Der geniale Mark Twain

21. April

„Die gesamte amerikanische Literatur stammt von einem Buch von Mark Twain, genannt Huckleberry Finn. Vorher gab es nichts. Seitdem gab es nichts, was dem gleichkommt.“ Diese bemerkenswerte Aussage stammt von einem Nobelpreisträger, von Ernest Hemingway, und illustriert eindrucksvoll die Rolle von Mark Twain in der amerikanischen und in der Weltliteratur. Mark Twain starb vor 100 Jahren, am 21. April 1910, und es ist mehr als erstaunlich, was er innerhalb jener 75 Jahre, in denen er auf dieser Welt war, alles schuf - nicht nur mengenmäßig sondern vor allem was die schier unbegreifliche Bandbreite seiner Werke betrifft.

Mark Twain war der Schöpfer unvergänglicher Jugendliteratur, weil es ihm gelang, mit „Huckleberry Finn und Tom Sawyer“ die Phantasien, Gedanken, Träume, aber auch Ängste junger Menschen zu erobern und sie immer wieder neu zu fesseln.

Mark Twain schrieb als Reporter Klatschgeschichten aus den Saloons von Virgina City in Nevada und wurde (noch unter dem Namen mit dem er geboren wurde – Samuel Clemens) ein wichtiger Chronist des „Wilden Westen“.

Mark Twain schrieb hinreißende Reiseberichte, darunter Bücher über den Nahen Osten und Europa mit einer unerreichten Kritik an der „schrecklichen deutschen Sprache“. Mark Twain übersetzte den „Struwwelpeter“ und er war politischer Kommentator und Kriegsberichterstatter.

Mark Twain war eine unerschöpfliche Quelle für scharfzüngige, häufig bissige Kommentare wie „es wäre nicht gut, wenn wir alle dasselbe dächten; nur weil es verschiedene Meinungen gibt, gibt es Pferderennen“ oder „es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist, als Freunde zu gewinnen: sie wieder loszuwerden oder „die Welt steckt voller Ungerechtigkeiten: Ein Schurke darf sich jede Anständigkeit herausnehmen, ein anständiger Mensch aber auch nicht die kleinste Schurkerei.“

Mark Twain schrieb einen Kriminalroman „Knallkopf Wilson“ (Originaltitel: Pudd’nhead Wilson) über einen Juristen, der hobbymäßig Fingerabdrücke sammelt und er schickte 30 Jahre lang an die erste und einzige Frau, die er jemals liebte, wunderbare Briefe voller Wärme und Zärtlichkeit.

Mark Twain schrieb sogar einen Nachruf auf einen der Hunde, die Joshua Norton, dem selbsternannten und ziemlich überkandidelten „Kaiser von Amerika“, gehörten.Viel von dem, was Mark Twain niederschrieb, war Teil seines Lebens, das am 30. November 1835 kurz nachdem der Halleysche Komet aufgetaucht war begann und das bei dessen Wiederkunft endete.

Mark Twain war ein Kind der Südstaaten rund um den Mississippi, auf dem er als Lotse versuchte die Untiefen zu entdecken und ihnen auszuweichen, was ihm im Leben nicht immer gelang. Der Mississippi schenkte ihm seinen Künstler-Namen, denn Samuel Langhorne Clemens hörte immer wieder wie die Männer an Bord die Wassertiefe ausriefen, darunter auch „Mark Twain“ (Marke zwei – rund 3,60 Meter).

Er versuchte in Nevada Silber zu schürfen, macht ein kleines Vermögen ausgerechnet mit der Biografie des Nordstaaten-Bürgerkriegsgenerals und späteren Präsidenten Ulysses S. Grant und er wurde es als passionierter Prozesshansel wieder los und indem er viel Geld in eine Schriftsetz-Maschine investierte, die nicht funktionierte.

Das Privatleben des Mark Twain ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Liebe. Er heiratete 1870 Olivia Langdon, seine „liebe kleine Schwerkraft“, seine „Livy“, eine Frau, die mit 16 auf dem Eis stürzte und seitdem teilweise gelähmt war, um die er sich rührend kümmerte und die aus ihm, dem trinkfesten und zigarrenqualmenden Raubein mit Hang zu deftigen und hart an die Grenze zur Obzönität reichenden Sprüchen einen Gentleman machte, der in der „feinen“ Gesellschaft der Ostküste und als Nachbar von Harriet Beecher Stowe, der Autorin von „Onkel Toms Hütte“ bestehen konnte. Als sie 1904 in Florenz starb und ihn die letzten Jahre seines Lebens allein ließ, da verbitterte er.

Mark Twain wurde noch zynischer, er stellte wütend eine „Hassliste“ auf, in der er die Namen aller seiner Feinde notierte und freute sich eigentlich nur, wenn ihm sein Freund Andrew Carnegie ein Fässchen Whisky schickte. Mag sein, dass er zu jener Zeit auch an einen seiner zahlreichen Sinnsprüche denken musste: „Es ist doch idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben, wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.“

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