Die Geburt Preußens

8. April


Es war wirklich überhaupt nicht abzusehen, dass aus jener unbedeutenden Landschaft weit im Osten Europas einmal jene kriegslüsterne europäische Großmacht wachsen würde, die den Königreichen wie Frankreich, Österreich oder England den Schlaf rauben würde.

Denn Preußens Geburt am 8. April 1525, war bescheiden und alles andere als furchterregend. Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, letzter Hochmeister des legendären Deutschen Ordens, unterwarf sich, sein Land und sein Volk dem polnischen König Sigismund I. als Lehnsherrn, was der Preis dafür war, dass er sich nunmehr Herzog von Preußen nennen durfte.

Knapp 422 Jahre gab es dieses Preußen. Am 25. Februar 1947 verfügte der Alliierte Kontrollrat unter dem Eindruck preußischen Stechschritts im gerade beendeten Zweiten Weltkrieg: „Der Staat Preußen, der seit jeher der Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört.“

Aber hier soll ja nicht vom Ende die Rede sein, sondern vom Anfang und der war schwer genug. Als Albrecht von Brandenburg 1511 Hochmeister des Deutschen Ordens geworden war, erbte er ein wirtschaftlich kaum noch lebensfähiges von harten Reparationsforderungen gebeuteltes Land. Seine verzweifelten Versuche, im Deutschen Reich Hilfe zu erhalten, waren vergeblich, hierzulande hatte man andere Sorgen – vor allem waren alle mit der von Martin Luther initiierten Reformation beschäftigt.

Auch Albrecht lauschte den lutherisch geprägten Predigten des Nürnberger Pfarrers Osiander, war beeindruckt und beschloss, Protestant zu werden. Er besuchte Luther in Wittenberg und holte sich von ihm den Rat, seinen Ordensstaat in ein weltliches Gebilde umzuformen. Wenn man so will, stand also kein Geringerer als Martin Luther an der Wiege Preußens.

Schon 1523 wurde im Dom von Königsberg die erste evangelische Predigt gehalten.Noch wichtiger als die lutherische Ausrichtung war aber das organisatorische Geschick des neuen Herzogs. Er schuf eine Zentralregierung in Königsberg, gestützt auf erfahrene Verwaltungsfachleute des Deutschen Ordens. Außenpolitisch geschickt, heiratete Albrecht zunächst die dänische Prinzessin Dorothea, nach deren Tod Anna Maria von Braunschweig, pflegte mit König Wasa von Schweden gute Nachbarschaft und hielt sich so den Rücken frei. Er holte Glaubensflüchtlinge ins Land, Böhmen, Holländer, sogar Schotten.

Die Lebensverhältnisse besserten sich unter anderem durch umfangreiche staatliche Investitionen so sehr, dass Preußen auch für Polen und Litauer attraktiv wurde. Sie siedelten um. Albrecht förderte Wissenschaft (unter anderem Nikolaus Kopernikus) und Kunst, gründete 1544 die Universität Königsberg. 43 Jahre regierte Albrecht in Preußen, er starb im Alter von 78 Jahren am 20. März 1568. Am Ende war ihm die Macht entglitten und auch für Preußen sah es alles andere als gut aus, denn sein einziger Sohn Albrecht Friedrich war erkennbar schwachsinnig. Aber die straffe Verwaltungsstruktur hielt so lange, bis 1577 wieder eine starke Hand die Geschäfte übernehmen konnte, es war die von Georg Friedrich von Brandenburg. Aber das ist eine andere Geschichte ...



Der deutsche Orden
Der Deutsche Orden, die Ritter mit den weißen Mänteln mit dem schwarzen Kreuz, war 1190 in der Zeit der Kreuzzüge entstanden, zunächst als eine Art Sanitätstruppe, dann als Schutz für die Pilger ins Heilige Land, hatte sich aber schon bald neue Aufgaben außerhalb der Rangeleien mit den Muselmanen gesucht. Besonders hübsch fand es der berühmte Hochmeister Hermann von Salza offenbar an der Weichselmündung, wo man am Ostseestrand haufenweise Bernstein finden konnte und wo ausgesprochen heidnische Menschen lebten, die Pruzzen.

Und da man fleißig und gottesfürchtig war, eine Menge von schon damals fast preußisch anmutender Organisation und straffer Verwaltung verstand, wurde dieser „Ordensstaat“, gelenkt aus der „Zentrale“ in Marienburg, ein bemerkenswerter Erfolg. Man baute Städte und Burgen, kultivierte das Land, förderte die Literatur, aber es gab auch Neider. 1410 war es vorbei mit der Ordensherrlichkeit, die berühmte Schlacht bei Tannenberg (die erste, die zweite war gut 500 Jahre später im Ersten Weltkrieg) beendete die Herrschaft der Ritter als politischer Machtfaktor. Als karitativ tätige Ordensgemeinschaft gibt es den Deutschen Orden heute noch.



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