Die Konservendosen-Story

24. April


In einem Zeitalter, in dem es überhaupt nichts Besonderes ist, Lebensmittel praktisch ohne Zeitlimit zu konservieren, kann man sich nur schwer vorstellen, welche Probleme vor allem die Verpflegung von Armeen in der Vergangenheit machte.

Auf See, da gab es Hartbrot und getrockneten Kabeljau, aber wie konnte man eine Landarmee versorgen, wenn nicht durch gnadenloses Ausplündern der eroberten Gebiete? Es war einmal wieder Napoleon, der sich dieses Themas in gewohnt energischer Form annahm. 12 000 Goldfrancs wollte er springen lassen für eine gute Idee.

Der Pariser Zuckerbäcker Francois Nicolas Appert, der am 17. November 1749, geboren wurde, holte sich den Preis, indem er Nahrung in gut verschlossenen Glasgefäße in riesigen Kupferkesseln kochte. Das tat er im Jahre 1804. Die Goldfrancs ausbezahlt bekam er aber erst im Jahre 1810, nachdem die französische Marine umfangreiche Tests einigermaßen erfolgreich abgeschlossen hatte, trotz des Nachteils, der sich daraus ergab, dass die Behälter aus Glas waren und somit bei Seegang leicht zerbrachen.

Die Preisvergabe war an die Bedingung verknüpft, dass Appert ein Kochbuch schreiben musste, in dem er seine Erfindung beschreiben sollte. Er tat es und es erschien sogar auf deutsch unter dem einprägsamen Namen: „Die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nähmlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Kuchen - Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, Kaffeh, Thee u.s.w. in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“

In jenem Jahr 1810, genau am 24. April, zog dann auch der Erzfeind Napoleons nach: Da meldete der britische Kaufmann Peter Durand seine Erfindung einer Konservendose an, die die Versorgung der Royal Navy sichern sollte. Seine Dose bestand aus Weißblech und wurde durch ein kleines Loch gefüllt, das dann mit einem Deckel verlötet wurde. Durand verkaufte sein Patent für 1000 Pfund an die Londoner Fabrik Donkin, Hall & Gamble, die schon bald darauf Tausende von Dosen an das britische Versorgungsamt lieferte.

Gelegentlich wurden die Durand-Dosen auch zivil eingesetzt, wie bei der Polar-Expedition des Engländers Sir William Parry. Aber die Büchse, die mit Kalbfleisch gefüllt war, bestand aus Eisenblech und wog leer ein knappes Pfund. Sie trug die Aufschrift: „Mit Hammer und Meißel rund um den Deckel öffnen“.

Seltsamerweise hatten sich nämlich die Herren Konservendosen-Erfinder überhaupt nicht um das Problem gekümmert, wie man die Dinger öffnen könne. Sie erwarteten einfach, dass den hungrigen Soldaten, Seeleuten oder Forschern schon etwas in die Hände fallen würde, mit denen man ans Eingemachte herankam. Meistens waren es Messer oder Beile oder auch Sägen. Eine Legende besagt, dass ursprünglich das Bajonette nur erfunden wurde, um damit Dosen zu öffnen.

Und so dauerte es bis ins Jahr 1858, bis ein gewisser Ezra J. Warner aus Waterbury in Connecticut ein Werkzeug erfand, halb Sichel, halb Bajonette, das als erster Dosenöffner der Weltgeschichte gelten kann. Aber er war unhandlich und gefährlich, wie der amerikanische Forscher Charles Panati meint: „Zum Öffnen musste man mit seiner großen, gekrümmten Klinge den Dosendeckel durchbohren und diesen mit kräftigen Druckbewegungen den Rand entlang aufschneiden. Ein Ausrutscher konnte böse Folgen haben.“

Warners Erfindung wäre ein totaler Flop geworden, wenn nicht beide verfeindeten Armeen der Nord- und der Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg 1861 den Öffner als Ausrüstungsstück der Soldaten eingesetzt hätten.

Die ultimative Dosenöffner-Technologie, wie wir sie heute noch kennen, entwickelte der Amerikaner William W. Lyman, der seine Erfindung, ein Schneidrad, das an der Kante der Dose entlang läuft, 1870 zum Patent anmeldete. Erst 1925 wurde die Technik noch einmal ein wenig verändert. Die US-Firma Star Can Opener fügte ein gezacktes Rädchen hinzu, so dass sich die Dose nunmehr gegen das Schneidrad drehte. Aber das waren nur noch Feinheiten ...

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