Der Star des Rummelplatzes

17. Mai


Es ging schon sehr viel gemächlicher zu als heute, damals, als sich das allererste Karussell dieser Welt im Kreise drehte. Am 17. Mai 1620 war das, auf einem Rummelplatz im osmanischen Phillipopel, heute besser bekannt unter dem Namen Plovdiv in Bulgarien. Bewegt wurde es nicht von einem Motor, sondern von Pferden.

Wobei „Pferde“ genau das richtige Stichwort ist, um zu erklären, wie alles entstand. Ursprünglich hatten nämlich die Kreuzritter mit großem Interesse die Reiterspiele ihrer türkischen oder arabischen Kollegen verfolgt. Denen machte es beispielsweise riesigen Spaß, sich kleine mit Duftwasser gefühlte Tonkugeln zuzuwerfen, die gefangen werden mussten. Wer dass nicht schaffte, roch zwangsläufig tagelang mehr oder weniger gut.

Andere „Urväter“ des Karussells gab es schon vor 1500 Jahren in Byzanz, in Mexiko und Indien. Solche und ähnliche Reiterspiele waren es, aus denen sich die Idee des Karussells entwickelte. Man trat (wie heute noch in ländlichen Gebieten oder bei nostalgischen Burgspielen) gegeneinander an, indem die Herren Ritter versuchten, mit einer Lanze einen kleinen an einem Band hängenden Ring aufzuspießen.

So spaßig das auch klingt, oft wurde daraus bitterer Ernst, sozusagen ein „kleiner Krieg“, was im spanischen „Carosella“ und bei den Italienern „Garosello“ heißt, und somit ein hübscher Name für das immer beliebter werdende Jahrmarktvergnügen gefunden war.

Irgendwann kam irgendjemand auf die Idee, dieses Ringstechen schon frühzeitig zu üben, indem der ritterliche Nachwuchs auf Holzpferde gesetzt wurde, die von Lakaien, Mulis oder Pferden im Kreis gezogen wurden. Aber das fanden nicht nur die jungen Prinzen lustig, sondern im Laufe der Zeit auch ihre Schwesterchen und noch später das gemeine Volk. Das Karussell begann seinen Siegeszug auf den Jahrmärkten der Welt.

Jahrhunderte lang blieb es das Hauptvergnügen auf dem guten alten Karussell, einen neben dem Gerät hängenden Ring zu ergreifen. Wem das gelang, wurde mit einer Freifahrt belohnt. Das änderte sich Ende des 19. Jahrhunderts, als der Engländer Frederick Savage die Erfindung der Dampfmaschine als Antrieb für Karussells nutzte. Das machte sie sehr viel leistungsfähiger, so dass die Holzpferde nach und nach durch Feuerwehrautos, Motorräder, Straßenbahnen oder Schiffchen ersetzt wurden und damit auch der alte Brauch des Ringstechens auf der Strecke blieb. Schade eigentlich ...

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