Vermögen. Er hatte geradezu legendäres Glück beim Kartenspiel oder er schummelte, wenn es ausblieb. Ständig musste er sich duellieren und sein halbes Leben bestand aus Flucht: Mal entwich er über die Dächer aus den berüchtigten Bleikammern, dem Gefängnis Venedigs, viel häufiger aber nahm er Reißaus vor eifersüchtigen Ehemännern oder Vätern.

Zwischendurch traf er sich mit der Prominenz seiner Zeit, mit Voltaire, Jean-Jacques Rousseau und Friedrich d. Großen. Bis heute jedenfalls ist seine „Histoire de ma vie““, seine Lebensgeschichte, eines der buntesten, spannendsten und im übrigen auch kulturhistorisch wertvollsten Stücke der Welt-Literatur.

Geschrieben hat sie der alternde Casanova im Schloss der Herren von Waldstein in Dux, dem heutigen Duchcov in Nordböhmen am Fuße des Erzgebirges. Er war dort von 1785 an als Bibliothekar beschäftigt. Casanova schrieb seine Erinnerungen vor allem, um zu verhindern, dass ihn „der schwarze Verdruss umbrachte oder mir den Verstand raubte.“

Seine letzten Jahre verbrachte der alte Spitzbube in frömmlerischer Einsamkeit, voller Trauer über die verlorene Jugend und voller Entsetzen über die neue Zeit, die durch die Französische Revolution begonnen hatte. Und dennoch starb er nicht gern. „Der Tod“, so schrieb er, „ist ein Ungeheuer, das einen aufmerksamen Zuschauer aus dem Welttheater vertreibt, noch bevor das Stück, das ihn ungemein fesselt, zuende ist. Dieser Grund allein reicht schon, um ihn zu verabscheuen ...“


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