Die Milch ist sicher

9. April


Er sorgte dafür, dass wir heute unbesorgt Milch trinken können, indem er Wein erhitzte und so das „Pasteurisieren“ erfand. Am 9. April 1865 präsentierte der Vater der Mikrobiologie seine Entdeckung, dass zahlreiche Krankheiten durch Mikroorganismen ausgelöst werden und dass kurzzeitiges Erhitzen sie abtötet. Aber nicht nur deshalb war Louis Pasteur einer der ganz Großen in der Welt der Wissenschaft. In Frankreich ist er ein Nationalheld und aus dem nach ihm benannten Institut stammen seit Verleihung der ersten Preise im Jahre 1900 nicht weniger als acht Nobelpreisträger.

Zu Lebzeiten war er alles andere als unumstritten, der Louis Pasteur, aber wer wundert sich schon über Widerstände, wenn ein Physiker und Chemiker sich in Dinge einmischt, die eigentlich nur Mediziner etwas angehen? Aber die Herren Doktores mussten schließlich doch einsehen, dass dieser artfremde Wissenschaftler ihnen völlig neue Erkenntnisse in der Bakteriologie, Immunologie und Antisepsis bescherte, die heute noch Grundlage sind für die Beschäftigung mit allen Arten von Bakterien und andere Mikroorganismen, die immerhin 60 Prozent der Biomasse unseres Planeten ausmachen.

Louis Pasteur brauchte eine Menge Zeit, um festzustellen, dass weitaus die meisten dieser einzelligen Lebewesen durch Erhitzen abgetötet und somit Gärungs- und Zersetzungsprozesse in Flüssigkeiten zumindest hinausgezögert werden. Pasteur beschäftigte sich zunächst mit den, wie es seinerzeit genannt wurde, „Krankheiten des Weines“ und stellte fest, dass es ein Pilz war, der Wein zu Essig werden lässt und dass dies verhindert wird, wenn man den Rebensaft ein paar Minuten auf 69 bis 75 Grad erhitzt. Und dass darunter der Geschmack kaum leidet.

Ganz neu war das zwar auch nicht, denn schon rund 100 Jahre zuvor hatte der Italiener Lazarro Spallanzani festgestellt, dass sich keine neuen Mikroben bilden, wenn eine Flüssigkeit abgekocht und luftdicht verschlossen wird. Aber er konnte sich nicht durchsetzen. Dazu musste schon ein Louis Pasteur her, um der weitverbreiteten Meinung entgegenzutreten, dass Gärung und Fäulnis rein chemische Vorgänge seien.

Seine Forschungsergebnisse ließen Louis Pasteur noch einen entscheidenden Schritt weiter gehen. Er nahm an, dass diese winzig kleinen Organismen, die man nur unter einem Mikroskop erkennen kann, auch für den Menschen bedrohende Krankheiten verantwortlich sind, dass Tiere sich infizieren und dass man etwas dagegen tun kann. Da war zum Beispiel jene eigenartige Krankheit, die 20 Jahre lang die Seidenraupen-Zucht in Frankreich fast zum Erliegen brachte. Pasteur fand heraus, dass dafür winzige Keime verantwortlich waren, die von einer Raupe zur anderen übertragen wurden. Er lernte, wie man infizierte Tiere erkannte, sie aussortierte und schaffte es so, eine ganze Industrie zu retten.

Und dann machte er noch einen großen, genialen Schritt, der allerdings etwas durch Zufall gesteuert wurde. Pasteur hatte mit dem Erreger der sogenannten Hühnercholera herumexperimentiert, und eine der Kulturen stand ungewollt ein paar Wochen herum. Als Pasteur diese Kultur dann doch einem Huhn einverleibte, starb dieses nicht, wie es eigentlich normal gewesen wäre, sondern es überlebte auch noch weitere Angriffe von Hühnercholera, die jedes andere Huhn getötet hätten. Pasteur schloss messerscharf: Durch das Herumstehen waren die Erreger abgeschwächt worden und konnten so nicht mehr voll angreifen, sondern sie gaben dem Körper die Chance, die Eindringlinge abzuwehren. Pasteur hatte die Impfung erfunden, der seitdem Millionen von Menschen ein längeres Leben verdanken.

So auch der 1886 neun Jahre alte Joseph Meister aus dem Elsass, der von einem tollwütigen Hund gebissen worden war und mit Sicherheit gestorben wäre, wenn die Krankheit ausgebrochen wäre. Dies kann unter Umständen sehr schnell gehen, aber auch bis zu zehn Jahre dauern. Nach dem Ausbruch ist Tollwut auch heute noch unheilbar. Aber Joseph Meister hatte Glück, dass ihm Louis Pasteur 13 Injektionen seines bis dahin noch nicht erprobten Impfstoffes verabreichte und damit der Ausbruch verhindert wurde. Joseph Meister wurde später Gärtner in Pasteurs Institut in Paris. Er starb 1940, 45 Jahre nach Louis Pasteur, der am 28. September 1895 im Alter von 72 Jahren verschied.

Angeblich beging Joseph Meister Selbstmord, weil ihn deutsche Soldaten gezwungen haben sollen, den Leichnam des verehrten Louis Pasteur auszugraben. Aber das ist eine andere Geschichte ...

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